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Wien-Tatort „Die Amme“: Adele Neuhauser (r.), hier mit ihrer Informantin Wave, Sophie Aujesky.
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Wien-Tatort „Die Amme“: Adele Neuhauser (r.), hier mit ihrer Informantin Wave, Sophie Aujesky.

Krimi im Ersten

Tatort „Die Amme“ (ARD): Ein Ammenmärchen – oder: Alles unterm Deckel halten

  • Judith von Sternburg
    vonJudith von Sternburg
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Der 50. Eisner-Tatort in der ARD aus Wien ist ein so stimmungsvoller Psychothriller, dass man kurz vergisst, wie irre dünn die Story ist.

Max Mayer, dem Frankfurter Schauspielpublikum wohlbekannt, erinnert in dem Tatort „Die Amme“ in der ARD daran, was besonders fehlt, wenn die Theater geschlossen sind: Bühnenschauspieler wie Max Mayer, die sich so fürchterlich in ihre Rollen reinwerfen, dass es kaum auszuhalten ist. Aber das will man natürlich trotzdem sehen und noch einmal sehen, das Losgelassene, Schlenkerige, Exhibitionistische, Max Mayer, wie er sich in dem exquisit muffig (extrem realistisch) ausgestatteten Bad streckt und biegt, anblinzelt und angrient und sich die Lippen anmalt und die Frauenperücke aufsetzt.

Tatort aus Wien in der ARD: Entführter Junge in einer Psycho-Spuk-Wohnung

Das ist nun allerdings auch der Vorgang, der in dieser Folge aus Wien am häufigsten zu sehen ist: Max Mayer als merkwürdiger Typ, der sich die Lippen wieder abwischt, aber jetzt braucht er den Lippenstift doch und dann schon wieder nicht mehr, weil er als Mann loszieht und sich zum Beispiel Drogen beschaffen muss, die er wirkungsvoll konsumiert.

In der insgesamt allem Fortschritt enthobenen (extrem realistischen, von Regisseur Christopher Schier glänzend in Szene gesetzten) Psycho-Spuk-Wohnung befindet sich auch der kleine Junge, den er entführt hat. Man wartet also die ganze Zeit darauf, dass sich zeigt, was Max Mayer von ihm will oder von der Polizei oder von sonst wem. Max Mayer liest dem kleinen Jungen „Die kleine Raupe Nimmersatt“ vor, muss aber selbst so kichern, dass er nicht weiterlesen kann. Der Junge kichert absolut nicht mit, er ist so passiv wie möglich im Zuge reinster, natürlichster Vernunft.

Tatort (ARD): Wenn die Wiener Kommissarin nicht schlafen kann

Es geschieht ihm glücklicherweise auch nichts, die Zeit bleibt bloß stehen, so dass der Junge nicht weg kann und Max Mayer sich wieder umzieht und so weiter. Nun ist die Frage, ob das ein guter Dreh im Buch von Mike Majzen ist oder nicht doch eine Schleife, aus der nicht nur der Typ, sondern auch der Tatort (ARD) nicht herausfindet. Jedenfalls ist es eine intensive Schleife.

Die andere intensive Schleife ist die schlaflose Bibi Fellner, ein anders gelagerter Fall. Adele Neuhauser geht auch anders vor als Mayer, sie zeigt einen Menschen, der wie die anderen ist und doch einzigartig, und sie kann eben nicht schlafen. Sie erträgt die Schlechtigkeit der Welt nicht mehr und erklärt mehrfach: erst müssten sie den Buben (daran wird sich nicht gewöhnen, wer Jungen nicht schon immer so genannt hat) finden. Aber während sie das sagt, wirkt sie so erledigt, dass es doch wohl umgekehrt ist. Wie einst bei Al Pacino ist die Schlaflosigkeit nicht Folge der, sondern Hindernis für die Arbeit. Schon ist Fellner ganz krumm, wenn sie dem wie immer schlecht gelaunten, aber halbwegs aufgeweckten Kollegen Eisner, Harald Krassnitzer, hinterherschlurft.

Kommissar Eisners 50. Tatort in der ARD

Es ist Eisners 50. Tatort, aber das weiß er nicht, weil er keine andere Welt kennt, keine Welt, in der so etwas von Fan und Sender mitgezählt wird. Was er weiß ist, dass er ohne Bibi Fellner nicht mehr zurechtkommt. Es wird richtiggehend sentimental, aber schon auch schön. Ausgerechnet aber in dieser Folge soll Fredos Nachfolgerin Meret, Christina Scherrer, einen Fuß auf den Boden bekommen. Keine Chance, das Thema muss komplett verschoben werden.

Was genau ist aber eigentlich los? Das fragen wir uns auch. Der von Max Mayer gespielte Mann ist als Prostituiertenmörder und Kindsentführer in Wien unterwegs. Wie im Österreich-Tatort üblich soll das unter dem Deckel gehalten werden – diesmal ohne besondere politisch Implikationen, alles Unangenehme und Bedrohliche darf bloß nicht der Fall sein. Dem Sonntagabendpublikum hingegen könnte man jetzt auch nichts Wesentliches verraten, letztlich bleibt vieles nicht nur im Unklaren, sondern dann auch Ungeklärten. Stichwort Dienstnummer, nur als kleiner Tipp.

Tatort (ARD): Mit Gruselbildern alleine gelassen

Unfair: Während wir den Kölnern gerne vorwerfen, dass sie noch die letzte Info wiederholen, damit nur keiner was verpasst (die Ermittler gehen eilig über die Straße, „Jetzt befragen wir noch einmal diese Frau Kaluschke, die vorhin behauptet hat, sie sei mit Herrn Pumpel zusammengewesen, aber Herrn Fip zufolge ist das ja gar nicht möglich“), meckern wir jetzt aus dem umgekehrten Grund: dass die Wiener uns am Ende, nein, kurz vorm Ende, mit ein paar stimmungsvollen Gruselbildern allein lassen (abspeisen), bis es ins rührende Finale geht. Sollte in „Die Amme“ ein Ammenmärchen erzählt werden?

„Das passt alles net“, heißt es zwischendurch. Und selbst an einer solchen sehr schön eingebetteten Überlegung – dass Frauen auch daran zu erkennen sind, dass sie immer wissen, in welchen Schuhen sie laufen können –, kann in der Sache Zweifel keimen. Aber witzig sind sie, selbst wenn ihnen nicht nach Scherzen zumute ist. Der Mann, der anonym bei der Polizei angerufen hat, staunt, als Bibi Fellner und Moritz Eisner bei ihm vor der Tür stehen. Er habe doch anonym angerufen, sagt er rechtschaffen. (Judith von Sternburg)

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