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Szene aus dem Dortmund-Tatort: Bei der Festnahme von Hakim Khaled (Shadi Eck) wird Martina Bönisch (Anna Schudt) gefilmt.
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Szene aus dem Dortmund-Tatort: Bei der Festnahme von Hakim Khaled (Shadi Eck) wird Martina Bönisch (Anna Schudt) gefilmt.

Tatort-Kritik

Tatort „Heile Welt“ aus Dortmund: Das wird sie nie wieder los

  • Sylvia Staude
    vonSylvia Staude
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Der Dortmund-Tatort „Heile Welt“ zeigt Kommissarin Martina Bönisch im doppelten Shitstorm.

  • Im Tatort „Heile Welt“ aus Dortmund in der ARD ist die Corona-Pandemie in Form von Masken als nicht weiter kommentierte Normalität zu sehen.
  • „Heile Welt“ mit Martina Bönisch (Anna Schudt) bleibt im beliebten Krimi-Schema und mischt eine ganze Menge Themen mit hinein.
  • Die Neue (Stefanie Reinsperger als Rosa Herzog) kommt als Stimme des Maßes und der Vernunft ins Dortmunder Team.

Ansammlungen von Menschen, von denen, je nach politischer Ausrichtung auch, ein paar oder aber die meisten Maske tragen – der neue Dortmund-Tatort ist der erste, dessen Regisseur Sebastian Ko sich beim Dreh sichtbar ins Corona-Pandemie-Schicksal gefügt hat und die Verhüllung als nicht weiter kommentierte Normalität zeigt. Zwar nicht bei den Hauptfiguren, aber immerhin bei den Protestierenden und Gewalttätigen von rechts und links. Dieser Tatort verbiegt sich nicht, nur um Corona komplett auszublenden.

„Heile Welt“ greift außerdem, sicherlich zufällig, die Themen der beiden Tatorte vor ihm auf, Dresden und Ludwigshafen: Statt von bedrängten und beschimpften Sanitäterinnen und Sanitätern, wie vor zwei Wochen „Rettung so nah“, erzählt er von der von allen Seiten attackierten Polizei. Statt dass er, wie vergangenen Sonntag „Hetzjagd“, eine so verquaste wie unglaubwürdige Geschichte um fremdenfeindliche Rechte erfindet, die er dann so halb wieder entschuldigt, glauben hier die Rechten wie die Linken zu wissen, was Martina Bönisch für eine ist.

Läppischer Grund: Sie hat einen jungen Dealer mit migrantischen Wurzeln festgenommen. Da feiern sie die Rechten als Heldin, verurteilen sie die Linken als Rassistin und, das Wort musste ja fallen, „Bullensau“. Bis sie nach rechts einiges klarstellt und fortan nur noch die „linksversiffte Bullenfotze“ ist.

Tatort „Heile Welt“ aus Dortmund (ARD): Rechts und links hetzen gegen Bönisch

Das Urteil fällt schnell, der Ton ist hart, die Hetze im Internet beträchtlich. Bönisch wird fertiggemacht und die Polizeiführung stellt sich nicht hinter sie. Man sieht ihr die Wut und Verzweiflung über die „Beurlaubung“ an. Kollege Faber möchte helfen, aber ungeschickt wie er ist, sagt er matt: „Alles Gute“.

„Heile Welt“ bleibt durchaus in beliebten Krimi-Schemata, mischt eine ganze Menge rein, von Hartz IV bis Stalking, schlägt nicht wenige Haken – tut dies aber im Drehbuch von Jürgen Werner mit Lässigkeit, Mut zur Lücke und ohne in den Dialogen durchsichtig zu Erklärungen auszuholen.

Eine junge Frau ist also in ihrem Kellerabteil erschlagen worden, man hat versucht, die Spuren mit einem Brand zu vertuschen. Aber da tritt schon „ich bin die Neue“ auf, hat einen scharfen Blick, macht zügig eine klare Ansage: Die Neue im Dortmunder Team, das ist Stefanie Reinsperger, die als Rosa Herzog ohne Aufhebens die von Faber vergraulte Nora Dalay (Aylin Tezel) ersetzt. Man scheint sie gleich als Stimme des Maßes und der Vernunft etablieren zu wollen. Schon diesmal bringt sie Ruhe rein, ein feines Gegengewicht gegen Faber und Bönisch, Jörg Hartmann als überspanntester aller Tatort-Polizisten, und Anna Schudt. Jan Pawlak (Rick Okon) wiederum ist diesmal abgelenkt durch die Sorge um seine Frau.

Tatort „Heile Welt“ aus Dortmund (ARD): „Nazis bei der Dortmunder Polizei“, heißt es

Eine der Spuren in der Mordermittlung führt zu einem jungen Dealer, Bönisch nimmt ihn etwas voreilig fest – und die Hölle bricht über sie herein. Die Ausläufer der Aufregungswellen – Nazis in unserer Polizei! – reichen bald bis zu einer Bekannten, die zwar niemanden vorverurteilen will, es aber trotzdem besser findet, wenn Pawlaks Kind nun doch nicht zum Geburtstag ihres Kindes kommt.

Bönisch fürchtet zu Recht, dass die Shitstorms und Verleumdungen bis in alle Ewigkeit an ihr hängenbleiben werden: „Das werd’ ich nie wieder los.“ Dass die Menschen sofort alles raushauen, was ihnen durchs Hirn pfeift, dass das Internet nicht vergisst, dieser Tatort macht es überzeugend zum Thema. (Sylvia Staude)

„Tatort: Heile Welt“, ARD, So., 20.15 Uhr.

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