Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Darlene Love spricht über die Rolle der weltbekannten, aber namenlosen Stimmen der Backgroundsänger, die den Stil der Popmusik geprägt haben.
+
Darlene Love spricht über die Rolle der weltbekannten, aber namenlosen Stimmen der Backgroundsänger, die den Stil der Popmusik geprägt haben.

„20 Feet from Stardom“

Stimmen im Schatten

  • Daland Segler
    VonDaland Segler
    schließen

Arte zeigt Morgan Nevilles mit einem Oscar ausgezeichneten Film über die Stützen der Stars: Background-Sängerinnen.

Schon mal was von Merry Clayton gehört? Oder von Tata Vega, Darlene Love, Lisa Fisher, Jo Lawry, Claudia Lennear? Nein? Doch. Ganz bestimmt sogar. Ohne die Stimme von Merry Clayton wäre „Gimme Shelter“ kaum zu einem der besten Songs der Rolling Stones geworden. Ohne Darlene Loves Gesang gäbe es vielleicht den Phil-Spector-Sound nicht. Und auch die anderen genannten Damen gehören zu den besten Pop- und Rock-Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts. Allerdings sind sie weitgehend unbekannt, weil sie im Hintergrund singen und tanzen – als Background-Sängerinnen. 

Der Autor Morgan Neville richtet in seinem mit dem Oscar ausgezeichneten Dokumentarfilm „20 Feet from Stardom“ den Spot auf diejenigen, die zwar auf der Bühne, aber selten im Rampenlicht stehen; eben ein paar Meter entfernt davon, Star zu sein. Aber sie haben den Sound der populären Musik mitgeprägt. Oft Töchter von Pastoren,  brachten sie die Stimmen und Arrangements des Gospel  der schwarzen Bevölkerung in die Popmusik ein – immer aber aus der zweiten Reihe, und damit um die verdiente Anerkennung gebracht.

Darlene Love etwa, einst bei Phil Spector unter Vertrag, hörte eines Tages eine Aufnahme der „Crystals“ – aber es war ihre Stimme. „Ihre besten Aufnahmen kamen nicht unter ihrem eigenen Namen heraus,“ weiß der Kritiker Warren Zanes. Ike & Tina Tuner mit den Ikettes, Ray Charles mit den Raelettes: Die Stars waren auf die Begleitung angewiesen, die nicht nur singen, sondern auch tanzen und erotische Ausstrahlung auf der Bühne verströmen konnte.

Und die jungen Beat-Musiker auf den britischen Inseln, die sich auf die Tradition des Blues und Jazz beriefen, wollten bald auch „schwärzer“ klingen, wie etwa Joe Cocker mit seinen „Mad Dogs & Englishmen“. 

Mick Jagger, der sich im Film einmal despektierlich über die Arbeit der Background-Künstlerinnen äußert („immer nur uuh und aah, das kann es nicht sein“) engagierte Merry Clayton  für  Aufnahmen der LP „Let it Bleed“, und in einer der netten Anekdoten dieses Films erzählt die Sängerin, sie habe sich da geschworen: „Beim  nächsten Take puste ich sie aus dem Zimmer!“ Seit 1989 heißt die Begleitung der Stones auf ihren Tourneen Lisa Fisher, und wenn diese charismatische, sympathische und bescheidene Künstlerin mit Sting unterwegs ist, bekommt sie schon mal das Rampenlicht für sich alleine.

Aber alleine, nur unter ihrem Namen, wurde keine der in diesem spannenden und lebendigen Film porträtierten Sängerinnen ein Star. Merry Clayton begab sich unter die Fittiche des Produzenten Lou Adler. Von ihrer künstlerischen Ausdruckskraft, ihrer Stimme her „spielt sie  in einer Liga mit Aretha Franklin“  zeigt sich Adler überzeugt. Doch der Erfolg blieb aus. Auch weil es Aretha Franklin gibt, weil es Diana Ross gab, weil der Markt damit abgeschottet ist, vermutet Autor Neville.

Darlene Love musste irgendwann putzen gehen, Tata Vega musste sich anhören, sie sei zu alt (und schlimmeres...), Claudia Linnear konnte die Gasrechnung nicht mehr bezahlen und arbeitet heute als Spanisch-Lehrerin. Aber die anderen haben das Tal der Tränen hinter sich lassen können und spät die verdiente Anerkennung erfahren: Darlene Love wurde in die Hall of Fame des Rock’n’Roll aufgenommen.

Doch die große Zeit der Background-Sägerinnen ist vorbei. Heute wird technischer produziert, werden die Stimmen nach einer Plattenaufnahme schon mal elektronisch „nachjustiert“, wie ein Produzent weiß. Michael Jacksons Begleiterin Judith Hill als Nachfahrin der großen Stimmen setzt deshalb alles daran, eine Solokarriere aufzubauen.

Mit einer abwechslungsreichen Montage und zahlreichen Interviews mit Größen des Popgeschäfts wie Sting, Stevie Wonder und Bruce Springsteen, die um den Wert ihrer Begleiterinnen wissen, gelingt Autor Neville ein kurzweiliger wie informativer Abriss eines halben Jahrhunderts Popgeschichte, und er findet einen anrührend sentimentalen Schlussakkord, wenn Darlene Love „Somebody to Lean on“ singt, begleitet vom Hintergrund-Gesang ihrer Kolleginnen Judith Hill und Jo Lawry und Lisa Fisher.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare