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Frank Plasberg
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Frank Plasberg

TV-Kritik Plasberg

„Steinbrück macht die Hütte voll“

Frank Plasberg diskutiert über die Frage, wie viel Geld die Politik verträgt. Wenn Steinbrück einen Vortrag hält, ist die Hütte voll, meinen die einen. Dafür können auch 1,25 Millionen Euro fließen. Unfair dagegen: Hartz IV-Empfänger müssen komplett die Hosen runter lassen, Abgeordnete nicht.

Von Michael G. Meyer

Frank Plasberg diskutiert über die Frage, wie viel Geld die Politik verträgt. Wenn Steinbrück einen Vortrag hält, ist die Hütte voll, meinen die einen. Dafür können auch 1,25 Millionen Euro fließen. Unfair dagegen: Hartz IV-Empfänger müssen komplett die Hosen runter lassen, Abgeordnete nicht.

Nachdem Günther Jauch schon vor acht Tagen das Thema Transparenz in der Politik durchgesprochen hatte, und wenig Neues dabei herauskam, versuchte sich Frank Plasberg gestern Abend an einem Weiterdrehen. Die Sendung fragte danach, „Wie viel Geld verträgt die Politik“ eigentlich?

Wolfgang Kubicki, FDP-Fraktionsvorsitzender in Schleswig-Holstein sah nichts Verwerfliches darin, dass SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück in den letzten drei Jahren 1,25 Mio. Euro durch 89 Vorträgeverdient hat. Auf diese Summe kamen Reporter der Bild-Zeitung. Das Erstaunliche war, dass ausgerechnet der Bild-Chefkorrespondent Dirk Hoeren Steinbrücks Verhalten scharf kritisierte – es gebe ein Missverhältnis zwischen der Tatsache, dass aktive Minister keine bezahlten Extra-Jobs annehmen dürfen, einfache Abgeordnete aber schon. „Das ist problematisch“, so Hoeren. Außerdem plagiiere Steinbrück sich immer nur selbst und erfinde auch keineswegs ständig das Rad neu, so wertvoll sei er nicht.

Steinbrück bannt die Zuschauer

Aber, so gab Kubicki zu Bedenken, „Steinbrück macht Ihnen die Hütte voll“ – mit anderen Worten: Steinbrück versteht es, eine Zuhörermenge über eine Stunde zu bannen, mit Witz, Provokation und Insiderwissen, so stellte es jedenfalls Siegfried Haider dar, Geschäftsführer der Redneragentur „experts4events“. Und solche Eigenschaften kosten eben Geld. Fünfstellige Summen seien der Standard bei Rednern dieser Liga, so Haider. Allerdings gebe es durchaus Unterschiede. Eine Mitgliedschaft in der Linkspartei sei zum Beispiel durchaus hinderlich. Kein Wunder – immerhin will sich wohl kaum ein Wirtschaftsunternehmen Fundamentalkritik auch noch ins Haus holen.

Zu viele Juristen im Bundestag

Katja Kipping, Parteivorsitzende der Linkspartei, wurde mit 20 Jahren bereits Politikerin. Ist das ein Problem, dass sie im Grunde nie etwas anderes gemacht hat außer Politik? Nein, meinte Kipping, Problem sei eher, dass bestimmte Berufsgruppen überrepräsentiert sind im Bundestag – Anwälte und Juristen etwa. Ein einfacher Arbeiter oder eine Krankenschwester sitzt nicht im Bundestag. Und die würden wohl kaum für Reden gebucht.

Die Runde, die weitgehend harmonisch blieb, kam am Schluss unweigerlich wieder auf die Frage nach der Transparenz: Wenn jeder Hartz IV-Empfänger die „Hosen runter lassen“ muss, warum eigentlich nicht die Abgeordneten?

Immerhin hat sich der Bundestag dazu durchgerungen, nun zehn Nebenverdienststufen einzuführen – damit haben die Bürger einen zumindest etwas besseren Einblick. Welchen Einfluss die Gelder aus der Wirtschaft auf die Gestaltung von Politik haben, dazu erfuhr man aber wenig in der Sendung. Dabei wäre das doch ein spannender Punkt gewesen. Eine Lösung könnte die des SPD-Abgeordneten Marco Bülow sein: Er veröffentlicht auf seiner Website sogar jedes kurze Gespräch mit einem Lobbyisten. Seitdem wurden die Anfragen deutlich weniger.

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