Tatort aus Dresden - Tote Tierchen sind auch kein gutes Zeichen: Leonie Winkler mit Talia.
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Tatort aus Dresden - Tote Tierchen sind auch kein gutes Zeichen: Leonie Winkler mit Talia.

Fernsehen

Der Tatort „Parasomnia“ aus Dresden verzettelt sich

  • Sylvia Staude
    vonSylvia Staude
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Die ARD zeigt heute Abend einen Tatort aus Dresden. Doch der Geschichte im Ersten geht am Ende die Zeit aus.

  • Der heutige Tatort in der ARD trägt den Titel „Parasomnia“ und spielt in Dresden.
  • Die Hauptdarstellerin im Tatort ist erst 14 Jahre alt und leidet unter der Krankheit Parasomnie.
  • Der Tatort aus Dresden wirkt motiviert, der ARD fehlt am Ende aber die Zeit für die Geschichte.

Mainz - Vergangenen Sonntag hat sich der Münster-Tatort für keine übersinnliche und höllische Kessheit entschuldigt. Professor Börne trifft auf einen Limbus-Beamten, der ihm Leberwurstbrote anbietet und aussieht wie Kommissar Thiel? Könnte doch sein, ist ja noch keiner zurückgekommen – außer Börne natürlich.

Diesen Sonntag in der ARD sieht eine 14-Jährige, die unter Parasomnie leidet – an Schlafstörungen, „Nachtangst“, Alpträumen, Schlafwandeln –, Geisterfrauen und führt die Dresdner Kommissarinnen Karin Gorniak und Leonie Winkler, Karin Hanczewski und Cornelia Gröschel, damit auf die Spur eines Serienmörders. Und am Ende wird im Drehbuch (Erol Yesilkayas) alles brav erklärt, sicherheitshalber in der Regie (Sebastian Markas) auch noch alles gezeigt – führt Leonie Winkler mittels Fotoalbum und Handy-Filmaufnahme „den Beweis, dass es keine Geister gibt“. Wie kleinmütig von den Machern das Tatorts aus Dresden.

Dresden-Tatort „Parasomnia“ (ARD) nimmt einen vielversprechenden Anlauf

„Parasomnia“ ist einer jener Tatorte, die Stilwillen erkennen lassen und einen durchaus vielversprechenden Anlauf nehmen. Ein Vater zieht mit seiner Tochter in eine renovierungsbedürftige Villa; hier werden sie Platz haben für ein Atelier, denn beide zeichnen (Horrorgestalten am liebsten). Doch schon hört der Teenager unheimliche Geräusche, schon findet das Mädchen namens Talia in einem ungenutzten Zimmer einen Toten.

ARD: Dresden-Tatort „Parasomnia“ verzettelt sich

Und sieht von da an eine Frau, im Blümchenkleid, meist von hinten, hört sie auch weinen. Aber warum geht das Mädchen immer dorthin, wo es dunkel und verfallen ist und offenbar kein Lichtschalter vorhanden? Hat sie mit immerhin 14 etwa noch keinen Horrorklassiker gesehen und was gelernt dabei?

„Parasomnia“ ist auch einer jener Tatorte in der ARD, die einen forschen Ausgangspunkt haben, sich dann aber verzetteln und weil sie gleichzeitig alles sauber verschnüren wollen, für nichts richtig Zeit haben. Kurz treten spießige/seltsame Nachbarn auf, die sich gegenseitig beschuldigen. Ganz kurz tritt eine Kinderpsychologin auf.

Dresden-Tatort „Parasomnia“ (ARD, TV): Leider etwas ausgelutscht

Aber irgendwie muss man ja nun die Tatort-Kommissarin im Spukhaus unterbringen, also verguckt sich Talia regelrecht in Leonie, ein Vorbeigehen genügt dafür. Die Kommissarin möchte ihrer Kollegin Gorniak nicht sagen, warum sie Abstand halten will von diesem Mädchen – aber natürlich wird sie es dem Kind später erzählen. Wie auch Talia sich plötzlich erinnern und ihr Trauma erklären wird.

Dass das Wenigste überrascht, weil die hier verwendeten Tricks, Haken und Ösen, auch die filmischen Mittel schon in zu vielen Sonntagabend-Krimis ausgereizt wurden, ist die Schwäche dieses Dresden-Tatorts in der ARD. Und dann muss es auch gleich noch ein Serienmörder sein: In der DDR konnte man ihn nicht fassen, weil es Serienmörder und Psychopathen offiziell nicht geben durfte. Chef Schnabel, Martin Brambach, erklärt es seinen Ermittlerinnen sicherheitshalber doppelt. Dann folgt die vertraute Schufterei im Archiv.

ARD (TV): Dresden-Tatort „Parasomnia“: Hannah Schiller überzeugt

Immerhin spielen die Darstellerinnen des Tatorts in der ARD, allen voran Hannah Schiller als Talia, weitgehend ohne Übertreibung und so selbstverständlich, als wäre, was ihnen just passiert, nicht para-, sondern einfach normal. „Ich weiß, dass ich komisch bin“, sagt das Mädchen und zuckt mit den Schultern. Und Ermittlerin Winkler wird sich nicht nur in ihr Schicksal fügen und bei Talia übernachten, sie wird auch später so geschickt eine Wand einreißen, als gäbe es keine Spusi und würde sie das alle Tage machen. (Sylvia Staude)

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