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Die Wiener Polizei mit den Kärntner Kollegen am effizienten Heizkessel.

TV-Kritik

Tatort „Baum fällt“: Potenzial vorhanden und doch fast spröde

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Ein zurückhaltender, fast etwas spröder Krimi aus dem ländlichen Kärnten: Der Österreich-Tatort „Baum fällt“ in der ARD nutzt nicht sein Potenzial.

„Baum fällt“ ruft der Profi, bevor der Baum fällt, und zuweilen ist das aus der Ferne zu hören im gleichnamigen Tatort aus Österreich. Am Kärntner Schauplatz lebt man vom, am, mit dem Wald, woraus das Buch von Agnes Pluch zwar ein paar Sätze bildet (dass einer riecht wie der Wald, dass - überraschender - welche zusammenhalten wie die Bäume), die Inszenierung von Nikolaus Leytner aber nicht allzuviel machen mag.

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Vielleicht fürchteten Pluch und Leytner das touristische Klischee - das freilich nicht zu vermeiden ist, jede Totale sofort eine Postkarte. Wer es aber zu schätzen weiß, wer es womöglich sogar liebt, wenn die Wiener Kriminalpolizei aufs Land fahren muss, wird doch feststellen, dass Kaff-Krimis intensiver und atmosphärischer sein können als die Eisner- und Fellner-Folge für Totensonntag. Denken Sie an die frühen Eisners mit Sophie Rois, „Passion“ und „Böses Blut“. Der Tatort „Baum fällt“ aber sucht auch gar nicht das Bizarre, die Ironie hält sich in routinierten Grenzen, der Fall wird solide absolviert.

Tatort (ARD): „Baum fällt“ - Potenzial wird nicht abgerufen

Denn wenn eine Mutter sagt, den Hubert habe jeder gemocht, dann weiß man eh schon, dass daran etwas nicht stimmen wird. Nachher sieht man in Rückblenden, was das für einer war. Denn jetzt ist Hubert tot und bis auf sein Schultergelenkimplantat verschwunden, da die Leiche in einem hocheffizienten Heizkessel verbrannt wurde. Schon haben die wackeren Polizisten vom Lande die Implantat-Nummer untersucht und abgeglichen. Das bizarre Potenzial ist in diesem Tatort vorhanden, aber es wird nicht abgerufen.

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Da küssen welche herum, und da weint eine, und andere streiten, und es gibt einen aggressiven Umweltschützer, dessen Argumente nicht zu entkräften sind, und überhaupt wohnen auch auf dem Land eine Menge Leute und haben eine Menge Sorgen. Aber für österreichische Verhältnisse bleibt der Tatort „Baum fällt“ ein moderates Kammerspiel. Die Unlust, Figuren zu sehr vorzuführen, hat sogar etwas Sympathisches. Dass sie zugleich zum Teil unschärfer bleiben, als sie müssten, ist schade.

Tatort (ARD): „Baum fällt“ mit Sergente Vianello

Gar nicht uninteressant: Karl Fischer - Brunettis stoischer Sergente Vianello - als Chef der örtlichen Polizei. Er ist älter und grauer geworden, aber auch der Tatort „Baum fällt“ schreibt ihm eine Schicksalsergebenheit in Gesicht und Text (dazu eigenwillige Interpretationen zum Buddhismus). Im Grunde ist er umwerfend. Er und Eisner kennen sich von früher. Raunzen und Fremdeln lösen sich über einer Partie Tischfußball und ein paar Flaschen Bier auf. Auch wenn die Rolling Stones laufen, ist man sich einig. Bibi Fellner lächelt milde.

Im Prinzip auch nicht uninteressant: Verena Altenberger (die neue Münchner Polizeiruf-Polizistin) als ortsansässige Valli mit stiller Aufmerksamkeit und Anspannung. Und doch läuft sie Gefahr im Gewimmel vom Tatort unterzugehen.

Dezent: Harald Krassnitzer und Adele Neuhauser. Fern von Wien werden Wienerinnen und Wiener anscheinend entspannter und eine Spur langweiliger. Es wird geraucht, aber nicht so viel wie früher. Früher habe man zwei Packungen am Tag geraucht, sagt der Chef der Ortspolizei. Und man habe einen Mörder festgenommen und geglaubt, jetzt sei die Welt wieder in Ordnung. Langzeitzuschauer vom Tatort können das bestätigen.

„Tatort: Baum fällt“, ARD, So., 20.15 Uhr.

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