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Auf den bis zu 40.000 Jahre alten Flöten aus Tierknochen lassen sich heute noch Melodien spielen.
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Auf den bis zu 40.000 Jahre alten Flöten aus Tierknochen lassen sich heute noch Melodien spielen.

Gemischter Chor

„Swinging Steinzeit“: Eine Dokumentation fragt nach dem Ursprung der Musik

  • VonHans-Jürgen Linke
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„Was ist eigentlich Musik?“ - Dieser Frage geht die Dokumentation „Swinging Steinzeit“ heute auf Arte auf den Grund.

Singen zum Beispiel hat komplizierte physische Voraussetzungen: Wer singt, muss kontrolliert und vergleichsweise lange Luft aus der Lunge durch die Stimmerzeugungs-Organe strömen lassen können. Darum lassen sich viele Tiere mit vergleichsweise kurzen Rufen hören, ohne komplexere Phrasierung und Melodiebildung. Amseln, Papageien, Wale und einige andere bilden da hörenswerte Ausnahmen. Menschen natürlich auch. Andererseits sind physischen Voraussetzungen nicht hinreichend für die Entstehung von Musik. Was zu der zeitlosen Frage führt, was Musik überhaupt ist.

Pascal Goblots Dokumentation mit dem etwas, sagen wir zugespitzten Titel „Swinging Steinzeit – Wie entstand Musik?“ geht dieser Frage mit anthropologischem Erkenntnisinteresse nach. Archäologen haben flötenartige Instrumente gefunden, deren Löcher vor 35.000 Jahren fingergerecht mit spitzen Steinen in hohle Gänseknochen gebohrt wurden. Was bedeuten könnte, dass unsere Gattung damals nicht nur Höhlenwände bemalen, sondern auch Musik machen und vielleicht auch die unterschiedlichen Tonhöhen verschiedener Stalaktiten zum Erzeugen einer perkussiven Melodie benutzen konnte. Auch eine akustische Erkundung von Höhlen, in denen sich frühe Zeugnisse Bildender Kunst fanden, ergibt interessante Hinweise auf enge Zusammenhänge zwischen alter musikalischer und Bildener Kunst.

Zu den ältesten bekannten Musikinstrumenten zählen perforierte Tierknochen, die als Flöten dienten.

„Swinging Steinzeit“ (Arte): Schon der frühe Homo sapiens feierte Feste

Wie in Anthropologen- und Archäologenkreisen üblich, wird von Ritualen und Kontakten mit Geistern und Ahnen geraunt. Dass auch der frühe Homo sapiens schon schlichte Feste gefeiert und sich an Bildern und Musik ohne parareligiöse Mystifikationen und feierliche Riten erfreut haben könnte, passt nicht gut zu unserem Bild von Vorgeschichte.

Der Film geht aber einen großen Schritt weiter zurück: Auch der Neandertaler konnte das alles schon: singen, flöten, Schlagzeug spielen. Gab es in tiefgrauer Vorzeit vielleicht schon gemischte Bands aus Homo sapiens, Flöte, Homo neanderthalensis an den Perkussionsinstrumenten und einem gemischten Chor? Vielleicht auch schon mit einem Instrument, bei dem ein leerer Schädel mit einem Oberschenkelknochen verbunden und mit Darmsaiten ... nun, hier verlassen wir den Sektor seriöser Spekulationen.

Die Evolutionslinien von Homo sapiens und Homo neanterthalensis trennten sich vor etwa 660.000 Jahren. Sicher scheint, dass ihre akustische Wahrnehmung damals schon sehr ausgeprägt gewesen sein muss und dass alles Hörbare mit Emotionen verknüpft wurde. Aber Musik?

Dokumentation auf Arte: Vielleicht ist Musik noch viel älter

Alles, was wir unter Musik verstehen, ist mehr als bloße Erzeugung von Klängen. Musik stellt Zusammenhänge zwischen Klängen und Emotionen her. Darum nimmt die Dokumentation sogar noch einen kleinen Umweg in die Hirnforschung, lokalisiert Hirnareale, in denen Sprache und Musik Aktivitäten erzeugen – mit dem nicht völlig überraschenden Ergebnis, dass es da Zusammenhänge gibt.

Swinging Steinzeit: Wie entstand Musik? Dokumentation. Arte, Samstag, 26. Juni 2021, 20.15 Uhr

Viel Unklarheit herrscht allerdings noch in der Frage, wie genau diese Zusammenhänge aussehen. Für die Entstehungsgeschichte der Musik ist aber ein weites Tor geöffnet worden: Vielleicht sollte man zukünftig als Abgrenzungskriterium zwischen menschlichen und äffischen Vertretern der Gattung Homo nicht den Gebrauch von Werkzeugen, sondern die Fähigkeit, Musik zu machen, setzen?

Aber vielleicht ist Musik noch viel älter. Ornithologen wie Olivier Messiaen oder Albert Mangelsdorff sind ohnehin der Meinung, dass es Musik auf unserem Planeten längst schon gegeben habe, bevor sie von Menschen gemacht wurde. Hören Sie nur mal zu, was Ihnen die Amsel heute Abend zu singen hat. (Hans-Jürgen Linke)

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