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Frankfurt-Tatort „Finsternis“ heute im Ersten: Die Kommissarin lernt nicht dazu

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Von: Sylvia Staude

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Familie Gombrecht, sich um die verschwundene Maria sorgend.
Familie Gombrecht, sich um die verschwundene Maria sorgend. © HR/Degeto/Bettina Mueller

Interessante Idee, arg konstruierte Ausführung: Der neue Frankfurt-Tatort „Finsternis“.

Frankfurt - Jeder Fernsehkrimi muss, was die Plausibilität angeht, oft mehr als Fünfe gerade sein lassen. Polizeiarbeit in Echtzeit und unter echten Bedingungen wie zum Beispiel Vorschriften? Daraus ließe sich eher kein spannender Film machen. Wenn aber Buch und Regie mit Gespür für die Gesamtatmosphäre und mit einer gewissen Nonchalance Lücken zu lassen wissen, sind diese Lücken, Unwahrscheinlichkeiten, ist ein Hakenschlagen der Handlung kein Problem.

Doch der neue Frankfurt-Tatort „Finsternis“, Buch und Regie lagen in der Hand Petra Lüschows, wirkt zwischendurch ratlos, eigentümlich verkrampft – bei einer durchaus guten Ausgangsidee und einem mal etwas anderen Ende. Das selbstverständlich nicht verraten werden kann, denn gleich würde die Zuschauerin, den Zuschauer auch die Heillose-Familie-Konstruktion, die „Finsternis“ zugrunde liegt, nicht mehr interessieren.

Frankfurt-Tatort „Finsternis“ in der ARD

Eine gewisse Maria Gombrecht ist verschwunden. Mann und Töchter zeigen sich überzeugt, dass sie entweder noch auf dem Weg nach Frankreich ist oder schon dort eingetroffen zu einem Wanderurlaub, von dem sie sich schon melden wird früher oder später. Zu diesem Zeitpunkt hat die Spusi im Wald zwar keine Leiche (ein junges Paar behauptet, eine gesehen zu haben), doch so viel Blut gefunden, das Maria Gombrecht zuzuordnen war, dass diese eigentlich nur tot sein kann. Aber solange es keine Leiche gibt, wollen Janneke und Brix, Margarita Broich und Wolfram Koch, die Angehörigen nicht damit konfrontieren. Noch dazu, da Ehemann Ulrich Gombrecht, Uwe Preuss, todkrank ist.

RolleDarsteller:in
Anna JannekeMargarita Broich
Paul BrixWolfram Koch
Ulrich GombrechtUwe Preuss
Maria GombrechtVictoria Trauttmansdorff
Judith GombrechtJulia Riedler
Kristina GombrechtOdine Johne
FrederCaspar Kaeser
LuciaVarya Popovkina
FannyZazie de Paris
Jonas HauckIsaak Dentler

Alle sind sie ein bisschen seltsam in der Familie Gombrecht. Und, keine Überraschung, unaufrichtig der Polizei gegenüber. Die eine Tochter, Judith (Julia Riedler, eine Salzburgerin, was man ihr auch anhört), arbeitet als Regisseurin, war schon viel früher in der Stadt als sie angibt und hat mit Mutters EC-Karte viel Geld abgehoben. Frankfurter Theatergängerinnen werden unschwer die Kammerspiele innen und außen wiedererkennen und sich vielleicht fragen, ob man dort tatsächlich einfach übernachten darf auf der Bühne. Die andere Tochter, Kristina (Odine Johne), ist zum zweiten Mal verheiratet, hochschwanger, kümmert sich trotzdem hingebungsvoll um den Vater, der ihr zum Dank sagen wird: „du dummes Stück!“ Sie und ihr Mann haben Maria hinterherspioniert; er steht zu dem Zweck auf der Straße rum wie bestellt und nicht abgeholt.

ARD-Tatort „Finsternis“ macht es sich kompliziert

Kristina Gombrecht hat außerdem einen halbwüchsigen Sohn aus erster Ehe, der offensichtlich eine einzige Funktion hat in diesem Film: Sich zusammen mit einem Kumpel auf einer kleinen Kamera (nicht im Internet) etwas krass Schreckliches anzusehen, das viel später die Auflösung in Gang bringen wird. Weder scheint sich Philipp zu fragen, wer das aufgenommen hat, noch, dass er es einem Erziehungsberechtigten oder besser gleich der Polizei zeigen sollte. Um das plausibel zu finden, muss man die beiden Jungs für schwer gestört halten.

„Tatort: Finsternis“

Ostermontag, 18. April 2022, 20.15 Uhr, ARD

Dieser Frankfurt-Tatort macht es sich und uns komplizierter, als es nötig gewesen wäre. „Finsternis“ hätte ein dunkles, konzentriertes Kammerspiel werden können, eine Geschichte von Gewalt und vom Wegsehen in einer Familie, eine psychologische Studie; freilich hätte dann wohl die Täterschaft deutlich früher offenbart werden müssen.

Noch eine falsche Fährte im ARD-Tatort „Finsternis“

Petra Lüschow hat sich fürs krimiübliche Legen falscher Fährten entschieden, was irgendwann überkonstruiert wirkt. Und dafür, dass das Ermittlerduo an Stellen nicht nachfragt, an denen es logischerweise nachfragen müsste. Auch andere Fehler muss es wieder einmal machen – dürfen Fernsehfiguren, besonders weibliche, eigentlich nichts dazulernen? Denn Anna Janneke betritt auch hier wieder unbefugt und allein ein Haus, ist unvorsichtig noch dazu, lässt sich in Sekunden überwältigen.

Sobald die Zuschauerin nennenswert Zeit damit verbringt sich zu fragen, warum in einem Fernsehkrimi so gegen Vernunft und Vorschriften verstoßen wird, hat er verloren, so wichtig sein Thema auch sein mag. (Sylvia Staude)

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