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Tatort aus München: „Wunder gibt es immer wieder“ – Prächtig wächst der Schierling

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Von: Sylvia Staude

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Die sechs Darstellerinnen der Schwestern in Ordenskleidung an einem Tisch im Kloster. Corinna Harfouch steht, die Übrigen sitzen.
Die Schwestern im „Kloster zum Heiligen Kreuz“ sind alles andere als weltfremd. © BR/Roxy Film GmbH/Hendrik Heiden

Im neuen München-Tatort (ARD) ermitteln die Kommissare Batic und Leitmayr diesmal in einem Kloster. Die TV-Kritik.

Es ist Hochsommer in diesem Weihnachtstatort aus Bayern – ja, das geht hier durchaus zusammen. Bummelnde Touris halten die Kommissare auf („fahr halt zu, schlaf nicht!“), zwischen saftigen grünen Wiesen leuchten die hellgelben Mauern eines Klosters, Assistent Kalli erledigt seine Recherche von einem herrlichen Badesee aus. Er muss nur schnell die Finger ein bisschen abtrocknen, ehe er ans Handy gehen kann. Und aufpassen, dass es von den Haaren nicht in den Laptop tropft.

Ein Mann ist gestorben, der just vorher im Kloster war – der Einkehr und des Wanderns in der schönen Landschaft wegen, sagen die Nonnen. Hm, denken die Kommissare und schauen skeptisch. Denn der Tote war doch auch der Wirtschaftsprüfer der Erzdiözese München. Und es ist ja nicht so (wie man längst weiß), dass Geschäfte der Kirche über jeden Verdacht erhaben wären.

Batic und Leitmayr quartieren sich also gleich mal ein bei den Nonnen im „Kloster zum Heiligen Kreuz“. Dessen Rolle spielt im BR-Tatort „Wunder gibt es immer wieder“ (ARD) mit Würde das Kloster Reisach. Es steht leer, seit im Jahr 2019 die letzten dort lebenden Ordensleute, Unbeschuhte Karmeliten, nach Polen abgezogen wurden. (Es gibt eine „Klosterretter“-Initiative zur Wiederbelebung und Nutzung, aber das nur nebenbei.)

München-Tatort heute in der ARD: Alles unter zehn Schwestern ist ein Problem – wirtschaftlich gesehen

Neben dem dank des Pathologen nicht lange rätselhaften Sterben des Herrn Wirtschaftsprüfer in einem Zug spielt auch das Klostersterben eine Rolle – und möglicherweise hängt das ja zusammen? Denn nur noch sieben Nonnen leben im Kloster zum Heiligen Kreuz (sechs zählen die Ermittler, seltsam), alles unter zehn aber ist ein Problem.

Tatort: „Wunder gibt es immer wieder“

ARD, Sonntag, 19.12.2021, 20.15 Uhr

„Auch die Kirche ist nicht frei von wirtschaftlichen Interessen“, erklärt Schwester Barbara, Corinna Harfouch. Da mag Schwester Angela, Ulrike Willenbacher, noch so ein gutes Händchen für Aktien haben. Da mag der Online-Handel mit Klosterprodukten dank des Fleißes und der Findigkeit von Schwester Klara, Jacoba, Julia und Antonia (Constanze Becker, Petra Hartung, Christiane Blumhoff und Maresi Riegner) noch so brummen.

ARD heute: Tatort aus München – Dunkle Kellergänge und Schierling

Gewitzte Nonnen, alles andere als weltfremd, die findet man üblicherweise in Komödien. Aber Alex Buresch und Matthias Pracht, Buch, und Maris Pfeiffer, Regie, lassen das Scherzen zwar nicht ganz sein – Kommissare, die auf eine Leiter steigen, damit sie Empfang haben –, setzen jedoch die Nüchternheit, fast schon Abgeklärtheit des Münchner Duos, Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl, einmal mehr zu gutem Gewinn ein.

Dazu gibt es eine kleine Prise „Der Name der Rose“: lange dunkle Kellergänge, üble Träume nach dem Genuss von Kräutertee, Schierling (!) im Klostergarten, Nacht für Nacht schreiende Katzen. Einen Hausmeister, der im Knast war und als Alibi angibt, „die Mizzi im Chez Luis“ besucht zu haben.

RolleDarsteller
Kommissar Ivo BaticMiroslav Nemec
Kommissar Franz LeitmayrUdo Wachtveitl
Schwester BarbaraCorinna Harfouch
Schwester KlaraConstanze Becker
Schwester JacobaPetra Hartung
Schwester JuliaChristiane Blumhoff
Schwester AntoniaMaresi Riegner

München-Tatort heute in der ARD: Eine Prise Mafia, ein My Landhauskrimi

Dazu gibt es eine hübsche Prise Mafiakrimi, denn die zwei zweifelhaften Abgesandten aus dem Vatikan, die auch noch mysteriöse Kisten ausladen, was wollen die im Kloster zum Heiligen Kreuz? „Interne Kirchenangelegenheiten“, das kann die Kommissare kaum zufriedenstellen.

Schließlich gibt es ein veritables Landhauskrimi-Ende, indem die beiden Ermittler nämlich alle Verdächtigen zusammenrufen, um die Auflösung zu verkünden. „Wunder gibt es immer wieder“ ist einerseits nicht arg nervenaufreibend, nimmt andererseits seine Protagonistinnen auf eine schöne Weise ernst. (Sylvia Staude)

Im München-Tatort „Dreams“ wurde zuletzt der „der merkwürdigste Fall seit 30 Jahren“ behandelt.

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