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Einfach weitersuchen: Bibi Fellner in „Verschwörung“.
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Einfach weitersuchen: Bibi Fellner in „Verschwörung“.

TV-Kritik

Wien-Tatort (ARD): Der Umgangston in „Verschwörung“ ist das Beste an der Folge

  • Judith von Sternburg
    VonJudith von Sternburg
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„Verschwörung“, ein Wiener Tatort aus der Sommerhitze und mit Hunden aller Art. Die Güte liegt in den Einzelheiten.

Wien - Vorher die üblichen Späße: Der Mörder ist immer der Gärtner, nein, ein Wien-Tatort, der Mörder ist also immer der Referatsleiter aus dem Innenministerium. Schau’n mer mal.

Der Referatsleiter aus dem Innenministerium trainiert für einen Marathon und kommt schon sehr früh in einer liebevoll gestalteten Wahnvorstellungsszene auf seiner Laufstrecke um. Der Gärtner mäht den Rasen. Es ist so dramatisch heiß im Wiener Sommer, wie man es sich im Frankfurter Mai überhaupt nicht vorstellen kann. Das Haus des Toten und seines Nachbarn, smarte Neubauten, liegen auf der gelben Wiese wie in der Wüste New Mexicos.

Tatort: „Verschwörung“ (ARD) – Feindbild Politikapparat

All dies geschieht im ARD-Tatort und kommt ins Bild – ganz klassisch – als Rückblende eine Woche vor der allerersten Szene, in der wir miterleben, dass Moritz Eisner, Harald Krassnitzer, sich beim Arbeitsamt meldet. Es ist gut, dass Sender weiträumig ankündigen, wenn jemand den Tatort verlässt. Hier besteht kein Grund zur Panik. Die Frau vom Amt macht Eisner bloß darauf aufmerksam, dass er schwer zu vermitteln sein werde. Als sie ihn fragt, wieso er überhaupt hier gelandet ist, sagt Eisner: „Ich habe meinen Job gemacht.“ Da ahnt man Böses, denn der größte Schurke im Tatort ist am Ende nicht der Kölner Kapitalist, sondern der österreichische Politikapparat.

Als die Rückblende wieder bei dieser Szene angekommen ist, nimmt sie allerdings glücklicherweise eine unerwartete Wendung, bei der ein Hund mit einer Windel eine zentrale Rolle spielt. Überhaupt haben Ivo Schneider (Buch) und Claudia Jüptner-Jonstorff (Regie) Freude an den Tatort-Auftritten sehr unterschiedlicher Exemplare, vom Höllenhund bis zum unwiderstehlichen ausgeliehenen Schoßtier, wobei die meisten vernünftigen Menschen sicher auch am allerliebsten den Hund des Dr. Leytner ihr eigen nennen würden.

Tatort: „Verschwörung“ (ARD) – Da wird es fadenscheinig

Dr. Leytner ist der Nachbar, Matthias Franz Stein spielt ihn mit so genießerischer Abscheulichkeit, dass man an dieser Stelle nichts zu viel verraten kann. Egal wie es endet, dieser Mann ist ein Satansbraten. Auch er war im Politikapparat tätig, jetzt engagiert er sich im „Verein Sichere Zukunft“. Österreichische Vereine, die eine „Sichere Zukunft“ versprechen, sind im ARD-Tatort das einzige, was den Politikapparat an Lumpigkeit übertreffen könnte.

„Tatort: Verschwörung“, ARD, So., 20.15 Uhr.

Zugleich ist hier eine der Stellen, an denen „Verschwörung“ seine Fadenscheinigkeit zeigt. Natürlich ist es spannend, dass offen bleibt, was der „Verein Sichere Zukunft“ vorhat. „Hüft’s nix, schodt’s nix“, kommentiert der Chef, Hubert Kramar, mystifizierend. Sieh mal einer an, der Ernstl. Jedoch nimmt das Unverbindliche der Sache diesmal auch den Schwung. Selbst die beiden stumpfsinnig wirkenden Herrschaften von der niederösterreichischen Polizei, die eingangs am Tatort auftauchen – ja, was wird denn das jetzt, was machen denn die hier? –, verschwinden halt wieder. Denn der Tatort liegt im Wiener Stadtgebiet. „Kennt’s ihr im Internet nachschau’n, wisst’s ihr eh, was das ist“, so formuliert es Bibi Fellner, Adele Neuhauser.

Tatort: „Verschwörung“ (ARD) – Die Güte liegt in den Details

Der Umgangston ist wieder mit Abstand das Beste an dieser Folge. Ihre Güte liegt sowieso nicht im Großen und Ganzen, sondern in ein paar Details (achten Sie auf Eisners Dialog mit der Angestellten in der Praxis des Arztes, auch er: ein Lump).

Aber Eisner, der für ein Jahr in die Niederlande wollte, und Fellner, die neuerdings joggt, ermitteln einfach immer weiter. Umgekehrt ist der österreichische Politikapparat diesmal vielleicht zu sehr mit dem eigenen Lumpsein befasst, um sich ausreichend zu konzentrieren. Es ist, wie gesagt, auch sehr heiß. (Judith von Sternburg)

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