Der WDR-Fernsehchef Gebhard Henke.
+
Der WDR-Fernsehchef Gebhard Henke.

WDR-Fernsehfilmchef Henke über Bernd Eichinger

"Er war ständig präsent – aber immer mit Argumenten"

WDR-Fernsehfilmchef Gebhard Henke über Bernd Eichinger Produzenten als besessenen Perfektionisten und die zärtliche Hingabe an seine Projekte.

Herr Henke, Sie haben mit Bernd Eichinger in den 90ern zusammengearbeitet. Was machte ihn zu einer Ausnahmefigur?

Es gibt so ein Bild in der Öffentlichkeit, das uns keine Vorstellung gibt von seiner wirklichen Arbeit: In den Medien erschien er als Macho, der immer Turnschuhe trug, Feten feierte und hübsche Freundinnen hatte, als Salonlöwe. Alle, die dann mit ihm arbeiteten, waren sehr angenehm überrascht, dass er jemand war, der sehr stark inhaltlich an den Drehbüchern arbeitete. Seine Dominanz als Produzent wurde nicht durch das Geld oder den Charakter oder die Macht am Schneidetisch definiert, sondern durch Argumente: Er sagte dann ganz konkret, warum er glaubte, dass etwas anders gemacht werden müsse. Er war ständig präsent – aber immer mit Argumenten.

Wie lernten Sie sich kennen?

Er wurde auf mich aufmerksam, als ich ein junger Redakteur war – und wollte mich abwerben für seine Constantin! Das habe ich aber nicht gemacht und bin dem WDR treu geblieben. Ich war Redakteur von „Kleine Haie“ des Regisseurs Sönke Wortmann, den Eichinger unter Vertrag nahm. Er verstand es ja, junge Talente an sich zu binden.

Kann man sagen, dass er die moderne Idee des Kreativproduzenten nach Deutschland brachte?

Er hat sie zumindest verkörpert und öffentlich gemacht. Das Wort war damals noch nicht erfunden, aber er wusste schon als Student, dass er nicht Regisseur werden wollte, sondern Produzent. Das verstand damals kaum jemand. Eichinger hatte ein amerikanisches Verständnis vom Produzentenberuf – als entscheidende Kraft, erst in der Stoffentwicklung und später im Schnitt.

Das bedeutete auch die Abkehr vom Autorenfilm. Hat sich Eichinger sein eigenes Unterhaltungskino erfunden?

Ja, sicher. Einen Film wie „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ hat es als Wirklichkeitskino vorher nicht gegeben. Obwohl er nicht unpolitisch war und etwa die Nähe zu Historikern suchte bei „Der Untergang“, sah er den Film auch als Unterhaltung. Je mehr er sich entwickelte, desto populärer wurde er. Was man sich als Außenstehender nicht vorstellen konnte, war seine zärtliche Hingabe an seine Projekten. Aber so eine Karriere macht man nur mit unendlichem Fleiß. Sie fällt einem nicht in den Schoß.

Gebhard Henke (55) leitet den Bereich Film und Unterhaltung beim WDR und lehrt kreatives Produzieren an der Kölner Kunsthochschule für Medien.

Interview: Daniel Kothenschulte

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare