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Odenthal-Tatort „Das Verhör“: Die Kommissarin und die Mordkerle

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Von: Sylvia Staude

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Wird die Kommissarin den Verdächtigen rechtzeitig knacken?
Wird die Kommissarin den Verdächtigen rechtzeitig knacken? Foto<: SWR/Benoit Linder © SWR/Benoît Linder

Die Tatort-Saison beginnt mit einer Frauenhasser-Geschichte, die Lena Odenthal besonders zu schaffen macht.

Frankfurt - Mit harten Kerlen (Bundeswehr) und Powerfrauen (Investmentbanking), mit Männern, die keine Memmen und schon gar nicht „kastriert“ sein wollen, und Frauen, die immerhin „menschlich ein Superkerl“ sein dürfen, mit Feminismus und grausigem Femizid startet der Tatort in die neue Saison. Lena Odenthal und Johanna Stern, Ulrike Folkerts und Lisa Bitter, gehen einerseits routiniert mit den Frauenhassern in Uniform und in Zivil um. Nicht nur beim länglichen Verhör des Titels zeigt Odenthal aber auch, wie angegriffen sie von dieser Tat ist: Eine Frau wurde gefesselt und verbrannt, nicht nur dem Pathologen fällt dabei die Hexenverbrennung ein.

Der Mutter des Opfers fällt zudem sofort der Ehemann ein – das ist unbedingt naheliegend, wie jede Frauenmord-Statistik zeigt –, sie versichert, dass viel Wut im Spiel war in der Ehe ihrer Tochter. Aber da es sich um einen TV-Krimi handelt, fehlt es erstens am Ort der Tat komplett an verwertbaren Spuren. Macht es zweitens der Täter – oder, so viel Korrektheit muss trotz aller Unwahrscheinlichkeit sein, die Täterin – arg kompliziert, indem er oder sie dafür sorgt, dass das Feuer sich erst nach mehr als einer Stunde entzündet.

Tatort „Das Verhör“ in der ARD: Männer gehen angeln

Wem jetzt aus TV-Krimi-Erfahrung eine Ahnung kommt: Genau, eine zweite Frau wird bald entführt, die Kommissarinnen müssen davon ausgehen, dass sie ebenso gefesselt und verdrahtet ist wie die Ermordete und demnächst qualvoll sterben wird. Da pressiert es dann sehr mit dem Geständnis, damit verbunden der Angabe, wo die Entführte zu finden ist.

RolleDarsteller:in
Lena OdenthalUlrike Folkerts
Johanna SternLisa Bitter
Hauptmann KesslerGötz Otto
Oberstleutnant Angelika LimbachKatrin Röver
Patrick WerfelJonathan Müller
Anwalt Baki KayaEmre Aksizoglu
Oberstaatsanwalt MarquardtMax Tidof
Edith KellerAnnalena Schmidt

„Das Verhör“ erzählt von Männern, die Probleme mit Vorgesetzten haben, wenn diese weiblich sind – und die ihrer Meinung nach nur befördert wurden, weil sie eben Frauen sind. Im Drehbuch von Stefan Dähnert geht es nicht ohne das Wort „Powerfrau“, die, wenn sie unbedingt einen Männerjob wie Banker machen muss, wenigstens auch Haushalt und Kinderbetreuung klaglos wuppen soll. Indessen kümmern sich richtige Männer nicht ums K&K-Gedöns, sondern gehen zum Beispiel angeln (und sagen bastamäßig: „Männer gehen angeln“) oder treffen sich zeitgemäß in einem „Chatroom für Kerle“. Dort haben sie auch ihre Untaten geplant, glauben die Hauptkommissarinnen Odenthal und Stern.

Die Feministinnen-Bitches sollen das doch erstmal beweisen, findet Bundeswehr-Hauptmann Kessler. In der Regie Esther Wengers ist Götz Otto ein Mann, wie er geschniegelter, breitbeiniger und kühl-provozierender, auch frauenverachtender kaum sein könnte. Aber ist er ein Mörder, weil er das B- und das noch grobere F-Wort offenbar mit Lust verwendet?

Tatort in der ARD: Odenthal-Krimi „Das Verhör“ enttäuscht

Interessanter als diese am Ende holzschnittartige Figur mit ihren Klischee-Sätzen (wobei: die Kommissarinnen können schon auch Klischee) ist die Frage, ob der Anwalt des Hauptmanns seine Zulassung aufs Spiel setzen wird, um vielleicht ein Leben zu retten. Drei Leute bringen Wenger und Dähnert im Verhörraum zusammen, nur einer, gespielt von Emre Aksizoglu als junger Anwalt, geht wenigstens ein Stück über das Erwartbare hinaus.

„Tatort: Das Verhör“

Sonntag, 4. September 2022, 20.15 Uhr, ARD

Ein Start mit mittelmäßigen Dialogen und einer eher routiniert-absehbaren als wirklich spannenden Geschichte. Vielleicht kommt die Enttäuschung über diese Saison-Eröffnung aber auch daher, dass die Tatort-Sommerpause mit Folgen des weit originelleren „München Mord“ (ZDF-Mediathek) gefüllt wurde. (Sylvia Staude)

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