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„Sound of Metal“

„Sound of Metal“: Oscar-Favorit hat Streaming-Premiere

  • Daniel Kothenschulte
    vonDaniel Kothenschulte
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Der Klang der Stille: Darius Marders belgisch-amerikanisches Musikerdrama „Sound of Metal“.

In kaum einer Branche wird Anerkennung so ungerecht verteilt wie beim Film. Ruhm und Ehre teilen sich im Allgemeinen die Menschen auf der Leinwand und die Regisseure oder Regisseurinnen, vielleicht noch die Produktionsfirma und der Autor, die Autorin. Bereits in zweiter Reihe stehen die, die für die Kamera und die Musik zuständig sind. Wer die Montage, die Filmarchitektur oder das Kostümbild verantwortet, wird seinen Namen nur selten lesen; und nach dem Ton kräht buchstäblich kein Hahn. Nur ab und zu tritt diese unsichtbarste aller Filmprofessionen ins Rampenlicht.

Riz Ahmed in „Sound of Metal“.

„Sound of Metal“: Der Ton macht die Musik

Sound of Metal“ ist so ein Tonfilm im besten Sinne. Man könnte diese Geschichte eines ertaubenden Schlagzeugers nicht erzählen, ohne der akustischen Ebene eine besondere Prominenz zu geben, aber hier gewinnt die Klanggestaltung eine seltene Autonomie. Die ganze Laufzeit hindurch blendet der amerikanische Filmemacher Darius Marder in seinem Langfilmdebüt zwischen den Tonebenen, die Innen- und Außenwahrnehmung sofort unterscheidbar machen. Doch das Ergebnis ist weit mehr als Realismus.

Wer sein Gehör verliert, wird der Welt, wie er sie kennt, entrissen und gezwungen, sich völlig neu in ihr zu verorten. Eine solche Erfahrung mit dem Filmton zu vermitteln, macht das sonst im Kino buchstäblich Überhörte ungewöhnlich präsent. Selbst zu Hause – der Film startet diese Woche ohne Zuzahlung im Angebot von „Amazon prime“ – vermittelt sich diese erstaunliche Qualität.

„Sound of Metal“ auf Amzon Prime: Hörverlust des Schlagzeugers

In fast jedem Film trägt der Ton unbewusst zur Emotionalisierung bei, indem er Soundeffekte psychologisch einsetzt. Doch es ist nicht nur das Hineinhören in eine verstummende akustische Welt, die uns die Isolation dieses Drummers einer Thrash-Punk- Band, in verstörender Intimität erleben lässt. Erst im zurückhaltenden, geradezu verschlossenen Spiel des Schauspielers Riz Ahmed findet die akustische Intimität ihren Widerhall. Der 38-jährige Brite wurde, seit er 2008 in Michael Winterbottoms Berlinale-Beitrag „The Road to Guantanamo“ debütierte, meist auf Grund seiner pakistanischen Abstammung in entsprechenden Rollenbildern besetzt. Hier ist das glücklicherweise kein Thema.

Der Hörverlust trifft den Drummer Ruben, der mit der Sängerin der gemeinsamen Thrash-Punk-Band in einem Wohnwagen lebt, aus heiterem Himmel. Der Verlust seiner Kunst ist möglicherweise nicht endgültig, doch eine Operation scheint zunächst außerhalb der finanziellen Möglichkeiten. Seiner von Olivia Cooke gespielten Freundin schwant noch eine weitere Bedrohung: Erst in der gemeinsamen Beziehung hatte der Mann seine Drogensucht überwunden, in die er nun zurückfallen könnte. Diese zweite Krankengeschichte bewahrt den Film ironischerweise davor, lediglich ein weiteres, als einfache Fallstudie konzipiertes „Krankendrama“ zu werden, wie sie das US-Kino in regelmäßigen Abständen hervorbringt.

„Sound of Metal“ auf Amzon Prime wirkt stellenweise dokumentarisch

Als es der jungen Frau gelingt, ihren Partner davon zu überzeugen, in eine spezielle Rehabilitationseinrichtung für Gehörlose einzuziehen, öffnet sich auch filmisch eine neue Tür: Fast dokumentarisch wirken viele der Szenen in der Einrichtung, in der Ruben etwa die Gebärdensprache erlernt. Seine innere, psychologische Spannung aber verliert der Film auch in diesen ruhigen und friedvollen Szenen nicht. Dem Dogma des alten Institutsleiters, die Gehörlosigkeit als Normalität zu akzeptieren, will er sich nicht unterwerfen. Noch immer hofft er auf die Operation und eine Rückkehr in sein altes Leben.

Auf eine einfache Art bleibt dieser Film hochkomplex. Ebenso wenig wie sich Ruben, dieser in seiner Kunst zur Untätigkeit verdammte Musiker fremden Regeln unterwerfen kann, verharrt er in einem einzelnen Genre. Er ist Psychodrama und Musikfilm, Krankenstudie und auf wunderbare Weise heruntergespieltes Liebes- und Trennungsdrama.

„Sound of Metal“: Am Ende ist Poesie

Es gehört zu den Bedingungen des Therapiezentrums, dass sich das Paar nicht sehen darf. Da würden wohl die meisten Filmemacher einen melodramatischen Hebel ansetzen, doch Darius Marder hält es auch hier mit dem Understatement, das seine Schauspieler so ausgezeichnet verkörpern können. Wird ihre Beziehung die Trennung überdauern, oder sind die beiden überhaupt noch dieselben, wenn sie sich wiederfinden? Verändert eine so elementare physische Krise nicht notwendigerweise auch Psyche und Persönlichkeit?

So ausführlich, wie sich der Film lange mit den psychologischen und therapeutischen Aspekten beschäftigt hat, überrascht die Poesie, zu der er am Ende auch noch findet.

Sound of Metal. USA, Belgien 2019. Regie: Darius Marder. 122 Min. Zu sehen im Streaming-Angebot von Amazon prime.

Rubriklistenbild: © Courtesy of Amazon Studios

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