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Haben sich in der "Anstalt" mit dem Thema Steuer beschäftigt: Claus von Wagner und Max Uthoff (l.).

TV-Kritik: Die Anstalt

Auf zur Starbucket-Challenge

Wieder eine so unterhaltsame wie erhellende Sendung von Max Uthoff und Claus von Wagner. „Die Anstalt“  befasste sich diesmal mit dem  Thema Steuern.

Von David Segler

Als es am Anfang der neuen ZDF-„Anstalt“  um nur vorgetäuschte Ausgaben der Sendung geht, mit dem Ziel, die Steuer zu hintergehen, nennt Max  Uthoff als angebliche Star-Gäste, die den horrenden Honorar-Etat rechtfertigen, Louis de Funès, Lady Gaga und Michael Mittermeier.

Zustimmendes Gelächter, dass diese Promis wohl wirklich nicht die Kragenweite dieses Formats wären. Keine fünf Minuten später steht Mittermaier aber tatsächlich auf der Bühne. Bei all denen, die bisher die neu besetzte Anstalt besucht haben, fällt er ein wenig heraus. Wie er selbst treffend formuliert, als es im Zuge der Rahmenhandlung darum geht, die Anstalt als Kabarett-Sendung zu schützen „Ich bin raus, ich mach Comedy.“ Sein Auftritt ist dann tatsächlich auch etwas mehr Comedy als Kabarett, dennoch verkündet er fast ausschließlich Wahrheiten, wie alle in dieser Sendung. Das macht die Anstalt generell zu einer solch wichtigen Institution im bundesdeutschen Fernsehen. Man lacht herzhaft über Dinge, nicht weil fiktive lustige Situationen etabliert werden, wie eben bei Kollegen der Comedy, sondern weil die Anstalt Wahrheiten aufdeckt und das System  auf eine Weise ad absurdum führt, die das Lachen zulässt.

Diesmal geht hauptsächlich um das Thema Steuern, auch das ist eine Stärke der Sendung, man fokussiert sich auf ein Thema und nimmt es präzise auseinander, statt sich in Inhaltsvielfalt zu verzetteln. So wird zum Beispiel sehr einleuchtend erklärt, wie große Unternehmen ihre horrenden Gewinne an der Steuer vorbeischmuggeln. Man gründet einfach eine fiktive Briefkastenfirma mit einem Chef, der eigentlich nichts zu sagen hat. Wenn da jemand genauer hinschaut, gilt er als Berater des Großkonzerns. In welchem Maße diese Beratungen wirklich von Bedeutung sind, macht eine der schönsten Pointen klar:  „Wie trinken Sie Ihren  Kaffee?“ „Schwarz“ „Dann sollten sie keine Milch reintun.“

Jeder mit Solo-Auftritt

Es gehört mittlerweile zur Struktur der Sendung, dass jeder der fünf Anwesenden (Uthoff, von Wagner und drei Gäste) einen Solo-Auftritt hat. Von Wagner greift in seinem nochmal das Thema NSA auf, das als einziges nicht zur Steuerthematik passt. Doch es ist ebenso brisant, von Wagner verdeutlicht in wenigen Minuten nochmals, dass man nicht nur davon ausgehen muss, der BND habe in der Sache nichts gegen die NSA Spionage unternommen, viel mehr noch – er wirkt selbst aktiv mit. „Wer NSA sagt, muss auch BND sagen.“  HG Butzko erinnert nochmal an TTIP, das möglicherweise bald kommende Freihandelsabkommen mit den USA. Hier wurde vor allem bei der Europawahl  viel drüber diskutiert, doch hat das Thema durch die Klage von Vattenfall gegen Deutschland wieder neuen Zündstoff bekommen, sehen doch viele TTIP Gegner dies als einen bitteren Vorgeschmack auf das Abkommen.

Am eindringlichsten dürfte jedoch der Schluss im Gedächtnis bleiben, als die Satiriker deutlich machen, mit welch perfiden Methoden sich einige der größten Konzerne der Welt wie Apple, Amazon und Starbucks Steuern entziehen – in Billionenhöhe. Starbucks beispielweise hat in Deutschland 160 Filialen, an Unternehmenssteuer haben sie in den letzten Jahren keinen Cent gezahlt.

Zum furiosen Schluss rufen dann alle zur Starbucket-Challenge auf, einer so grandiosen Idee, dass man sie hier nochmal erklären muss, um die wahrscheinlich geringen Erfolgsaussichten vielleicht ein wenig zu steigern. Man begebe sich in eine Starbucks-Filiale, bestelle sich eine dieser überteuerten Kaffee-Kreationen und  beschwere sich nach einem Schluck, dass es nicht schmecke, da keine Steuern drin sein. Danach schütte man sich das Getränk wie bei der Ice-Bucket Challenge über den Kopf. Bei der ganzen Aktion hat man sich natürlich filmen lassen. Dann  nur noch auf allen Social Media Seiten hochladen und mit dem Hashtag #Starbucketchallenge versehen. Und wer möchte kann guten Gewissens noch ein #tollesendung hinzufügen. Ob die beiden Anstaltsleiter bei der nächsten Sendung ein paar Videos von diesen Aktionen zeigen können, bleibt abzuwarten. Zu gönnen wäre es ihnen auf alle Fälle.

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