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Regisseur Stanley Donen.

Stanley Donen

Der Mann hinter „Singing in the Rain“ ist tot

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Mit Stanley Donen ist der letzte Starregisseur aus Hollywoods Glanzzeit gestorben.

Wenn es ein bleibendes Selbstbildnis der Traumfabrik gibt, dann vielleicht dieses: Gene Kelly hat sich mit Debbie Reynolds in ein leeres Studio geschlichen. Souverän bewegt er einen Schalter, und ein rosa Abendhimmel erscheint hinter der Bühne. Dazu: „Nebel von den entfernten Bergen“, wie Kelly vollmundig verkündet, bevor er an einer weiteren Maschine rüttelt und hinzufügt: „Noch 25 000 Kilowatt Sternenstaub gefällig?“

Mit diesem betörenden Augenblick über die Allmacht der Illusion aus „Singing in the Rain“ setzte sich Hollywood vielleicht das schönste Denkmal. Nun ist der Mann hinter dieser launigen Illusion gestorben, der zugleich ihr letzter überlebender Star-Regisseur gewesen ist, Stanley Donan. Wenn Wünsche so einfach in Erfüllung gingen, wie es dieser Film suggeriert, wäre er allerdings vielleicht nie hinter der Kamera aufgetaucht. „Das einzige, was ich werden wollte, war Stepptänzer“, sagte er später.

Tatsächlich nahm er schon als Zehnjähriger Tanzstunden und debütierte mit 17 am Broadway im Musical „Pal Joey“. Das war 1941, die Hauptrolle spielte Kelly, und beide wurden Freunde. Drei Jahre später erneuerten sie ihre künstlerische Partnerschaft in Hollywood, wo sich das MGM-Studio auf farbenprächtige Musicals spezialisiert hatte. Donen war als Assistenz-Choreograph engagiert worden. Erstmals standen sie gemeinsam als Regisseure im Vorspann des Musicals „On the Town“, in dem Kelly an der Seite Frank Sinatras spielte. Während Kelly ein gewissenhafter Arbeiter war, sorgte Donen für Entspanntheit und Humor. „Es war wundervoll“, erinnerte er sich später, „aber manchmal auch eher anstrengend“. Tatsächlich charakterisiert die Mischung aus Perfektion und einer mitunter selbstironischen Haltung zur Künstlichkeit des Geschehens ihre gemeinsamen Arbeiten.

In den 50er Jahren erlebte Hollywood sein letztes großes Jahrzehnt, und in den gemeinsamen Regie-Arbeiten von Donen und Kelly glühten die Farben von Technicolor wie die Lichter einer Herbstkirmes. Donens Leichtigkeit besaß nicht den ernsten oder gar gesellschaftskritischen Unterton, den Vincente Minnelli in seine Filme einbringen konnte, dafür wirkten seine Filme modern und zukunftsweisend. Dabei gelangen ihm immer wieder innovative Choreographien, die wie Kabinettstückchen selbst zu Klassikern wurden und die Ära des Musikvideos vorbereiteten. Etwa die Rollschuh-Szene in „It’s Always Fair Weather“ („Vorwiegend heiter“), einer gemeinsamen Regie-Arbeit mit Gene Kelly. Tatsächlich sollte Donen 1986 mit Lional Richies „Dancing on the Ceiling“ ein ikonisches Musikvideo inszenieren.

Zu Donens zeitlosen Arbeiten der klassischen Periode zählt „Funny Face“ („Ein süßer Fratz“, 1957) mit seinem Idol Fred Astaire in der Rolle eines Modefotografen und Audrey Hepburn als fotogener Buchhändlerin und zunächst widerstrebendem Model. Donen ließ sich für Astaires Figur vom damals berühmtesten Modefotografen, Richard Avedon, inspirieren, der auch als visueller Berater fungierte. Doch auch abseits des Musicalgenres behielt Donen das Talent des Choreographen für perfektes Timing bei. In „Indiskret“ inszenierte er Alfred Hitchcocks bevorzugte Stars Cary Grant und Ingrid Bergman in einer gemessen an Hollywoodstandards frivolen Liebeskomödie. Der fast surreale Thriller „Charade“ schlug dann sogar Hitchcock mit seinen eigenen Waffen. Audrey Hepburn spielt darin eine Frau, die nicht weiß, wem sie nach dem Tod ihres vermögenden Mannes noch trauen kann; Cary Grant rettet sie durch alptraumhafte Momente.

Als einer der Jüngsten von Hollywoods alter Garde blieb Donen auch dann noch erfolgreich, als sich das alte Studiosystem sich um 1960 auflöste. Seine Filme der 60er Jahre wie das elegante Road Movie „Zwei auf gleichem Weg“ („Two for the Road“) schlagen eine Brücke zum „New Hollywood“, das eben jener Studio-Künstlichkeit misstraute, die Donen so souverän beherrschte. Als man in den 70er Jahren allerdings bereits eine Nostalgie für die vergangene Ära entwickelte, war er zur Stelle mit der parodistischen Komödie um Hollywoods Genrekino der 30er Jahre, „Movie Movie“.

Donen hatte die Rituale der Traumfabrik immer schon von der heiteren Seite gesehen. Über sein Handwerk sagte er lakonisch: „Für mich ist Regieführen wie Sex. Wenn es gut ist, ist es sehr gut; aber wenn es schlecht ist, ist es immer noch gut.“ Bereits am Donnerstag starb er 94-jährig in New York.

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