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Peter Parker (Tom Holland) übt das Leben als Superheld.
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Peter Parker (Tom Holland) übt das Leben als Superheld.

Spider-Man

Die Spinne von nebenan

  • Daniel Kothenschulte
    vonDaniel Kothenschulte
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Ein weiterer Sommer-Blockbuster: In dem neuen Spider-Man-Fillm "Homecoming" ist Tom Holland im selbstgebastelten Spinnenkostüm unterwegs. Und beim Einsetzen seiner Superkräfte geht noch einiges schief.

Blockbuster“ nannte man im Zweiten Weltkrieg Luftminen, die ganze Stadtviertel verwüsteten. Erst etwa drei Jahrzehnte später übertrug ein Reporter der Zeitschrift „Variety“ das zündende Bild auf den Kinohit der Saison. Steven Spielbergs „Der weiße Hai“ schließlich prägte die Idee vom Blockbuster-Genre, einer Art Actionfilm, bei dem alles ein wenig zu groß und protzig ist. Heute werden die jährlichen Sommer-Blockbuster zum 4. Juli in den USA mit geradezu religiöser Feierlichkeit erwartet. 

Unter allen Superhelden könnte der Teenager-Spider-Man diesen Bombasmus wohl noch am ehesten im Zaum halten. In keinem Lebensalter ist die Aussicht auf plötzlichen Ruhm verlockender – und ein unvermitteltes Scheitern peinlicher. Gut, wenn man da noch ein Fallnetz und zwei klebrige Füße hat. 

Die erste Spider-Man-Trilogie von Sam Rami war (neben „Zurück in die Zukunft“) der Teenie-Blockbuster schlechthin. Dabei hätte Tobey Maguires Karriere in der Rolle nicht schlechter beginnen können: Im ersten Trailer hatte er sich 2001 sein Netz zwischen den Twin Towers gespannt. Die Szenen konnte man wegwerfen. Andrew Garfield und Emma Stone, die Stars der nächsten Auflage, hatten dann überragende irdische Qualitäten; sie besaßen so viel echtes Charisma, dass sie für die eigentliche „Animation“ der formelhaften Geschichte sorgten.

Robert Downey Jr. trainiert den jungen Spider-Man

Fast schon verwegen ungelenk begegnet uns dagegen Tom Holland als Peter Parker, der rothaarige Brite im selbst gebastelten rotblauen Spinnenkostüm. Wenn er nachts auszieht, um mit Superkräften, die ihm gerade erst zu gehorchen lernen, den Ärmsten in Not zu helfen, dann geht noch jede Menge schief. 

Ein verdächtiger Gegner, der mit Waffen mit außerirdischer Munition hantiert, sollte allerdings Mahnung sein, bald alle Superkräfte beisammen zu haben. Michael Keaton spielt ihn, und er sieht auf etwas hemdsärmelige Weise böse aus.

Besonders einem ist daran gelegen, dass Spider-Man bald voll einsatzfähig ist: „Iron Man“ Tony Stark (Robert Downey Jr.) verspricht dem Lehrling eine Vollmitgliedschaft in der Avengers-Truppe. Immerhin gehört zum Trainingsprogramm bereits ein professioneller Spinnenanzug. Mehr noch als Tony Stark will nur die Firma Marvel, dass Spider-Man endlich zu den Avengers gehört: Alles an diesem Film ist auf Serien-Kompatibilität getrimmt. Und das, obwohl ja einzelne Marvel-Filme einen durchaus eigenen Stil hatten. 

Fürsorglich wird das treue Publikum da abgeholt, wo es die Spinne zuletzt gesehen hat – beim Cameo-Auftritt im zum Teil in Deutschland gedrehten „Captain America: Civil War“. Die Szenen sind nun allerdings aus der Perspektive eines persönlichen Video-Tagebuchs gefilmt und von Peter Parker mit Smartphone-Kommentaren versehen: „Niemand hat mir erzählt, was ich in Berlin mache. Irgendwas mit Captain America, der verrückt spielt.“ 

Zur Zweitklassigkeit verdammt ist dagegen das, was bisher das Besondere an den Spider-Man-Filmen ausmachte – die Teenie- und Coming-of-Age-Elemente. Zwar hat sich Peter Parker bereits in ein Mädchen (Laura Harrier) verguckt, doch auch sechs Drehbuchautoren bringen ihn diesem kein bisschen näher. Es ist zum Verzweifeln – und dabei kein bisschen liebenswert. 

Allerdings ist Peter Parker auch nicht der einzige Lehrling auf dem Set. Auch Regisseur Jon Watts ist Blockbuster-Neuling. Doch anders als Tim Burton, der mit ähnlich schmalem Portfolio den ersten Batman drehte, fehlt es Watts an jeder visionären Idee. Sein Film ist auf beiden Ebenen gleich obskur – dem Visuellen wie dem Darstellerischen. Hauptdarsteller Tom Holland mag vielleicht etwas mehr wie der Teenager von nebenan aussehen als frühere Spider-Man-Darsteller. Anderseits bedeutet, Superkräfte zu besitzen ja nicht unbedingt, noch nie etwas von Clearasil gehört zu haben.

Michael Keaton als Schurke hat spektakuläre Szenen

Man hätte mehr machen können aus einem Spider-Man, der noch grün ist hinter den Ohren. Ein paar hübsche Momente des Halb-Ruhms aber gibt es für den jungen Superhelden: Zu den fetzigen Klängen des Ramones-Klassikers „Blitzkrieg Bop“ wird da ein vermeintlicher Autodieb gestellt, der, wie sich dann herausstellt, der Besitzer seines Wagens ist. Und ob das „gestohlene Fahrrad“, das Spider-Man wieder auftreibt, wirklich auf ein Eigentumsdelikt schließen lässt, harrt noch immer der Aufklärung. 

Für den überraschend breiten Raum, den die unscheinbaren Highschool-Szenen im Film einnehmen, sind sie enttäuschend flach. Dagegen gehören Michael Keatons Schurken Vulture spektakulärere Szenen. Seine Bosheit kleidet er in elegante Mobilität – sein geflügeltes Gefährt weckt dabei Assoziationen an Keatons vergangenen Ruhm als Bat- und Birdman-Darsteller. Für luftige Kämpfe also ist ebenso gesorgt wie für Erinnerungen an bessere Blockbuster.    

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