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Sorbas und die Klassiker

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Von: Daniel Kothenschulte

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Michael Kakoyannis, Jurist, Schauspieler und Regisseur (1922-2011).
Michael Kakoyannis, Jurist, Schauspieler und Regisseur (1922-2011). © dpa

Filmemacher Michael Kakoyannis ist tot. Der Regisseur machte griechisches Kino nicht nur in der internationalen Filmwelt bekannt, sondern erschuf großes Erzählkino.

Am Ende des Films „Alexis Sorbas“ gibt es für den Schriftsteller Basil nach einer Kette tragischer Ereignisse nur noch eines zu tun: Lernen, wie man Sirtaki tanzt. Nur zu gern erfüllt ihm der von Anthony Quinn verkörperte makedonische Lebenskünstler Sorbas diesen Wunsch, denn endlich hat der junge Intellektuelle seine Philosophie verstanden – das Leben mit allen Katastrophen zu lieben, wie es ist.

Das Meer als unsterbliche Kulisse

Die einfach gestaltete Filmszene vor Meereskulisse gehört zu den unsterblichen der Filmgeschichte. Inszeniert hat sie der aus Zypern stammende Regisseur Michael Kakoyannis so leichthändig, dass sich die Essenz eines komplexen Dramas von 142 Minuten in einem einzigen Augenblick verdichtet. Nur zu gern nahm ein Millionenpublikum im Jahre 1964 diesen Glücksmoment mit nach Hause. Was mehr könnte großes Erzählkino leisten?

Wer damals die 45er-Single des Filmhits kaufte, für den der bedeutende griechische Komponist Mikis Theodorakis verantwortlich zeichnete, fand auf der Rückseite alle Tanzschritte beschrieben. Der Sirtaki wurde nach dem Erfolg von „Alexis Sorbas“ zu einem weltweiten Phänomen.

Kakoyannis prägte griechisches Kino

Der Filmemacher wusste, wovon er in seinem mit drei Oscars prämierten Film nach dem Roman von Nikos Kazantzakis (1946 geschrieben) erzählte. Wie der Intellektuelle in der Geschichte des Buchs hatte auch er seinen vorgezeichneten Lebensweg verlassen. Der studierte Jurist, geboren am 11. Juni 1922 in Limassol, schmiss den Anwaltsberuf und ging zum Theater. Am berühmten Londoner Old Vic wirkte er als Schauspieler und Regisseur. Nachdem er in der britischen Filmindustrie nicht hatte Fuß fassen können, drehte er 1953 seinen ersten Film in Griechenland.

Sein internationaler Regiestil, der traditionelle Themen zu modernen psychologischen Filmdramen verdichtete, brachte das griechische Kino auf die Agenda der Filmwelt. Seine opulenten Verfilmungen antiker Stoffe – „Electra“ und „Ifigeneia“ – brachten sein malerisches Landschafts- und Raumgefühl besonders zum Ausdruck und wurden für den Oscar nominiert. Mit Katharine Hepburn und Vanessa Redgrave verfilmte er 1971 „Die Troerinnen“ und erlebte damit nach „Alexis Sorbas“ einen weiteren Welterfolg. In einem Athener Krankenhaus ist Michael Kakoyannis am Montag 89-jährig nach einem Herzinfarkt gestorben.

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