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Männer in Kostümen von „Squid Game“ posieren in der indonesischen Hauptstadt Jakarta mit Kindern für ein Foto.
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Auch Kinder schauen die brutale Netflix-Serie „Squid Game“. Auf der Streamingplattform ist sie ab 16 Jahren freigegeben.

Kinder schauen brutale Serie

Netflix: „Squid Game“ taucht in Kindergärten auf

  • Tim Vincent Dicke
    VonTim Vincent Dicke
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„Squid Game“ auf Netflix strotzt nur so vor Gewaltszenen. Auch viele Kinder haben Zugang zu der Serie. Expertinnen schlagen Alarm.

Frankfurt – Für die Streamingplattform Netflix ist es die erfolgreichste Serie aller Zeiten: „Squid Game“ bietet einen Reigen brutaler, blutiger Szenen – doch Fachleute warnen vor der Sendung. Offenbar schauen in Deutschland auch viele jüngere Kinder zu. Was machen die brutalen Gewaltszenen mit Zehn- oder gar Sechsjährigen?

In Pinneberg bei Hamburg hieß es aus einer Kita, selbst fünf- bis sechsjährige Kinder spielten die Serie nach. Auch auf Schulhöfen ist der makabere Wettbewerb zum Spielvorbild geworden, wie Lehrkräfte warnten. Fachleute plädieren dafür, die Altersfreigabe ab 16 Jahren unbedingt zu beachten. Die vielen Gewaltszenen stellten für Kinder eine sehr hohe psychische Belastung dar, da sie das Gesehene noch nicht gut verarbeiten könnten, sagte Psychotherapeutin Katajun Lindenberg von der Goethe-Universität in Frankfurt der Nachrichtenagentur dpa.

Erfolgreichste Netflix-Serie: „Squid Game“ laut Fachleuten gefährlich für Kinder

Es bestehe zudem die Gefahr, dass sich im Sinne des Modellernens die Gewaltbereitschaft bei Kindern erhöhe, wenn sie Gewalt derartig vorgelebt bekämen, erläuterte die Leiterin der Abteilung für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie. Die Gesellschaftskritik von „Squid Game“ könnten Kinder noch nicht erfassen.

„Aus ästhetischer Sicht und mit viel innerem Abstand kann die Serie als innovativ und vielleicht sogar aufrüttelnd verstanden werden“, sagte die Medienpädagogin Maya Götz vom Internationalen Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen beim Bayerischen Rundfunk. Dafür brauche es aber ein hohes Maß an Abgrenzung und Medienwissen, welches insbesondere Kinder nicht hätten.

Kita- und Schulleitungen haben Eltern bereits vielerorts auf die Gefahren der Serie für Kinder hingewiesen. Auch Lindenberg und Götz betonen, dass Eltern ihren Kindern nicht erlauben sollten, die Serie zu schauen. Die Freigabe ab 16 Jahren gebe es bei Netflix aus gutem Grund. „Darüber haben sich viele Experten Gedanken gemacht. Das ist keine willkürliche Einordnung“, betonte Lindenberg.

„Squid Game“ bei Netflix ohne Jugendschutzfunktion

Die südkoreanische Serie „Squid Game“ ist die bisher erfolgreichste Netflix-Produktion mit den höchsten Zuschauerzahlen. Dabei wird in neun Folgen die Geschichte von knapp 500 Menschen erzählt, die sich verschuldet haben. Sie treten in Kinderspielen gegeneinander an, um ein Preisgeld in Millionenhöhe zu gewinnen. Der makabere Wettbewerb lässt keine zweite Chance zu: Wer es nicht in die nächste Runde schafft, wird getötet.

Eltern sollten ihren Kindern klar machen, dass „stark sein“ heißt, die Serie nicht oder nicht weiter zu schauen, sagte Medienpädagogin Götz. Ohne freiwilligen Verzicht lasse sich gerade bei schon etwas älteren Kindern oft schwer verhindern, dass sie im digitalen Raum die Serie oder Teile davon sehen.

So gebe es für Freigaben ab 16 Jahren bei Netflix keine Jugendschutzfunktion, erklärte Götz. Zudem sei „Squid Game“ bereits weit verbreitet: Die Spiele aus der Serie würden auch in Videospielen wie „Minecraft“ nachgespielt – und auf Instagram oder der chinesisch kontrollierten Plattform Tiktok gebe es zahlreiche sogenannte Memes, in denen die Serie aufgegriffen wird. Und auch bei Freunden oder Geschwistern könnten Kinder die Serie schauen.

Expertin über Netflix-Serie: „Squid Game“ kann traumatische Erfahrung sein

Wichtig sei es, gegebenenfalls über das Gesehene zu sprechen, um bei der Verarbeitung zu helfen, sagte Götz. Besonders für Kinder bis zehn Jahren könne das Anschauen von „Squid Game“ eine traumatische Erfahrung sein und zu Alpträumen führen. Das massenhafte emotionslose Abschlachten von Menschen im Zusammenhang mit den Kinderspielen und grellen Farben der Serienschauplätze könnten Kinder nicht begreifen – und gerade Kindergartenkinder könnten mitunter nicht einmal ihre Gefühle dabei ausdrücken.

In der Netflix-Serie „Squid Game“ treten rund 500 verschuldete Erwachsene gegeneinander in Kinderspielen an. Wer ausscheidet, wird getötet.

Bei älteren Kindern zwischen zehn bis 15 Jahren sei davon auszugehen, dass viele betont cool über die Serie sprechen – „auch wenn sich die Bilder dann doch tiefer eingeschrieben haben, als sie es vermutlich zugeben“, sagte Götz. Auch bei ihnen sollten Eltern aufmerksam sein und das Gespräch anbieten.

Sollte die Netflix-Serie „Squid Game“ auf dem Index landen?

Nach Ansicht der Medienpädagogin Iren Schulz müsste die Serie komplett von Minderjährigen ferngehalten werden. „Was bei ‚Squid Game‘ inhaltlich und visuell passiert, sollte nach unseren Jugendschutzregeln höchstens von 18 Jahren an freigegeben werden – oder sogar auf dem Index landen“, sagte sie der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Die Freigabe ab 16 Jahren reiche nicht, wenn offensichtlich sogar viele Grundschulkinder Zugang hätten, so Schulz weiter. Eltern sollten technische Sperrmöglichkeiten auf jeden Fall nutzen, Kinderprofile erstellen und die Zugänge mit einem Passwort schützen. Wenn sie mitbekämen, dass ihr Kind doch irgendwo heimlich „Squid Game“ schaue, sollten sie klar Position beziehen: „Dann muss man noch mal besprechen, warum das Kind die Serie nicht schauen soll, und gegebenenfalls die technischen Einstellungen nachjustieren.“

Für viele Menschen sind Schulden nicht nur Bestandteil einer Serie, sondern ein belastendes Problem. Welche Chancen haben Menschen mit Schulden, wenn sie ihre finanziellen Verpflichtungen nicht erfüllen können? (tvd/dpa/KNA)

Hinweis: In einer früheren Version des Artikels hieß es, die Netflix-Serie „Squid Game“ hätte eine FSK-Freigabe erhalten. Dies ist nicht der Fall. Ein Sprecher der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft erklärte dazu: „Die Serie ‚Squid Game‘ lag der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) nicht zur Prüfung vor und hat keine FSK-Freigabe erhalten. Eine Prüfung durch die FSK ist freiwillig und kann von allen Anbietern von filmischen Inhalten beantragt werden. Eine gesetzliche Vorlagepflicht besteht nicht.“

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