1968 mit Füllen.
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1968 mit Füllen.

Zsa Zsa Gabor

Die streitbare Diva

  • Daniel Kothenschulte
    vonDaniel Kothenschulte
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Im Alter von 99 Jahren stirbt die Hollywood-Diva Zsa Zsa Gabor. Die aus Ungarn stammende Schauspielerin erliegt nach langer Krankheit den Folgen eines Herzinfarkts.

Man hat Zsa Zsa Gabor die erste jener Berühmtheiten genannt, die für ihr Privatleben bekannter sind als für ihr offizielles Wirken; aber diese Ehre gebührt wohl schon Königin Kleopatra.

Spätestens die Massenpresse des 19. Jahrhunderts entdeckte den Ruhm als Eigenwert. So gesehen war Zsa Zsa Gabor weniger eine frühe Paris Hilton (die Urgroßenkelin ihres zweiten Gatten Conrad Hilton) als eine späte Lola Montez; wenn auch ohne deren Tragik. Zwar konnte sie nicht die Gunst eines echten Monarchen gewinnen, aber doch wenigstens die Liebe eines per Adoption geadelten Prinzen. So rührend wie sich der Hollywooddeutsche Fréderic von Anhalt in ihren späten Jahren um seine berühmte Gattin kümmerte, konnte am Ende auch der Boulevard nicht mehr an der Aufrichtigkeit seiner Gefühle zweifeln.

In ihrer achten (nach manchen Quellen gar zehnten) Ehe hatte die Gabor bei einem nicht ganz echten Prinzen endlich die wahre Liebe gefunden. Womit wir bereits in die Falle gestolpert wären, die uns der ehemalige Hollywoodstar mit seiner schillernden Biographie gestellt hat: das Privatleben interessanter zu finden als die Filmkarriere. Doch genau deshalb sollte man die Gabor nicht unterschätzen. Wenn sie etwa sagte: „Ich verdiene Beachtung nicht durch mein Talent, sondern nur dadurch, wer ich bin“, spricht daraus mehr als Selbstbewusstsein.´

In einer Zeit, als Hollywoodstudios junge Schauspielerinnen mit Knebelverträgen unter ihre Kontrolle brachten, entschied sich Gabor dafür, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Dabei macht sie in ihren wenigen größeren Rollen keine schlechte Figur. John Huston besetzte sie im Kostümfilm „Moulin Rouge“ (1952) als Sängerin im Umfeld des Malers Toulouse-Lautrec. Eigentlich nur eine tragende Nebenrolle, schmückte die damals bereits 35-jährige Schönheit das Filmplakat und – gleich nach dem Star José Ferrer – auch die Besetzungsliste. Auch wenn Regisseur John Huston wenig beeindruckt von ihrem Talent gewesen sein soll, führte er sie doch zu einer überzeugenden Darstellung. Bereits zu diesem frühen Zeitpunkt ihrer Filmkarriere lag der Schwerpunkt von Zsa Zsa Gabors Berühmtheit jenseits der Leinwand – und das war ihre Stärke.

Im Moralkonservatismus des Nachkriegsamerika konnte die Selbstbestimmtheit dieses Stars nur imponieren, und wer sie unterschätzte war selber Schuld. Immerhin fünf Jahre währte die Ehe mit einem der großen Intellektuellen unter Hollywoods Charakterdarstellern, George Sanders. Und auch danach konnten es die bissigen Bonmots der Gabor durchaus mit jenen sarkastischen Spitzen aufnehmen, für die George Sanders in seinen Filmen berühmt war: „Ich bin eine gute Haushälterin“, sagte sie etwa. „Nach jeder Scheidung behalte ich das Haus.“

Auch schlechte Nachrichten verwandelte sie in gute Nachrichten, die ihren Ruhm nur mehrten. Die drei Tage im Gefängnis und 120 Sozialstunden, die sie 1990 ableisten musste, nachdem sie einen Polizisten geohrfeigt hatte, waren Gold wert. Bereits im Folgejahr gehörte ihr gleich nach dem Vorspann die erste Szene in der Komödie „Die nackte Kanone 2 ½“ – da legt sie mit einem gekonnten Handschlag die Lampe eines Polizeiwagens lahm.

„Girl Power“ war aus den Mündern der Spice Girls ein leeres Versprechen – bei Zsa Zsa Gabor dagegen noch im hohen Alter lustiger Ernst. Das einzige, was diese Frau wirklich zu Fall bringen konnte, war 2010 ein Krankenhausvirus im UCLA Medical Center von Los Angeles. Nachdem ihr 2011 ein Bein amputiert werden musste, wurde es still um die streitbare Diva. Am Sonntag starb sie im Alter von 99 Jahren in ihrer Villa in Beverly Hills.

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