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Anton, Christopher Schärf, und seine schwer angeschlagene Ex, Lana Cooper.
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Tatort „Der böse König“: Anton, Christopher Schärf, und seine schwer angeschlagene Ex, Lana Cooper.

TV-Kritik

Odenthal-Tatort „Der böse König“: Dann lauft schnell weg

  • Judith von Sternburg
    VonJudith von Sternburg
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Der Tatort aus Ludwigshafen bietet neben ein paar Umständlichkeiten die geglückte Charakterstudie eines Narzissten. Die TV-Kritik.

Die beste, also garstigste Phase dieses Tatorts aus Ludwigshafen ist die, in der sich alle noch orientieren müssen: das Publikum und die Ermittlerinnen Odenthal und Stern, Ulrike Folkerts und Lisa Bitter. Aber sie und wir müssen uns nicht nur im Kriminalfall orientieren, sondern auch in der Psyche eines in diesem Fall sehr männlichen Narzissten. Das Drehbuch von Regisseur Martin Eigler ruft der Menschheit zu: Meidet die Narzissten, sie lieben nicht, sie verstehen nicht, sie verletzen und manipulieren und lügen sich die Dinge zurecht, sie werten andere ab, um sich aufzuwerten. Und das würde doch schon reichen, sie aus der Dartmannschaft zu werfen. Aber wenn es nun noch dazu nicht gut für sie läuft, verliert ihr Narzissmus den Rest an gutmütig zu belächelnder Eitelkeit und wird bösartig, und dann biegen sich die Balken, wenn sie lügen, und es kann gefährlich werden. Dann lauft schnell weg, ihr lieben Leute, und dreht euch nicht mehr um. Ihr werden dem Narzissten, der freilich eine arme und nicht die hellste Wurst ist (aber diesen Gedanken denkt er niemals nie), nicht helfen können und euch auch nicht.

Denn Zuwendung führt an dieser Stelle zu nichts, auch wenn er – der Narzisst – gerne darüber spricht, wie empathisch er ist. Und das hat keinen Charme, auch wenn er einen Blumenstrauß in der Hand hält. Sieh an, da ist er schon, der Blumenstrauß. Der Narzisst selbst weiß überhaupt nicht, was los ist. So viel dazu.

„Tatort: Der böse König“: Immer mehr als eine Missetat im Spiel

„Der böse König“ ist so gestaltet, dass die Gemengelage dennoch zunächst gemischt erscheint. An einem spürbar lauen und lebensfreundlichen Sommerabend (unglaublich) im Ludwigshafener Kiez (was es nicht alles gibt) streift Frau Odenthal friedlich umher. Hinter der Verkaufstheke eines Spätis liegt aber bereits der tote Betreiber. Verschiedene grimmige Persönlichkeiten haben sich zuvor und derweil im Laden aufgehalten. Unverdächtig dabei allein die von der Frankfurter Schauspielerin Bettina Kaminski gespielte extravertierte, aber vernünftige Zeugin. Mit den anwesenden Männern hingegen und mit weiteren Männern, angespannten, verschwiegenen, renitenten, müssen sich Odenthal und Stern im Folgenden näher auseinandersetzen. Indem Eigler es nicht zu einfach machen will, macht er es ziemlich kompliziert, aber so ist es wohl im kriminellen Gewerbe. Es ist immer mehr als eine Missetat im Spiel.

Bevor es zu der klassischen Eskalation kommt – so klug und nüchtern die Polizistinnen und dann doch wieder so überrumpelbar –, ist es vor allem der österreichische Schauspieler Christopher Schärf, der dem „Bösen König“ mit einem nämlich tückisch subtilen Spiel eine eigene und sehenswerte Note gibt. Anton heißt er im Film, aber er nennt sich lieber Antoine, wegen seiner französischen Mutter, die er lange gepflegt hat. Auch um seine ziemlich kranke Ex-Freundin, Lana Cooper, kümmert er sich rührend.

„Tatort: Der böse König“: Das interessante Thema Mundfäule

Odenthal und Stern kommen inzwischen sehr gut miteinander klar. Beim interessanten Thema Mundfäule spürt man das Eingespielte und dass nicht mehr alles grundsätzlich verhandelt werden muss. Klingt halt eklig, Mundfäule, und wird leicht überschätzt, wenn man selbst keine Kinder hat. Lisa Bitter führt nachher eine mustergültige Panik vor, mit so inniger Wucht dargeboten, dass es die wirklich viel zu routinierte Szene dazu fast schon wert ist.

Zur Entspannung und zum Nachdenken gehen die beiden Espresso trinken, in einem adretten Stehcafé am Rhein, so dass der Fluss jetzt an mehreren Stellen an der konsumierenden Tatort-Polizei vorbeifließt und sich seinen Teil denken wird. (Judith von Sternburg)

„Tatort: Der böse König“, ARD, So., 20.15 Uhr.

Noch mehr Tatort? „Der Herr des Waldes“, ist ein Saarbrücken-Tatort wie aus einer Zeit, als dick aufgetragen wurde und Klischees laufen lernten, die heute begraben gehören. 

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