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Kommissarin Krusenstern, Staatsanwältin Klemm in Weihnachtsmarktlaune.

Tatort im Ersten

Münster-Tatort „Väterchen Frost“: Mary Christmas und ihr Bruder Lars

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Nadeshda und die Weihnachtsmänner: Der entspannte, wirklich sehr entspannte Münster-Tatort „Väterchen Frost“.

Zwei Tage vor Heiligabend unterhält der Münster-Tatort „Väterchen Frost“ auf unverbindliche, aber jahreszeitgemäße Weise. „Wer ist eigentlich dieser Lars Christmas“, heißt es, als die Stimmung am Ende gelöst wird, und: „Der Bruder von Mary Christmas, oder?“ Denn Boerne und Thiel, Jan Josef Liefers und Axel Prahl, und am Rande auch ihre Staatsanwältin Klemm, Mechthild Großmann, schauen den Festtagen stoisch, aber ohne Plan und Euphorie entgegen. Anderthalb Stunden mit der Lösung eines verwickelten Kriminalfalls zu verbringen, kommt ihnen zupass.

Ein Weihnachtsmann hat Nadeshda Krusenstern, Friederike Kempter, entführt – die einzige, die über die Feiertage eine Menge vorhatte – und seinen Mützenendbommel am Tatort verloren. Nun ist praktisch jeder Weihnachtsmann verdächtig, und in Münster wimmelt es nur so von ihnen. Hierbei gilt die Faustregel: Entweder man ist Weihnachtsmann oder total erkältet oder bei der Polizei oder ein Verbrecher, Schnittmengen sind möglich. Der Hintergrund ist aber ernst – fast bedauerlich, denn jetzt muss man schon ein bisschen aufpassen –, ein Vater will die Polizei zwingen, etwas für seinen Sohn zu tun. Das funktioniert gut. Thiel und Boerne haben praktisch nur darauf gewartet, endlich etwas zu tun zu bekommen, das eine seriöse Alternative zu Weihnachten darstellt: Schon wird verhört, gebuddelt, gelungert, beraten, untersucht und eine neuartige Würgemethode an Silke Haller, ChrisTine Urspruch, getestet.

Tatort aus Münster: Ansätze einer verheißungsvollen Krimiparodie

Es bleibt Zeit für die üblichen Gereiztheiten – „Meine Gegensprechanlage, mein Knopf“ – und Scherze mit Blick auf Boernes nagelneue Superuhr, die stehenbleibt, weil er sie hätte aufziehen müssen. Überhaupt gibt sich „Väterchen Frost“ Mühe, die Bahnen immer wieder zum offenbar einzigen oder jedenfalls ersten Juwelier am Platze zu lenken. Hier arbeiten zwei verschlossene Damen, Heike Trinker und Sophie Lutz, die wie aus einem dramatischeren Film hier hineingeraten sind und jetzt unheimlich wenig zu tun bekommen. Der ergänzende kriminalistische Hintergrund führt in globale Verflechtungen des illegalen Diamantenhandels und beschert David Bennent einen Auftritt als internationaler Schurke. Obwohl sich sein Schurkentum zunächst darin erschöpft, böse zu schauen und mit außergewöhnlich grimmigen Nussknackern zu hantieren, kommt dann schon noch mehr.

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„Väterchen Frost“ enthält Ansätze einer verheißungsvollen Krimiparodie, gegen die an einem 22. Dezember besonders wenig einzuwenden wäre. Aber die Drehbuchautoren Jan Hinter und Stephan Cantz bleiben lieber auf einem Mittelweg zwischen Späßchen und Mitrategelegenheit, während Torsten C. Fischer in seiner Inszenierung nach Möglichkeiten das Bizarre bevorzugt behandelt. Die Halbierung ist in diesem Fall nicht ideal, die Witzeroutine einerseits und andererseits die große Dimension (und woher das halbe Ohr stammt, muss dann auch noch flugs geklärt werden).

Gut ausgestattete Alpträume

Während Boerne und Thiel sich schamlos gut gelaunt um Nadeshda Sorgen machen – sie machen sich auch keine besonders großen Sorgen, einem so gut beleumundeten Entführer traut man offenbar nicht das Schlimmste zu –, sieht man Nadeshda und den Weihnachtsmann, Alexander Geršak. Sie verstehen sich zunehmend gut. Er ist Direktor des Völkerkundemuseums in Saratow. Nadeshda trägt magische Ohrringe. Dieser Teil der Geschichte, harmlos, aber herzerfrischend, ist der beste. Mit Liebe wurden außerdem Thiels enorme Alpträume in Szene gesetzt, und Boerne kann nachweisen, dass Opernliebhaber ganz beiläufig höchst nützliches Wissen aufnehmen.

„Tatort: Väterchen Frost“, ARD, So., 20.15 Uhr. 

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