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Die Eckerts am Ort, an dem ihr Kind starb.

„Tage des letzten Schnees“, ZDF

Die Schlaflosigkeit der Hinterbliebenen

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Stille „Tage des letzten Schnees“ nach einem Kriminalroman Jan Costin Wagners im ZDF.

Die Kriminalromane des im hessischen Langen geborenen Jan Costin Wagner erzählen stets in besonderem Maße – und auch in ganz besonderer Weise – vom Umgang der Hinterbliebenen mit dem Tod. Ob es der Mann ist, dessen Frau an Krebs stirbt, oder die Eltern, deren Tochter bei einem Unfall ums Leben kommt, immer ist Wagner nah an den Trauernden, sich keinen Rat mehr Wissenden, Heillosen, Schlaflosen. Für das ZDF haben jetzt Nils-Morten Osburg, Drehbuch, und Lars-Gunnar Lotz, Regie, eine Fernsehfilm-Fassung des 2014 erschienenen Romans „Tage des letzten Schnees“ erstellt, die folgerichtig keine irgendwie hektischen, Entschluss vermittelnden Ermittler zeigt, sondern dunklen, stillen Räumen der Trauer Zeit gibt.

„Tage des letzten Schnees“ im ZDF: Sie glaubt, er habe gelogen

Lars Eckert, Barnaby Metschurat, holt seine Tochter vom Eishockey-Training ab (Wagners Roman spielt in Finnland, wo das plausibler erscheint, das Drehbuch verlegt die Handlung nach Hamburg und Frankfurt), er wird von einem Raser geschnitten, will ausweichen, das Auto überschlägt sich. Ihm passiert nicht viel, seine Tochter ist tot. Victoria Meyer spielt seine Frau Kirsten, die das Schreckliche zuerst nicht verstehen will – „ich bin gerade gar nicht auf Besuch eingestellt“, sagt sie zu Kommissar und Sanitäter –, die dann glaubt, ihr Mann habe, aus Feigheit, das mit dem anderen Auto erfunden, die zuletzt um ein gemeinsames Weiterleben ringt.

Kommissar Fischer – ein grauhaariger, schweigsamer Henry Hübchen –, der sich nur mit diesem Unfall befasst, weil er das Ehepaar Eckert kennt, ist selbst schlaflos und von der Trauer um seine Frau beschwert. Er bekommt allerdings noch einen „echten“ Fall, als eine junge Frau erschossen aufgefunden wird, die als Prostituierte arbeitete. Die sich außerdem ein paar „Liebeskasper“ hielt, wohlhabende Männer, die jeweils glaubten, sie seien die einzig Geliebten. Es liegt nahe, dass einer von ihnen der Täter ist; die Auflösung wird darum auch unspektakulär abgehandelt.

„Tage des letzten Schnees“ im ZDF enthält sich falscher Dramatik

Wichtiger ist Lotz/Osburg eine genaue, vielschichtige Figurenzeichnung. Vor allem geht es um zwei Paare: Aus ihrer sympathischen, wie selbstverständlichen Zugewandtheit stürzen die Eckerts, während auf ihrem Anrufbeantworter noch die fröhliche Stimme der Tochter zu hören ist; die Krankheit Alkoholismus zerstört die Beziehung der Sellins. Bjarne Mädel ist Markus, Banker, er ist seiner Frau Tanja, Christina Große, zwar noch zugeneigt, sucht aber dann doch bei der so lebensvollen Lisa, Mercedes Müller, Trost und Ablenkung. Man sieht ihn, wie er seinem Sohn von Bär, Dachs und Feldmaus vorliest. Man sieht ihn traurig auf seine auf der Couch eingeschlafene Frau blicken – und wie verwandelt bei Lisa.

„Tage des letzten Schnees“ enthält sich jeder falschen Dramatik, auch jedes Urteils über die Menschen, egal, ob sie sich prostituieren oder fremdgehen. Eine Behutsamkeit, die ganz im Sinne der Romanvorlage ist.

„Tage des letzten Schnees“, ZDF, 20.15 Uhr

TV-Kritik „Über die Grenze: Racheengel“ (ARD): Der dritte Film aus der Krimireihe über die Arbeit einer deutsch-französischen Ermittlergruppe ist ein hochklassiger Hochspannungs-Thriller.

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