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Dortmund-Tatort „Gier und Angst“: Die Polizei hat die Ruhe weg – Jörg Hartmann als Faber (r.).
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Dortmund-Tatort „Gier und Angst“: Die Polizei hat die Ruhe weg – Jörg Hartmann als Faber (r.).

„Gier und Angst“

Tatort aus Dortmund im Ersten: Hätte er einfach mal aufgepasst!

  • Judith von Sternburg
    VonJudith von Sternburg
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Der Tatort „Gier und Angst“ aus Dortmund bringt die Not der Reichen auf den Punkt. Die TV-Kritik.

Frankfurt am Main - Eine tiefgreifende Lässigkeit belebt den Dortmund-Tatort „Gier und Angst“ (ARD) und das inzwischen nahezu perfekt eingespielte Quartett Faber, Bönisch, Rosa, Jan Pawlak (denn Vor- und Nachnamen kommen hier stets recht gezielt zum Einsatz). Diese Lässigkeit gibt selbst etwas abgedroschenen Vorgängen eine Frische, mit der man den zweiten Tag des Jahres zufrieden und nicht zu anstrengend abschließen kann.

Der eine abgedroschene Vorgang betrifft natürlich den Kapitalismus in einer typischen Erscheinungsform: betrügerisches Finanzgebaren. Es taucht alsbald kichernd hinter dem Leichenfund auf, welcher in einer Regennacht für eine stimmungs-, aber irgendwie folgenlose Eingangsszene sorgt. Denn der Ermordete scheint der einzige zu sein, der kein Schurke war, jedenfalls keiner mehr sein wollte.

Tatort „Gier und Angst“ (ARD): „Ich bin ein Kulturmensch“

Das betrügerische Finanzgebaren kichert, weil es auf besonders willfährige Opfer gestoßen ist. Regisseur Martin Eigler, der das Drehbuch für „Tatort - Gier und Angst“ zusammen mit Sönke Lars Neuwöhner schrieb, setzt vor allem den herrlich verheulten Max von Alfeld (Matthias Bundschuh) in Szene. Es könnte tatsächlich sein, dass der junge Herr von Alfeld sein Vermögen auf Empfehlung seines Finanzberaters (Heiko Pinkowski als onkelhafte Unschuld vom Lande) komplett durchgebracht hat. Jedenfalls fehlt ihm die Übersicht. „Mein Gott, man möchte doch ein bisschen Zeit für die schönen Dinge im Leben haben“, schnieft er. „Ich bin doch kein Geldmensch, ich bin ein Kulturmensch“, schluchzt er. Ja, die Welt ist wirklich so ungerecht, und „Gier und Angst“ lässt es das Publikum in Ruhe selbst merken. Die Polizei schüttelt bloß sachte den Kopf.

Tatort „Gier und Angst“ (ARD)Die Rollen und ihre Darsteller:innen
Faber\tJörg Hartmann
Martina Bönisch\tAnna Schudt
Jan Pawlak\tRick Okon
Rosa Herzog\tStefanie Reinsperger
Haller\tTiman Strauß

Auf den Punkt kommt es schon vorher im ausgeruhten Gespräch mit André Jung als abgeklärter Banker, der sich heutzutage auf Buddha und eine Art Kraftstein konzentrieren kann (Faber, Jörg Hartmann, patscht auch mal drauf, kann nichts schaden). „Die meisten Menschen halten uns Banker und Finanzmanager für Banditen“, sagt der abgeklärte Banker. Die Gier regiere, so heiße es immer. Das aber stimme nur zur Hälfte. „Auf die Gier folgt die Angst.“ Und die wunderbare Rosa, Stefanie Reinsperger, spricht aus, warum: „Man wird nicht reich, ohne dass andere ärmer werden.“

Tatort „Gier und Angst“ (im Ersten): Sätze für die Pinnwand

Sätze für die Pinnwand, mit Vernunft vorgetragen. Auch Details werden erläutert, aber wie der Herr von Alfeld verstehen auch die übrigen armen Kulturmenschen nur die Hälfte davon.

Der andere abgedroschene Vorgang betrifft natürlich das Privatleben der Polizei. Es wird aber passabel zusammengehäkelt mit der Krimihandlung. Die verschwundene Frau von Jan Pawlak (Rick Okon), die Mutter von Mia, ist inzwischen die Freundin eines gewissen Micki, den Sascha Gersak mit Verve als zotteligen und gewissermaßen ruhrgebietsartigen Lumpen spielt.

Zur Sendung

„Tatort: Gier und Angst“, Sonntag, 2. Januar, 20.15 Uhr im Ersten.

„Gier und Angst“ im Ersten: Spielstarker Tatort

Der Lump nämlich, der wirklich einer ist, ein schlimmer, und doch kann man es ihm nicht so richtig verargen. Micki ist es auch, der Ella, Anke Retzlaff, mit Drogen versorgt. Ella und das Publikum wissen schon lange vor Jan Pawlak („Wir bleiben eine Familie“, ruft er ihr aus einem Paralleluniversum zu), dass es für diesen Teil der Geschichte kein Happyend geben kann. Auch Retzlaff spielt in diesem spielstarken Tatort mit der Restkühle, die Fernsehfiguren auch im Stress gut steht und im Tatort „Gier und Angst“ kultiviert wird.

Schwierigkeiten hat ferner Bönisch, Anna Schudt, die ihren Kriminaltechniker (Tilman Strauß) nicht mehr loswird. Der Kriminaltechniker ist halt verliebt, Bönisch ist es nicht. Auch das: vom Feinsten, denn der Übergang von ihrem Abserviermodus zu seinem Stalkertum ist schillernd. Die Eingespieltheit des Teams zeigt sich auch daran, dass Faber stets im passenden Moment dazutritt. Als rigoroser Situationsbeender. Dass sich die Finger von Faber und Bönisch wieder finden, wir sehen es mit Wohlgefallen und warten auf Fortsetzung. (Judith von Sternburg)

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