Vera Reissmüller schafft es bei "Unser Star für Baku" nicht über die erste Runde hinaus.
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Vera Reissmüller schafft es bei "Unser Star für Baku" nicht über die erste Runde hinaus.

"Unser Star für Baku"

Tabelle statt Kandidaten

Bei „Unser Star für Baku“ stehen die nächsten fünf Anwärter für den Eurovision Song Contest fest. Stefan Raab ist begeistert vom Sound der Stimmen. Aber eigentlich dreht sich die ganze Show um die Blitztabelle. Der Favoritin Vera werden schließlich drei Sekunden zum Verhängnis.

Von Lisa Goldmann

Andrew ist schüchtern. Andrew ist aufgeregt. Andrew hat schon verloren. Die Blitztabelle, letzte Woche auch knallhart als „Sympathietabelle“ bezeichnet, zeigt es eindeutig: letzter Platz für Andrew, noch bevor er einen Ton gesungen hat.

„Unser Star für Baku“ ist eine schizophrene Show. Die Kandidaten sind alle extrem gut, von der Kuscheljury gibt es kein böses Wort. Thomas D fühlt sich umarmt, Stefan Raab attestiert allen einen ganz besonderen Sound und Alina Süggeler von der Band Frida Gold manövriert sich geschickt um jede negative Kritik herum. Alles Friede Freude, wenn da nicht diese Blitztabelle wäre. Sie nimmt das linke Drittel des Fernsehbildschirms ein und gibt in Echtzeit an, wer gerade der beliebteste und wer der unbeliebteste Kandidat ist. Von Anfang an können die Zuschauer für ihren Favoriten anrufen.

„Irgendwie setzt einen das unheimlich unter Druck“, sagt Kandidatin Yana über die Tabelle und legt die Hand vor die Augen. Dabei steht die 19-Jährige da gerade auf Platz eins.

Tatsächlich ist es ganz schön fies, wenn die Kandidaten, das erste Mal vor großem Publikum, sich in zwei bis vier Sätzen vorstellen und sich sofort den Fernsehzuschauern ausliefern müssen. Klar, dass die Sängerinnen und Sänger da nervös sind. Müssen sie aber gar nicht. Sie werden den ganzen Abend eh nicht mehr wirklich wahrgenommen, weil alle Zuschauer nur noch auf die Rangliste starren.

Der Zuschauer, das unbekannte Wesen

Die Tabelle steht den ganzen Abend im Mittelpunkt. Und dadurch auch das Fernsehpublikum, das diese Rangliste mit seinen Anrufen lenkt. Der Zuschauer, das geheimnisvolle Wesen mit dem Telefon, rückt in den Fokus. Für wen ruft er an und warum? Wann hat man selbst den größten Impuls, zum Telefon zu greifen? Hat Krankenpfleger Jörg keine Freunde oder warum ruft niemand für ihn an? Als Zuschauer beobachtet man sich in der Tabelle quasi selbst und grübelt mehr darüber, welcher Kandidat jetzt warum auf welchen Platz gewählt wurde, als darüber, wer hier am besten auftritt.

Blöd nur, dass sich diese verflixte Tabelle am Ende verselbstständigt. Als der Countdown beginnt, ist alles wie beim letzten Mal. Die ersten sechs Plätze sind hart umkämpft, nur fünf der zehn Kandidaten kommen weiter. Die Jury versucht die Sänger auf den unteren Plätzen zu pushen. Bei Andrew hat sie dabei keinen Erfolg, da bleibt das Publikum hart. Aber bei Rachel funktioniert es, sie steigt auf. Dafür ist Umut raus. Das geht aber auch nicht, der muss wieder rein. So geht das hin und her.

Und dann passiert etwas, womit keiner gerechnet hätte. Die Schwäbin Vera, die sich schon zum Jury- und, so dachte man, zum Publikumsliebling entwickelt hat, fliegt in den letzten drei Sekunden raus. Wahrscheinlich ist ihr genau ihre Favoritenrolle zum Verhängnis geworden. Nur kurz ist die Unterstützung für sie abgeebbt und schon ist es vorbei. Dass sie, wäre der Countdown nur drei Sekunden länger gewesen, sicherlich wieder aufgerückt wäre, nützt Vera jetzt auch nichts mehr. Und so hat die Blitztabelle ihr erstes Opfer gefunden.

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