Der Dokumentarfilm „Streetphilosophy – Kompromiss“ (Arte) von Noah Sari spürt den Möglichkeiten nach, Lebensentwürfe und Wirklichkeit in Einklang zu bringen. (Symbolbild)
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Der Dokumentarfilm „Streetphilosophy – Kompromiss“ (Arte) von Noah Sari spürt den Möglichkeiten nach, Lebensentwürfe und Wirklichkeit in Einklang zu bringen. (Symbolbild)

TV-Kritik zu „Streetphilosophy – Kompromiss“

Ein Leben voller Kompromisse: Gibt es die endgültige Wahrheit?

Der Dokumentarfilm „Streetphilosophy – Kompromiss“ (Arte) von Noah Sari spürt den Möglichkeiten nach, Lebensentwürfe und Wirklichkeit in Einklang zu bringen.

  • Am Samstagabend läuft bei Arte der Dokumentarfilm „Streetphilosophy – Kompromiss“ von Noah Sari 
  • Was bedeutet es, Lebensentwürfe und Wirklichkeit in Einklang zu bringen? 
  • Die TV-Kritik zu „Streetphilosophy – Kompromiss“ bei Arte

Berlin - Noah Saris „Streetphilosophy“ befasst sich mit dem Kompromiss. Ist Berlin die Stadt der kompromisslosen Lebensentwürfe? Noah Sari hat nicht genug Geld, findet also keine schöne Wohnung, muss also erst einmal mit einem WG-Zimmer Vorlieb nehmen. Das Leben ist voller Kompromisse, auch in Berlin. Und auch für den Moderator des Magazins „Streetphilosophy“. 

„Streetphilosophy – Kompromiss“ (Arte): Gibt es die endgültige Wahrheit?

Noah Sari nähert sich von verschiedenen Seiten dem Thema „Kompromiss“. Er tut das mit einer Nachdenklichkeit, die sich am wirklichen Leben orientiert und nach Möglichkeiten sucht, philosophische Fragen anzusprechen, ohne sich von alltäglichen, lebenspraktischen Fragen allzu weit zu entfernen. Dafür sucht er einige Menschen auf, deren Lebensentwürfe verschiedene Wege aufweisen, sich mit Kompromissen abzufinden oder keine Kompromisse mehr machen und keiner Fremdbestimmung mehr gehorchen zu wollen. 

Da ist zum Beispiel Tanya, die sich nicht mehr von einer Agentur sagen lassen will, wie sie auszusehen hat und die nun nicht mehr Model sein will sondern Musikerin. Weil sie davon noch nicht leben kann, macht sie halt erst einmal doch noch Kompromisse, und natürlich ist es eher ein Traum als ein realistisches Ziel, keine Kompromisse eingehen zu müssen. Allein diese sämige, vom Ausdrucksspektrum recht bescheidene Art von fantasiearmer Popmusik, der sie sich mit dem Ziel der kompromisslosen Unabhängigkeit in die Arme werfen will, offenbart ein enormes Maß an ästhetischer Unfreiheit. Was sie selbst (und Noah Sari) aber anders zu sehen scheinen. 

„Streetphilosophy – Kompromiss“ (Arte): TV-Kritik - Ein Leben voller Kompromisse

Andere Beispiele für Lebenskompromisse liefern eine Greenpeace-Aktivistin und eine Philosophin (außerdem Podcasterin, Lebenskünstlerin und Autorin) aus Hamburg. Das gibt Gelegenheit zu einer schönen kleinen Hafenrundfahrt mit Blick von unten auf die großen Pötte sowie einem Gang durch das kompromisslos urbane Schanzenviertel. 

Zurück in Berlin wird der Mittdreißiger Martin Hikel bei der Arbeit besucht. Er ist als Bezirksbürgermeister von Neukölln Nachfolger der aktuellen Bundes-Familienministerin und versteht immer noch ganz ordentlich, mit dem Basketball umzugehen. 

Noah Saris „Streetphilosophy“ spitzt Themen nicht zu und strebt keine klaren Entscheidungen, keine endgültige Wahrheit und allgemeingültigen Lösungen an, sondern schweift nachdenklich umher, stellt Fragen und beantwortet sie, indem neue Fragen entstehen. Und wer in der WG ist jetzt mit Kaffee-Einkaufen dran? Vielleicht erfordert auch die Beantwortung dieser Frage ein wenig Alltagsphilosophie und Kompromissbereitschaft. 

  • „Streetphilosophy – Kompromiss“, Arte, Samstag, 6. Juni, 23:35 Uhr. 
  • Im Netz: Arte +7.

Von Hans-Jürgen Linke 

Die Autoren der Arte-Dokumentation „Starbucks ungefiltert“ werfen einen kritischen Blick hinter die Kulissen der internationalen Kaffeehauskette Starbucks und kommen zu spannenden Erkenntnissen.

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