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„Steirerstern“ in der ARD: Krieg der musikalischen Welten

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Von: Harald Keller

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Sie sind Geschwister und Bandkollegen: Dominik Wachter (Daniel Langbein, li.) und Jana Skoff (Emily Cox).
Sie sind Geschwister und Bandkollegen: Dominik Wachter (Daniel Langbein, li.) und Jana Skoff (Emily Cox). © Stefan Haring/ARD Degeto/Allegro Film/dpa

Eifersucht und Existenzangst in der Musikbranche speisen den milieugenauen siebten Film der Steirerkrimi-Reihe in der ARD.

Frankfurt – Der Chefinspektor Sascha Bergmann (Hary Prinz) schätzt David Bowie und mehr noch Bryan Ferry. Nicole Sturm (Bettina Mittendorfer) mag Volksmusik mit Dialekteinschlag. Es wäre mit den beiden nie gutgegangen, auch wenn Bergmann sie nicht mit einer anderen betrogen hätte.

Schlechtes Karma. Sturm bekam den Posten, auf den Bergmann gehofft hatte. Jetzt ist sie seine Vorgesetzte, womit er resigniert-grantelnd umzugehen versucht. Dabei und auch sonst nimmt er kein Blatt vor den Mund. Gegenüber seiner Kollegin Anni Sulmtaler (Anna Unterberger), der der Name Bryan Ferry nichts sagt, doziert er während der Fahrt an einen Auffindeort: „Bei der Polizei kannst du als Warmduscher mit Beziehungen und dem richtigen Parteibuch bis in die Chefetage aufsteigen.“

In den Steirerkrimis nach Vorlagen von Claudia Rossbacher, von denen sich die Verfilmungen aber entfernt haben, darf man mit Klartext rechnen. Und mit sinistrem Humor, ein Markenzeichen des Koautors und Regisseurs Wolfgang Murnberger, der unter anderem mit Kinoverfilmungen der Brenner-Krimis seines Landsmannes Wolf Haas hervorgetreten ist.

„Steirerstern“ in der ARD: Tod einer Sängerin

Da gibt es zum Beispiel Szenen wie die mit der drogenabhängigen Musikerin Luca Karall (Silvana Viet), die sich gerade eine Spritze setzt und auf den Hinweis der Kollegin Sabine Jung (Corinna Pumm), der Zucker sei alle, antwortet: „Ist eh nicht gesund.“

Wer es gewitzt und makaber mag, wird sich rasch anfreunden mit dem siebten Steirerkrimi. „Steirerstern“ spielt vor dem Hintergrund der Musikbranche. Im ländlich gelegenen Tonstudio Soundjack treffen Welten aufeinander. Das Volksmusiktrio Jana & die Lausbuam nimmt hier auf, die freie Studiozeit wird von der Indie-Pop-Band Talking Hearts genutzt. Bis zur Tatnacht ein Frauenquartett. Jetzt ist die Sängerin und Gitarristin Alex Dorner (Anna Friedberg) verstorben. Eine Kohlenmonoxidvergiftung, die angesichts des offenbar fahrlässig bedienten Kohleofens beinahe als Unfall durchgegangen wäre. Aber Kriminaltechniker Bernd Kofler (Christoph Kohlbacher) vom LKA Graz ist zu clever für den Täter. Sie entdecken schnell, dass der Abluftkanal verstopft wurde.

„Steirerstern“

Samstag, 24.09.2022, 20:15 Uhr, Das Erste

Bergmann und Sulmtaler müssen nicht lange nach Verdächtigen Ausschau halten. Jana Skoff (Emily Cox), Sängerin und Aushängeschild der Lausbuam, hatte sich in Alex Dorner verliebt und war im Begriff, auch ihren Musikstil zu wechseln. Für alle, die an Jana & die Lausbuam verdienen – die Musiker, der Produzent, Veranstalter, Janas Eltern –, eine Katastrophe. Mit dem Lausbuam Hubert Skoff (Stefan Gorski) ist Jana verheiratet, der Akkordeonist Dominik Wachter (Daniel Langbein) ist ihr Bruder. Jack Riedl (Sascha Geršak), Studiobesitzer und Manager der Volksmusiker, braucht Geld und hat eine kriminelle Vergangenheit, der Toningenieur dealt.

Im ARD-Krimi gibt es Lächeln auf Knopfdruck

Die Murnbergers, Wolfgang schrieb das Drehbuch mit seiner Frau Maria, erliegen nicht der Versuchung, das Volksmusikmilieu zu karikieren. Sie zeigen die Zwänge und Mechanismen der Branche im Kleinen, zugespitzt auf das Umfeld des Tonstudios. Deren Entlarvung ereignet sich beiläufig, wenn zum Beispiel Jana Skoff beim Videodreh mit beklommener Miene gezeigt wird, sie mit Start des Playbacks aber umgehend ihr Profilächeln anknipst. In der Interpretation durch Emily Cox wird Skoff zu einem komplexen, lebendigen Charakter.

Janas Bruder Dominik erweist sich als tragische Gestalt. Als Kind musste er das Akkordeon im Rhythmus des tuckernden Traktor üben. Die pure Quälerei, die ihm den Spaß an der Musik verleidete. Doch er wurde vom autoritären Vater ins Musikgeschäft gezwungen.

Die Musik passt, anders als in so vielen Fernsehfilmen, genau zu den Milieus, Dialoge sind trocken, das Wesen der Figuren ist gut beobachtet. Nur Fredi (Michael Fuith), Janas leidenschaftlichster Fan, kommt als schwitzender und augenrollender Sonderling arg überzeichnet daher.

Die Mischung macht’s

Originelle Inszenierungseinfälle heben diesen ARD-Krimi von schlichteren Regionalkrimis ab. Als die verbliebenen Talking Hearts im Studio ihre Aufnahmen abhören, sieht man die Frauenband in der Rückblende noch mit der toten Alex. Sobald der Tonmeister die von Jana Skoff gesungene zweite Stimme dazumischt, ereignet sich auch eine bildliche Überblendung und Jana steht ebenfalls am Mikrofon. Schnittmeisterin war Julia Drack.

Alex Dorner, die zu Beginn und in einigen Rückblenden zu sehen ist, wird von Anna Friedberg gespielt, auch im realen Leben eine Musikerin und um einiges erfolgreicher als ihr Alter ego im Film. Wie in ihren Kompositionen, klingen auch in der Musik der fiktiven Talking Hearts der psychedelische und Cosmic-Stil der Sechziger an. Die Filmmusik stammt von Roman Kariolou. (Harald Keller)

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