Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

„Cleopatra“ mit Elizabeth Taylor und Rex Harrison trieb das Studio Fox einst fast in den Ruin. Jetzt stößt man bei Disney Star darauf.
+
„Cleopatra“ mit Elizabeth Taylor und Rex Harrison trieb das Studio Fox einst fast in den Ruin. Jetzt stößt man bei Disney Star darauf.

Streaming-Dienst Disney Star

Streaming: Neues vom Ende des alten Hollywood

  • Daniel Kothenschulte
    vonDaniel Kothenschulte
    schließen

Disney für Erwachsene: Mit dem Label „Star“ ergänzt der Medienkonzern sein Streaming-Angebot um Inhalte jenseits des Kinderpublikums

Niemand weiß, wie viele Kinos nach den Corona-Lockdowns noch dauerhaft öffnen werden. Vielleicht wird man einmal sagen, das Virus habe den Ausschlag zum großen und endgültigen Kinosterben gegeben. So wie der Komet, der die Dinosaurier tötete. Wir wollen es nicht hoffen, aber die Warnsignale sind nicht zu übersehen.

Unter dem Segen der Filmindustrie hat sich ein zweites Virus in unsere schlecht geschützten Wohnungen geschlichen, das Streaming-Virus. Selbst eingefleischte Cineasten zappen sich nächtelang durch das gezielte Versteckspiel der Benutzeroberflächen. Je mehr man vom Kino zu wissen glaubt, desto unwahrscheinlicher ist es, in den index-losen Bibliotheken von Amazon Prime oder Netflix zu finden, was man sucht.

Am Ende ist man dann froh, auf etwas zu stoßen, das man nie vorhatte je wieder zu sehen. Ich hatte nie vor, die Jim-Carrey-Komödie „Der Ja-Sager“ wiederzusehen. Und ebenso wenig hätte ich gedacht, wie viel Spaß der Zufallsfund auf Netflix 13 Jahre nach seinem Kinostart macht, den richtigen Augenblick und die passende Gesellschaft vorausgesetzt.

Disney Plus: Leider ohne geheime Zahlencodes

Für all jene, die dem Zufall ein Schnippchen schlagen wollen, finden sich im Internet geheime Zahlencodes, nach denen Netflix seine Raritäten freiwillig in differenzierten Kategorien ausspuckt. Sogar Stummfilme gibt es unter der Nummer „53310“: An der richtigen Stelle in den Browser eingegeben, sieht man dann restaurierte Meisterwerke des schwedischen Filmarchivs. Leider ist für Disney Plus dergleichen nicht bekannt.

Kein Hollywoodstudio überstand die Krise bislang so schadlos wie der Disney-Konzern. Hatte man die Vergnügungsparks, Kreuzfahrtschiffe und Musical-Kompanien erst einmal eingemottet und mittlerweile 32 000 Beschäftigte entlassen, konnte man sich ganz aufs Streaming-Geschäft konzentrieren. Während der Aktienkurs in den letzten Tagen zu Höchstständen eilte, wurde jetzt der neueste Kanal freigeschaltet: „Star“ gibt es als Gratisbeigabe für Abonnenten von Disney Plus (das nun allerdings 8,99 Euro – zwei Euro mehr – im Monat kostet).

„Star“: Disney für Erwachsene

Zur Begrüßung dürfen wir eine für Disney ungewöhnliche Frage beantworten: Sind wir auch an Inhalten „über 18“ interessiert? Aber gerne doch – nur sollte man das nicht falsch verstehen. Bei Disney bedeutet das eher ein Wiedersehen mit „Pretty Woman“. Und die Rubrik „Animation für Erwachsene“ führt auch nicht zu Underground-Filmen wie „Fritz the Cat“, sondern zu Serien wie „Family Guy“, „The Simpsons“ und als Deutschlandpremiere „Solar Opposites“. Die gezeichnete Sitcom über eine Familie von Außerirdischen, die es in den Mittleren Westen der USA verschlagen hat, wäre mit ihrem nerdigen Dialogwitz bei Disney nie produziert worden.

Allerdings kann man sich auch fragen, ob die lieblose Animation überhaupt eine so prominente Platzierung rechtfertigt. Der Konzern kaufte sie mitsamt der Bibliothek des Medienkonzerns Fox 2019. Nicht weniger als 71 Milliarden Dollar ließ sich Disney damals die wohl größte Medienübernahme der Geschichte kosten.

Disney-Angebot „Star“ behält aber den Schlüssel zum Archiv

Wer das Kino liebt, denkt bei Fox an Friedrich Wilhelm Murnaus Stummfilm „Sunrise“, an John Fords Meisterwerke wie „Früchte des Zorns“. Man erinnert sich an geistreiche Dramen wie „Alles über Eva“ oder an die strahlende Marilyn Monroe in „Blondinen bevorzugt“ von Howard Hawks. Würde uns Disney mit „Star“ den Schlüssel zu diesem einzigartigen Filmarchiv überreichen, würde sich ein Abo mehr als lohnen.

Tatsächlich stammt der Großteil der nun freigeschalteten Filme auf „Star“ aus dem Fox-Ankauf, doch Exklusives ist kaum dabei. Die ältesten Filmschätze sind das Barbra-Streisand-Musical „Hello Dolly“ und „Zwei Banditen“, die auch bei Amazon Prime erhältliche Westernkomödie mit Robert Redford und Paul Newman. Und natürlich jener Monumentalfilm, dessen horrende Kosten das Studio beinahe in den Ruin trieben und das Ende des alten Hollywood besiegelten: „Cleopatra“.

Schon Disney Plus könnte man für geizig halten

Wer 71 Milliarden Dollar für das Archiv eines legendären Hollywoodstudios ausgibt, sollte nicht anschließend zu geizig sein, es überhaupt richtig zu öffnen. Wer sich auf Disney Plus umsieht, muss dies allerdings befürchten. Die Palette der zum Sendestart im März 2020 angebotenen klassischen Disneyfilme wurde nie erweitert. Zwar ist das Korpus der abendfüllenden Zeichentrickfilme verfügbar, doch viele legendäre Abenteuer- und Tierfilme fehlen.

Das Durchstöbern von „Star“ erinnert an den Ausverkauf einer abgewickelten Videothek: Fast alles stammt aus den 1990er und 2000er Jahren, wobei besonderer Wert auf Filmserien gelegt wurde: Sämtliche „Stirb langsam“-Filme sind dabei, die späten Neuauflagen des „Planet der Affen“ und der erste der Originalfilme, jeweils zwei Teile „Das Omen“, „Predator“ und „Independence Day“.

Das Streaming-Fernsehen ist besessen vom Gesetz der Serie. Hier entsteht die für die Unternehmen überlebenswichtige Abonnentenbindung. Die Qualität von Einzelfilmen wiegt da weniger. Und sogar die im US-Fernsehen hochentwickelte Form der Miniserie, des anspruchsvollen Mehrteilers, wird merklich vernachlässigt.

Bemerkenswert auf „Star“: „Sam – Ein Sachse“

Eine Ausnahme bei „Star“ ist eine deutsche Produktion. Der Sechsteiler „Sam – Ein Sachse“ erzählt die wahre Geschichte von Samuel Meffire, dem, wie es Disney formuliert, „ersten schwarzen Polizisten in Ostdeutschland“. Das frühe Leben des nach dem Polizeidienst in die Kriminalität abgerutschten Mannes schilderte 2000 bereits der Dokumentarfilm „Dreckfresser“ von Branwen Okpako, ein komplettes Bild aber wird erst jetzt daraus: In den zurückliegenden zwei Jahrzehnten arbeitete Meffire unter anderem in der Flüchtlingshilfe und als Krimiautor.

Fertig wird die Serie wohl erst 2022. Neben vier französischen, drei italienischen und einer weiteren deutschen Serie belegt sie den internationalen Anspruch des Streaming-Portals.

Die Liste der nun auf „Star“ angebotenen US-amerikanischen Fernsehserien ist beachtlich. Sie reicht von „Akte X“ bis zu „The Walking Dead“. Über Erfolg und Misserfolg von Streaming-Diensten entscheiden allerdings die Originalinhalte. Und da muss sich die Konkurrenz von Netflix noch nicht warm anziehen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare