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Das Wohnprojekt in Aktion.
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Das Wohnprojekt in Aktion.

TV-Kritik

Tatort (ARD): „Das ist unser Haus“ – Stuttgart-Folge überzeugt mit Dialogen und Menschlichkeit

  • Judith von Sternburg
    vonJudith von Sternburg
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Zarte und schwätzende Menschen in „Das ist unser Haus“: Der grandiose Tatort am Sonntagabend (ARD).

  • Tatort: Das ist unser Haus“ (ARD) von Dietrich Brüggemann wird höchsten Erwartungen gerecht.
  • Die Satire schaut in „Das ist unser Haus“ um die Ecke.
  • Vor allem die hervorragenden Dialoge überzeugen in diesem Stuttgart-Tatort.

Dem Autor, Regisseur und Musiker Dietrich Brüggemann verdanken sich die Tatort-Perlen „Stau“ und „Murot und das Murmeltier“, und auch seine zweite Stuttgart-Folge wird höchsten Erwartungen gerecht. Natürlich muss man damit rechnen, dass es Menschen gibt, die das überhaupt nicht interessiert, dafür sind die genannten Referenzen der geeignete Maßstab.

„Tatort: Das ist unser Haus“ (ARD) wird höchsten Erwartungen gerecht.

Wer an „Stau“ Gefallen fand, sollte sich am Sonntag alles beizeiten zurechtstellen und wesentliche Sonntagabendtelefonate schon geführt oder auf 21.45 Uhr verschoben haben. Schade, jetzt noch etwas zu verpassen, zumal man die Leutchen hier zunächst nicht unbedingt auseinanderhalten kann. Später dann schon. Sie sind nicht mehr als eine Nuance ins Satirische verschoben und eigentlich nicht einmal das. Eigentlich sind sie erschütternd aus dem Leben gegriffen, einem Leben, in dem wir alle feststecken und noch froh, sehr froh darüber sein können. Wer Anke Stellings Berliner-Miet-und-Eigenheim-Höllen-Roman „Schäfchen im Trockenen“ gelesen hat, hat übrigens atmosphärisch einen gewissen Vorsprung, auch wenn die soziale Frage in „Das ist unser Haus“ (ARD) nur am Rande anklingt.

Der SWR-Tatort spielt in einem Wohnprojekt vor den Toren Stuttgarts, das sich Oase Ostfildern nennt – man ahnt, dass schon der alliterierende Name eine ironische Note hat, tatsächlich wurde, das nur am Rande, in Karlsruhe-Daxlanden gedreht – und in dem Angehörige eines akademisch-ökologisch-engagierten-esoterischen Milieus die Chance auf ein Eigenheim suchen. Das akademisch-ökologisch-engagierte-esoterische Milieu, ein weites Feld und Brüggemann und das fabelhafte Ensemble beackern es mit Freuden, zumal es in Stuttgart und um Stuttgart herum auch noch ausgeprägtes Schwäbisch spricht. Der ganze Anfang, die Hausgemeinschaft unter sich, wirkt geradezu improvisiert, so realistisch ist das.

„Tatort: Das ist unser Haus“ (ARD) – Das sind ja richtige Leute

Aber Daniel Bickermann und Brüggemann haben offenbar einfach hervorragende Dialoge geschrieben. Gerade weil die Pointen sich nicht jagen, weil auch viel dummes Zeug geschwätzt wird, all die sprachlichen Füller, die wir am Tag so verwenden, um gemeinsam über die Runden zu kommen.

Ja, die Satire schaut um die Ecke, aber Tatort: Das ist unser Haus* ist keine. Viel zu menschlich die Figuren, viel menschlicher im Argen wie im Arglosen als es das Fernsehen seinem Publikum meistens gönnt. Die junge Familie von Martina und Karsten, Anna Brüggemann und Michael Kranz, ist zwar schon ziemlich zartbesaitet (labil), aber gerade das macht leider ihre frappierende Natürlichkeit aus. Viele Bewohnerinnen und Bewohner der Oase Ostfildern sind praktisch so, dass man glaubt, man müsste sie schon längst kennen. Und achten Sie besonders auch auf Kerstin, Nadine Dubois.

Tatort: „Das ist unser Haus“ (ARD) – Keine Satire, aber nah dran

Es ist viel einfacher, über das akademisch-ökologisch-engagierte-esoterische Milieu zu feixen als einzusehen, dass das erstens Leute sind, die immerhin etwas versuchen, und dass zweitens die anderen auch nicht besser sind. Freilich dachten die Mitglieder des Wohnprojekts am Anfang (ein paar Jahre vor dem Tatort), sie selbst seien die besseren. Die Leute „hier drin“, sagt nun aber die friedfertige Ulrike, Christiane Rösinger, seien genauso wie draußen, „aber die finden einen wenigstens, wenn man tot ist“.

Das ist nicht nichts, zeigt sich im Laufe der Handlung. Auch die Kommissare Lannert und Bootz, Richy Müller und Felix Klare, finden nicht, dass das nichts ist.

Es gibt in „Tatort: Das ist unser Haus“ (ARD) zahllose schöne Szenen, nicht nur sämtliche Gruppentreffen in der Oase, sondern auch eine originelle Fahrrad-Porsche-Fahrrad-Verfolgungsfahrt. Selbst wenn der Krimi (das war in „Stau“ auch schon so) die letzte Durchtriebenheit nicht bietet (vielleicht ist das Leben einfach nicht durchtrieben genug), gibt es zwischendurch einen erfrischenden Clou, den Brüggemann großartig herunterspielt. Weiter von einem Ta-Taa kann sich eine Enthüllung kaum entfernen. *giessener-allgemeine.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

„Tatort: Das ist unser Haus“

ARD, So. 17.01.2021, 20.15 Uhr

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