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Das angespannte Vater-Sohn-Verhältnis der Bombenräumer Maiwald, Ralph Herforth (links) und Adrian Topol ist sehenswert.

„Tatort: Bombengeschäft“, ARD

Ein Tatort, spannend wie Graubrot

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Ein matter Köln-Tatort geht einem „Bombengeschäft“ auf den Grund.

Stellen Sie sich auf der einen Seite eine Tatort-Torte vor – „paff“ und „puff“ machen darauf kleine bunte Feuerwerksüberraschungskerzen. Solche Torten soll es ja übrigens nur noch zweimal im Jahr geben dürfen. Stellen Sie sich nun am entgegengesetzten Ende den neuen Kölner Tatort vor. Man könnte ihn das Graubrot der sonntäglichen Krimi-Unterhaltung nennen (nichts gegen Graubrot, aber als Film?). Er heißt „Bombengeschäft“, erzählt von Menschen, die Bomben entschärfen, hierzulande alte Weltkriegsbomben, anderswo auch relativ frische Kriegsbomben, die also eigentlich Helden sind, aber womöglich trotzdem einen Übeltäter in ihren Reihen haben.

Aber vielleicht kommt ja auch Ehefrau Alena (Alessija Lause) als eifersüchtige Mörderin in Frage, denn sie wurde vom just in die Luft Gesprengten betrogen. Aber vielleicht kommt auch der Spielhallen-Betreiber in Frage, der wegen Fahrerflucht schon mal im Knast saß. Aber vielleicht kommt ja auch der Immobilienhändler in Frage, der doch bald allzu bereit ist, sich ein bisschen erpressen zu lassen. Oder der ehemalige Kollege des Opfers, der nun im Rollstuhl sitzt. Kann der nicht irgendwie einen Groll hegen deswegen? Und hat er nicht außerdem eine Schwäche für die Frau des Getöteten? Er nennt sie Prinzessin.

Tatort Köln: Ballauf und Schenk wirken, als sei auch ihnen längst langweilig

Und wieder müssen Klaus J. Behrendt (rechts) und Dietmar Bär als Max Ballauf und Freddy Schenk nachfragen. Diesmal bei Alena Krämer (Alessija Lause).

Wie bilderbuchmäßig Thomas Stiller, Regie und Buch, die Verdächtigen und ihre möglichen Motive aufblättert. Und dafür sorgt, dass die Zuschauerin nichts verpasst. Zum Beispiel die demonstrativ einverständigen Blicke zwischen dem späteren Opfer und seiner netten Kollegin. Und die seltsame Kühle der Witwe. Die doch etwas zu verbergen zu haben scheint. Aber Vorsicht, allzu demonstrative Hinweise sind gewiss dazu da, dass sie den Fernsehgucker in die Irre führen.

Klaus J. Behrendt und Dietmar Bär schlappen als Max Ballauf und Freddy Schenk inzwischen durch die Kölner Tatorte, als sei auch ihnen längst viel zu langweilig, als dass sie sich noch echauffieren könnten über skrupellose Mörder und lügende Zeugen. Zwischendurch schütteln sie betrübt den Kopf über ihren Assistenten Jütte, Roland Riebeling, der doch glatt eine Mittagspause macht. Dann fahren sie wieder zu dem oder der Soundso. Und klingen ein bisschen genervt, dass sie zum x-ten Mal sagen müssen: „Sie haben uns nicht die Wahrheit gesagt.“ Oder: „Warum haben Sie uns nicht gesagt...?“

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Wenn am Tatort „Bombengeschäft“ etwas interessieren könnte, dann das angespannte Vater-Sohn-Verhältnis der Bombenräumer Maiwald, Ralph Herforth und Adrian Topol. Dem muss doch was vorausgegangen sein, denkt man, eigentlich eine Menge vorausgegangen sein. Aber immer kratzt dieser Film nur an Oberflächen. Denn so wie er manches so demonstrativ zeigt, dass man sich mit der Nase darauf gestoßen fühlt, so wenig versucht er sich an Nuancen, Atmosphären, an einer Vertiefung der Charaktere.

Nicht nur die Frankfurter, aber sie auch, werden aufgrund spektakulärer Räumungen ganzer Stadtteile mit der Materie der alten Weltkriegsbomben vertraut sein und welchen Verdruss sie machen können, wenn man sie just ausbuddelt. Die Kommissare stehen indessen lässig am Baugruben-Rand, als wüssten sie, dass hier nichts explodieren kann.

„Tatort: Bombengeschäft“, ARD, So., 20.15 Uhr.

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