TV-Kritik

Tatort Stuttgart (ARD): „Der Welten Lohn“ mit Barnaby Metschurat spart sich das Grelle

  • Sylvia Staude
    vonSylvia Staude
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Der Stuttgarter Tatort „Der Welten Lohn“ in der ARD erzählt von einem Sündenbock und seiner Rache. Dabei spart er sich das Grelle. Die TV-Kritik.

  • Die Stuttgarter Tatort-Kommissare Thorsten Lannert und Sebastian Bootz ermitteln wieder.
  • Tatort Stuttgart (ARD): Barnaby Metschurat als Mann mit Forderungen in „Undank ist der Welten Lohn.“
  • „Der Welten Lohn“ ist ein Stuttgarter Tatort, der sich das Grelle spart.

Stuttgart - Den Titel des neuen Stuttgarter Tatorts (ARD) kennt man etwas länger als „Undank ist der Welten Lohn“. Um den Undank geht es hier, konkret den im Gegenwert von mehr als drei Jahren Gefängnis in den USA. In der Geschichte, die Boris Dennulat erzählt, tritt ein jüngerer Mann mit präzisen Forderungen an einen älteren heran, von dem möchte er mehr als acht Millionen Euro Wiedergutmachung und eine öffentliche Entschuldigung. Der Jüngere, ein praktisch nie blinzelnder Barnaby Metschurat, wirkt durchaus entschlossen, womöglich ist er gefährlich.

Der Tatort Stuttgart „Undank ist der Welten Lohn“ (ARD): Ein mysteriöser Gegenwert

Im schäbigen kleinen Hotel hat Oliver Manlik nach dem Einchecken jedenfalls seine Schuhe pfeilgerade hingestellt und Sit-ups gemacht. Jede Krimiguckerin weiß, zu was Fitness gut sein kann bei zweifelhaften Figuren, die im nächsten Augenblick schon in einer Tiefgarage lauern.

Tatort aus Stuttgart (ARD): Unaufgeregt in Szene gesetzt

Aber so einfach macht es sich und uns dieser von Gerd Schneider unaufgeregt in Szene gesetzte Tatort aus Stuttgart (ARD) glücklicherweise nicht. Indem er nämlich zuerst mal nichts passieren und den Firmenboss auch keineswegs leugnen lässt, sondern nur von „reiner Schadensbegrenzung“ und 2000 Arbeitsplätzen sprechen. Stephan Schad spielt den schwäbischen Manager zwar als kalten Fisch, aber man könnte meinen, dass er alles glaubt, was er so sagt über „Unternehmenskultur“, „deutsche Vollkaskomentalität“ und die Notwendigkeit, der Konkurrenz einen Schritt bzw. ordentliche Bestechungssummen voraus zu sein. „Wirtschaft ist Kampf“, sagt Bässler/Schad.

Neuer „Tatort“ (ARD) in Stuttgart mit Barnaby mit Metschurat

Manlik/Metschurat war vermutlich vor einigen Jahren auch noch dieser Meinung, ein echter „Leader“ (Bässler), der es weit hätte bringen können. Jetzt hat ihn seine Frau verlassen – für einen schlecht bezahlten Erzieher, welche Schmach – und ist er seinem Sohn voll peinlich, wenn er ihn auf dem Schulhof abfängt. Der Film lässt offen, ob er im Knast irgendwas gelernt hat außer die Muskeln zu trainieren, damit er fest zuschlagen kann.

Barnaby Metschurat als Oliver Manlik. Foto: SWR/Benoît Linder.

Tatort Stuttgart (ARD): Kommissare Lannert und Bootz ermitteln

Doch hat er das bei der Personalchefin der Firma getan? Die tot, unglücklich gestürzt oder ermordet, im Wald gefunden wird – an welcher Stelle die Kommissare des Stuttgarter Tatorts (ARD) ins Spiel kommen. Lannert und Bootz, Richy Müller und Felix Klare, müssen sich zwar anhören, dass sie keine Werte schaffen (von Bässler, wem sonst), aber sie behalten die Nerven, durchgängig, und machen ihre Arbeit.

Stuttgarter Tatort „Der Welten Lohn“ (ARD) spart sich das Grelle

„Der Welten Lohn“ (ARD) ist ein Tatort, der einmal wieder nicht von allem zu viel hineinpackt in seine 90 Minuten. Der sich das Grelle spart und mit Klischees (Auflauern in der Tiefgarage) eher spielt. Der ganz große Wurf ist dieser Tatort auch nicht, die Dialoge vor allem hätten mehr Keckheit vertragen – allerdings reden Menschen, die eine Firma leiten, und Menschen, die für diese Firma in den Knast gehen, vielleicht tatsächlich so: „Wirtschaft ist halt Krieg“.

„Tatort: Der Welten Lohn“, ARD, So., 20.15 Uhr.

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Rubriklistenbild: © SWR/Benoît Linder

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