feu_oktoberfest_mueller2_17
+
Curt Prank (Mišel Maticevic) begrüßt seine Tochter Clara Prank (Mercedes Müller) .

TV

„Spannend ist alles, was man aus sich selbst heraus spielen kann“

Eine Begegnung mit der Schauspielerin Mercedes Müller, die in dem ARD-Mehrteiler „Oktoberfest 1900“ die Clara Prank spielt.

In dieser Serie kommen keine klassischen Monarchen vor, die ihre Kinder verheiraten, um ihre Macht zu mehren. Und doch findet sich im ARD-Sechsteiler „Oktoberfest 1900“ eine junge Frau, die genau dieses Schicksal zu erleiden droht. Clara Prank soll den Münchner Großbrauer Anatol Stifter (Maximilian Brückner) ehelichen, damit ihr Vater Curt (Mišel Maticevic), ein Zuagroaster aus Nürnberg, seinen Traum von der Bierburg auf der Münchner Wiesn verwirklichen kann.

Mercedes Müller spielt diese junge Frau, die so anders zu sein scheint als das übrige Personal in dieser Produktion – scheu, zerbrechlich, irgendwie entwurzelt. Doch Clara will und wird sich am Ende nicht dem Vater beugen.

„Das Schöne ist, dass sie eine Wahnsinnsentwicklung macht von einem naiven Mädchen, das in einem goldenen Käfig lebt, da aber ausbricht, erwachsen wird und am Ende mutige Entscheidungen trifft“, beschreibt Müller ihre Figur. Ein Mädchen, das erwachsen wird und am Ende mutige Entscheidungen trifft – das passt ein bisschen auch auf die Schauspielerin selbst. Denn auch Müller, in Berlin geborene Tochter einer polnischen Mutter und eines deutschen Vaters, die schon als Kind vor der Kamera stand, hat selbst eine Wahnsinnsentwicklung hinter sich.

Einem größeren Erwachsenenpublikum bekannt wurde sie vor sieben Jahren in der Rolle einer minderjährigen osteuropäischen Prostituierten in Til Schweigers „Tatort“-Debüt „Willkommen in Hamburg“. „Das war lustig“, erinnert sie sich, „danach wurde ich eine Weile bei Castings immer gefragt, ob ich Deutsch spreche – mein gespielter Akzent war also wohl gar nicht so schlecht.“ Dann ging es Schlag auf Schlag – die 23-Jährige spielte außer in diversen Krimifolgen unter anderem in Fatih Akins Kinofilm „Tschick“ und im ZDF-Dreiteiler „Tannbach“.

Im Fernsehen

Der Sechsteiler „Oktoberfest 1900“ erzählt vom Machtkampf unter Wiesn-Wirten. Zu sehen sind unter anderem Mišel Maticevic, Martina Gedeck, Brigitte Hobmeier, Maximilian Brückner und eben Mercedes Müller. Regie führte Hannu Salonen.

In der ARD-Mediathek liegt die Serie komplett vor, im Fernsehen sind die letzten beiden Folgen am 23. September, 20:15 Uhr, zu sehen. Netflix schaltet die Serie ab 1. Oktober in neun Sprachen frei. Dann trägt sie den Titel „Oktoberfest. Beer & Blood“.

Auch ihre Rolle in „Oktoberfest 1900“ verdankt sie ihrer Entschlossenheit. Als die Castings liefen, drehte sie gerade in Irland, mit Désirée Nosbusch. „Ich hatte wenig Zeit, hätte an einem Tag nach Berlin und wieder zurück fliegen müssen.“ Sie tat es – und bekam die Rolle.

Und mit ihr eine Reise in die Zeit der vorvergangenen Jahrhundertwende, als vor allem Frauen noch wenig Spielraum hatten. „Es ist schon ein tolle Erfahrung, auf diese Weise einen Einblick zu bekommen in eine andere Epoche“, sagt Müller, die sich zur Vorbereitung unter anderem in das Werk Franziska zu Reventlows einlas. Auch das Kostüm sei in solchen historischen Filmen wichtig: „Es hilft mir unglaublich, die Mercedes abzulegen und in die Rolle hineinzuschlüpfen. Man hat in solchen Roben ein ganz anderes Körpergefühl.“

Dass in „Oktoberfest 1900“ Macht – von wem auch immer – nicht nur implizit ausgeübt wird, sondern es auch zahllose explizite Gewaltszenen gibt, ist für die Schauspielerin in Ordnung: „Niemand ist hier nur gut oder nur böse, und wie jemand in einer bestimmten Situation reagiert, ist aus der Geschichte heraus nachvollziehbar.“

Und wie geht es weiter? „Ich freue mich auf das, was noch kommt“, sagt die Berlinerin, die ihre für Anfang 20 schon beeindruckend lange Filmografie damit begründet, dass sie ihren Beruf „unheimlich gerne“ ausübt. Allerdings werde sie künftig noch mehr nach „spezielleren Rollen“ Ausschau halten: „Es ist alles spannend, was man nicht aus sich selbst heraus spielen kann, alles, was einem persönlich nicht so nah ist.“

An einem bestimmten Genre würde sie sich zu gerne einmal versuchen: „Ich hätte schon Lust auf Actionfilme, in denen ich auch die Stunts selbst mache.“ Ob es da schon konkrete Projekte gibt, will Mercedes Müller nicht verraten. Was dagegen fest steht, ist ein Besuch auf der Wiesn, sofern die im nächsten Jahr stattfindet: Sie habe sich darauf gefreut, dieses Jahr zum ersten Mal hinzugehen, „was ja nun leider nicht klappt. Aber das hole ich nach – und dann schaue ich mir das alles mal aus der Nähe an“.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare