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50 Jahre Tatort

Tatort: Die Skandale und Geschichte des ARD-Krimis

  • Joshua Schößler
    vonJoshua Schößler
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Der „Tatort“ ist seit 50 Jahren eine Institution in deutschen Wohnzimmern. Doch die Geschichte des ARD-Krimis wird auch von Skandalen begleitet.

  • Der ARD-Krimi Tatort läuft bereits seit über 50 Jahren im Fernsehen.
  • Die lange Geschichte des Tatorts ist immer wieder von Skandalen begleitet worden.
  • Als Gegenstück entwickelte man in der DDR den Krimi Polizeiruf 110.

Berlin – Als die erste Tatort-Folge „Taxi nach Leipzig“ am 29. November 1970 in deutschen Wohnzimmern über die Bildschirme flimmerte, ahnte wohl noch niemand, das er auch noch ein halbes Jahrhundert später durchschnittlich neun Millionen Menschen an die Fernseher und Mediatheken bannen würde.

Erstausstrahlung29. November 1970
Episoden1154
ProduktionsländerDeutschland, Österreich, Schweiz
Länge90 Minuten
IdeeGunther Witte
TitelmusikKlaus Doldinger

„Tatort“: Ein Krimi als bundesdeutsches Erfolgsrezept der ARD

Obwohl in den vergangenen 50 Jahren 355 Regisseure (Stand: 27. Dezember 2020) 1.154 Folgen des Tatort produziert haben, ist er nicht nur seinem ikonischen Vor- und Abspann, sondern auch seinem Konzept treu geblieben.

Der 2018 verstorbene Erfinder des Tatorts, Gunther Witte, formulierte das Erfolgsrezept so: „Das Erste ist einfach: Regionalität. Das Zweite ist, dass der Kommissar die Hauptrolle spielt. Und das Dritte, dass der Tatort die Geschichte der Bundesrepublik spiegeln muss.“

So stellt mit Ausnahme einiger Doppelfolgen jeder Tatort einen in sich geschlossenen Film dar, dessen Kriminalfall am Ende aufgelöst wird. Früh setzte sich zudem durch, dass der Tatort nicht bloß von fiktiven Kriminalfällen erzählt, sondern auch gesellschaftliche Probleme behandeln soll. Ob das immer gelungen ist, darüber streiten sich die Geister traditionsgemäß genau so sehr wie über die filmische Qualität der einzelnen Tatort-Folgen.

Til Schweiger und Fahri Yardim spielen im Hamburger Tatort die Ermittler.

„Tatort“: Der ARD-Krimi im Wandel

In 50 Jahren Tatort lässt sich trotz des beständigen Konzepts eine durchgängige Entwicklung beobachten. Zunächst dominierte in den 70er Jahren der Typ biederer Krawattenhals als Ermittler. Paradigmatisch steht hierfür der Ermittler Heinz Haferkamp des Essener Tatort, gespielt vom 2007 verstorbenen Hansjörg Felmy. 1978 spielte Nicole Heesters als Marianne Buchmüller die erste weibliche Ermittlerin. 1981 folgte mit Ilse Hofmann die erste weibliche Tatort-Regisseurin.

Die Zäsur kam am 28. Juni 1981. Die Duisburger Tatort-Legende Horst Schimanski, gespielt von Götz George, feierte an diesem Tag ihr Debüt. Mit dem „Ruhrpott-Rambo“, wie er von Kritikern genannt wurde, sollte das pralle Leben Einzug in den Sonntagabendkrimi finden. Schimanski trinkt, flucht und macht keinen Hehl aus seinen Frauengeschichten.

Gleichzeitig hat er aufgrund seines Wesens einen guten Draht zu Gastarbeitern und Halbweltgestalten, der ihm bei seinen Ermittlungsarbeiten sehr dienlich ist. Mit Schimanski änderte sich in Deutschland nicht nur das Bild eines Kommissars grundsätzlich, das Wort „Scheiße“ wurde in der TV-Landschaft salonfähig.

„Ruhrpott-Rambo“ Schimanski revolutioniert den ARD-Krimi „Tatort“

In den 90ern bekamen die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten plötzlich Konkurrenz von privaten Fernsehsendern, was sich auch auf die Tatort-Produktionen auswirkte. Dennoch gilt der 1995 von Dominik Graf gedrehte München-Tatort „Frau Bu lacht“ als entscheidende Stufe in der Entwicklung des Formats.

In den letzten 20 Jahren lässt sich ein Trend hin zum Provinziellen beobachten. Statt Großstädte wie Köln, Hamburg, München und Berlin stehen nun Weimar, Göttingen und der Schwarzwald im Zentrum. Der heute populärste Tatort kommt aus Münster.

Alle aktuellen Ermittler des ARD-Krimis „Tatort“ im Überblick

  • Ludwigshafen (SWR): Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) und Johanna Stern (Lisa Bitter)
  • München (BR): Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl)
  • Köln (WDR): Max Ballauf (Klaus Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär)
  • Wien (ORF): Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser)
  • Hannover (NDR): Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) und Anaïs Schmitz (Florence Kasumba)
  • Münster (WDR): Frank Thiel (Axel Prahl) und Karl-Friedrich Börne (Jan Josef Liefers)
  • Kiel (NDR): Klaus Borowski (Axel Milberg) und Mila Sahin (Almila Bagriacik)
  • Stuttgart (SWR): Thorsten Lannert (Richy Müller) und Sebastian Bootz (Felix Klare)
  • Wiesbaden (HR): Felix Murot (Ulrich Tukur)
  • Hamburg (NDR): Nikolas Tschiller (Til Schweiger) und Yalcin Gümer (Fahri Yardım)
  • Hamburg (NDR): Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) und Julia Grosz (Franziska Weisz)
  • Dortmund (WDR): Peter Faber (Jörg Hartmann), Martina Bönisch (Anna Schudt), Jan Pawlak (Rick Okon) und Rosa Herzog (Stefanie Reinsperger)
  • Weimar (MDR): Lessing (Christian Ulmen) und Kira Dorn (Nora Tschirner)
  • Berlin (RBB): Nina Rubin (Meret Becker) und Robert Karow (Mark Waschke)
  • Franken (BR): Felix Voss (Fabian Hinrichs), Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel), Wanda Goldwasser (Eli Wasserscheid) und Sebastian Fleischer (Andreas Leopold Schadt)
  • Frankfurt am Main (HR): Anna Janneke (Margarita Broich) und Paul Brix (Wolfram Koch)
  • Dresden (MDR): Karin Gorniak (Karin Hanczewski) und Leonie Winkler (Cornelia Gröschel)
  • Mainz (SWR): Ellen Berlinger (Heike Makatsch) und Martin Rascher (Sebastian Blomberg)
  • Schwarzwald (SWR): Franziska Tobler (Eva Löbau) und Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner)
  • Saarbrücken (SR): Adam Schürk (Daniel Sträßer) und Leo Hölzer (Vladimir Burlakov)
  • Zürich (SRF): Isabelle Grandjean (Anna Pieri Zuercher) und Tessa Ott (Carol Schuler)

Echte Skinheads und Uwe Mundlos – Skandale des ARD-Krimis „Tatort“

Dass über den Tatort gestritten wird, gehört seit jeher zu selbigen. Es gab aber auch einige Folgen, die regelrechte Skandale auslösten. Die Folge waren Proteste, Sendeabbruch und Erklärungen der Sendeanstalten.

In der Tatort-Folge „Voll auf Hass“, die zuerst am 8. November 1987 ausgestrahlt wurde, taucht auf einer Verlobungsfeier eine Horde Skinheads auf. Diese schlagen alles kurz und klein und töten dabei den Türken Erdal. Als diese Folge im Jahr 1993 wenige Tage nach den rechtsextremistischen Morden in Solingen ausgestrahlt wurde, gab es seitens der Zuschauer:innen dermaßen große Proteste, dass die Folge nach 40 Minuten Sendezeit abgebrochen werden musste. So etwas hatte es bis dahin in der Geschichte des Tatort noch nicht gegeben. Bizarres Detail: Die Skinheads wurden von echten Skinheads gespielt.

Bei der 2001 ausgestrahlten Folge „Bestien“ (Erstausstrahlung 25. November 2001) gab es einen seltsamen Zufall, der einen Skandal auslöste. In einer Szene ist eine Fahndungskarte zu sehen, die das Portrait des NSU-Mörders Uwe Mundlos ziert. Das ist insofern bemerkenswert, als dass der NSU erst knapp zehn Jahre später aufgedeckt wurde. Die Verantwortlichen beim WDR erklärten dies damit, dass eine Praktikantin für den Tatort fiktive Fahndungskarten erstellen sollte und dabei versehentlich das Foto von Uwe Mundlos verwendete.

Große Proteste löste die Folge „Wem Ehre gebührt“ aus, die am 23. Dezember 2007 ausgestrahlt wurde. In diesem Film geht es um eine junge Alevitin, die von ihrem Vater schwanger ist. Damit traf die Drehbuchautorin und Regisseurin des Tatort ein Jahrhunderte altes Vorbild gegenüber Personen alevitischen Glaubens. So kam es, dass am 27. Dezember 2007 rund 300 Alevit:innen vor dem ARD-Hauptstadtstudio protestierten. Am 30. Dezember folgte eine Demonstration in Köln, an der mehr als 30.000 Alevit:innen teilnahmen. „Wem Ehre gebührt“ wird seitdem nicht mehr wiederholt.

Die DDR-Konkurrenz zum ARD-Krimi „Tatort“ – „Polizeiruf 110“

Knapp sieben Monate nach der Ausstrahlung des ersten Tatort in Westdeutschland legte die DDR am 27. Juni 1971 ihr Gegenstück Polizeiruf 110 vor. Dieser entwickelte sich in der DDR schnell zum Publikumsliebling. Doch nicht nur hinsichtlich des Konzepts, sondern auch in Bezug auf die Produktionsbedingungen ging man in der sozialistischen DDR andere Wege als in Westdeutschland.

Anders als im Tatort gab es bei Polizeiruf 110 kein festes Ermittler:innenteam. Dies habe damit zu tun, dass die Schauspieler:innen in der DDR dem Polizeiruf 110 nicht vollständig zur Verfügung standen, da diese aufwendigen Nebentätigkeiten beispielsweise am Theater nachgingen. Dementsprechend wurden die Drehbücher so geschrieben, dass die Ermittler:innen nicht festgelegt waren und bei Bedarf ausgetauscht werden konnten. Dies führte zudem dazu, dass die Ermittler:innen nicht zu sehr im Vordergrund standen.

Im Gegensatz zum ARD-Krimi „Tatort“ gibt es im DDR „Polizeiruf“ keine festen Ermittler

Ein weiterer Unterschied zum Tatort ist der Umgang mit den Schauplätzen. Ist im Tatort die Stadt, in der sich das Geschehen abspielt, immer klar bestimmbar, verteilten sich die Schauplätze von Polizeiruf 110 über die gesamte DDR und werden namentlich nicht erwähnt.

Mord steht in beinahe jedem Tatort im Zentrum der Handlung. Im Polizeiruf 110 hingegen spielen neben Mord vor allem kleinere Vergehen wie Einbruch, Erpressung, Betrug und Diebstahl eine Rolle. Nach der Wende wurde die Produktion von Polizeiruf 110 zunächst eingestellt. Aufgrund des gesamtdeutschen Erfolgs der Ausstrahlung bisher gedrehter Polizeiruf-110-Folgen entschloss man sich aber 1993 dazu, die Produktion fortzusetzen. (Joshua Schößler)

Rubriklistenbild: © NDR/Marion von der Mehden

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