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Tatort: Was wir erben
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Franziska Tobler (Eva Löbau) und Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) im ARD-Tatort „Was wir erben“.

Schwarzwald-Tatort

Tatort (ARD) heute: „Was wir erben“ - Der Kapitalismus hat es schwer im Schwarzwald

  • Judith von Sternburg
    VonJudith von Sternburg
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Der Schwarzwald-Tatort „Was wir erben“ im Ersten bemüht sich mühevoll und konstruiert um Atmosphäre und Moral.

Schwerer als draußen in der Welt hat es der Kapitalismus im Tatort der ARD, wo kapitalistische Schurken und Schurkinnen ihr Schurkentum immerhin stets offen bei sich und vor sich her tragen müssen. Wenn sie im Verlauf der Folge nicht eh doch noch ermordet werden, so darf auf ihre letztendliche Festnahme gesetzt werden. Oder es passiert ihnen wenigstens etwas Ärgerliches. Auto abgeschleppt, Freundin weg, schlechte Presse, irgendwas halt.

Mal sehen, wie es diesmal wird. Den Kapitalismus vertritt im Tatort vornehmlich ein Geschwisterpaar: Die straffe Schwester, Jenny Schily, führt die Schokokirschenfabrik der Familie beinhart und offenbar erfolgreich in die Zukunft – die Schokokirschen scheinen exquisit zu sein, wie das jähe Konsumverhalten der Kommissarin Tobler, Eva Löbau, dokumentiert (eine gute Gelegenheit, jetzt vom Beistelltischchen aus Weihnachtsreste anzubieten). Der nichtsnutzige Bruder, Jan Messutat, bringt Geld mit windigen Geschäften durch (ein Vermögen in den Sand zu setzen: ein typisches Merkmal für Tatort-Kapitalisten der zweiten und dritten Generation).

Schwarzwald-Tatort „Was wir erben“ (ARD): Unerfahrene lernen das Wort „erbunwürdig“ kennen

Es gibt außerdem eine elternlose Nichte, Johanna Polley, die geruhsam in Berlin studieren kann und recht abgeklärt wirkt. Jedenfalls benimmt sie sich den Hausangestellten gegenüber nicht ganz so unmöglich wie Tante und Onkel, die freilich in ihrem sicher geglaubten Grundrecht als Erbin und Erbe des Familienbesitzes herausgefordert werden.

Hier kurz Tatort-Ermittlerin Tobler zur Gesamtlage (und zu ihrem Kollegen, dem Erben Berg, Hans-Jochen Wagner): „Erben ist immer ungerecht. Viel erben doch nur die, die vorher schon viel hatten und nie was dafür tun mussten.“ Unerfahrene lernen hier auch das Wort „erbunwürdig“ kennen. Dafür muss man aber schon eine Menge unternehmen.

„Tatort: Was wir erben“, ARD, So., 20.15 Uhr.

Die verwitwete alte Mutter, Marie Anne Fliegel, hat jedenfalls in einer überraschenden, übrigens auch anrührenden Eingangsszene die ebenfalls ältere Dame, Wieslawa Wesolowska, geheiratet, die erst seit zwei Jahren bei ihr angestellt ist. Nun eröffnet die Mutter ihren Kindern und der Enkelin, dass die Frau die Villa erben soll. Es fallen grobe Worte, von Dünkel befeuert. Die Mutter stürzt daraufhin unglücklich, was die Erbsache verkompliziert. Die frischgebackene Ehefrau gerät zudem stante pede unter Mordverdacht. Nicht zu glauben, andererseits hat sie etwas verdruckst Verschwiegenes.

Schwarzwald-Tatort in der ARD: Kapitalismus mit stark belasteter Vergangenheit

Im Schwarzwald-Tatort „Was wir erben“ des SWR haben die Polizei und das Drehbuch von Patrick Brunken im Folgenden alle Hände voll zu tun, die Hintergründe zu klären. Die ambitionierte Anlage – es handelt sich um einen Kapitalismus mit stark belasteter Vergangenheit – macht es Tobler und Berg nicht leicht, das Problem zu verstehen. Während Regisseurin Franziska Schlotterer darum bemüht ist, das Atmosphärische einer reichen, aber auch traurigen Familie in Szene zu setzen und Brunken ihr darin auch überhaupt nicht widerspricht, herrscht zugleich eine irritierende Informationsflut.

Das gilt für das Familienleben, in dem vieles doch bloß Behauptung bleibt und ins Leere geht, aber erst recht für den Fortgang des Falls. Momente der Stille sind zwar eingeplant – die Villa selbst als Star des Abends, das wunderliche Glück der beiden alten Damen, die durchaus auch nachdenkliche Oberkapitalistin –, aber stehen doch quer zu einer mühevoll konstruierten Geschichte.

Es ist ein schmaler Grat zwischen einer lakonisch erzählten tragischen Verstrickung und einer rumpelig motivierten Handlung. Eine Ursache dafür ist gerade der Versuch, das vertraute Schwarzweiß zwar nicht zu vermeiden, dann aber doch zu unterlaufen. (Judith von Sternburg)

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