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Sophie Marceau über ihren Film „Alles ist gut gegangen“: „Ich bin ganz gut darin, den Tod zu akzeptieren“

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Sophie Marceau hat nie geheiratet: „Dieses ,Für immer’ ist für mich eine schreckliche Vorstellung.“ imago images
Sophie Marceau hat nie geheiratet: „Dieses ,Für immer’ ist für mich eine schreckliche Vorstellung.“ © Imago Images

Die französische Schauspielerin Sophie Marceau befasst sich in ihrem neuen Film mit dem Thema Sterbehilfe. Ein Interview von Patrick Heidmann.

Frankfurt - Bereits als Jugendliche wurde Sophie Marceau mit den „La boum“-Filmen zum Star, später feierte sie mit „Braveheart“ und als Bondgirl Welterfolge und wurde zur Spezialistin für charmante Komödien. Nun meldet sich die 55-Jährige mit zwei neuen Filmen zurück: In der Tragikomödie „Alles ist gut gegangen“ (ab Donnerstag, den 14.04.2022, im Kino) von François Ozon beweist sie darstellerische Bandbreite, während sie sich in „I Love America“ wieder von ihrer witzigen Seite zeigt.

Sophie Marceau im Interview

Frau Marceau, wohl kaum ein französischer Regisseur liebt die Arbeit mit Schauspielerinnen so sehr wie François Ozon. Wie kommt es, dass Sie beide nicht längst mal zusammengearbeitet haben?

Es ist nicht so, dass wir nicht schon darüber gesprochen hätten. Ich habe schon vor rund 30 Jahren mal einen seiner Kurzfilme gesehen, seither war ich Fan. Bereits damals war nicht zu übersehen, was für ein unglaubliches Talent er ist. Und natürlich ist mir nie entgangen, dass alle tollen Schauspielerinnen mit ihm arbeiteten. Da war ich manchmal fast ein bisschen eifersüchtig. Aber das erste Drehbuch, das er mir vor vielen Jahren anbot, passte einfach nicht. Trotzdem wusste ich immer, dass es eines Tages soweit sein würde und wir zusammen einen Film drehen.

Was sprach Sie ausgerechnet an der Geschichte von „Alles ist gut gegangen“ an?

Die Geschichte ist ja eine wahre und basiert auf dem autobiografischen Roman der verstorbenen Schriftstellerin Emmanuèle Bernheim, die mit François befreundet war. Mich interessierte diese Frau, ihr Vater und warum sie sich dazu durchrang, ihm beim Sterben zu helfen. Und das, obwohl er alles andere als ein einfacher oder netter Mensch war und ihr Verhältnis ein ziemlich kompliziertes. Das fand ich spannend. Ganz am Anfang präsentierte mir François das Projekt auf kaum mehr als drei Seiten, da war ich noch nicht sofort überzeugt. Aber was er dann daraus machte, fand ich großartig.

Sind der Tod und das Sterben Themen, mit denen Sie sich auseinandersetzen?

Wenn man mein Alter erreicht, kann es passieren, dass man mit dem Tod der eigenen Eltern konfrontiert wird, und leider ist mir das vor einigen Jahren mit meiner Mutter passiert. Aber vor meinem eigenen Tod habe ich eigentlich keine Angst, und ich kann nicht behaupten, dass ich daran ständig denke. Allerdings finde ich es gut und wichtig, dass man über das Sterben spricht und es nicht tabuisiert. Erstaunlich offene und ehrliche Gespräche kann man dabei oft mit Kindern führen. Ich werde zum Beispiel nie vergessen, wie mein Sohn mal zu mir kam, nachdem er ein Gespräch unter Erwachsenen mitgehört hatte, und ganz unvermittelt zu mir sagte, er wolle nicht verbrannt werden, wenn er tot sei. Das traf mich vollkommen unvermittelt, aber wir sprachen dann wirklich ausführlich und auf ganz wunderbare Weise über viele Aspekte des Themas.

Sophie Marceau über ihren Film „Alles ist gut gegangen“

Das Thema Sterbehilfe ist trotzdem noch ein kontroverses.

Was ich gut verstehen kann. Ich finde das ist keines, bei dem es unbedingt eindeutige Antworten gibt. Ich persönlich zum Beispiel habe keinen Zweifel, dass ich mich privat ähnlich verhalten hätte wie meine Figur in „Alles ist gut gegangen“. Ich hätte mein Bestes getan, die Wünsche des Menschen, den ich liebe, zu erfüllen. Gesamtgesellschaftlich gesehen, erkenne ich da allerdings mehr Grauzonen. In Frankreich ist die Sterbehilfe weiterhin verboten, und tatsächlich hätte ich Angst davor, wenn das Sterben zu leichtgemacht wird und womöglich eine Art Sterbe-Industrie entsteht. Ich wäre ein bisschen besorgt, wohin das dann womöglich noch führen könnte. Ich bin also hin- und hergerissen – und sehr froh, nicht als Politikerin oder Richterin darüber final entscheiden zu müssen.

Erinnern Sie sich noch an Ihre erste Begegnung mit dem Thema Tod?

Das erste Mal, dass ich einen Toten sah, war, als mein Großvater starb. Das ist ewig her, aber ich habe das Erlebnis als sehr befremdlich empfunden, obwohl ich ihm gar nicht sonderlich nahestand. Dass jemand eben noch am Leben war und plötzlich nicht mehr da ist – das finde ich bis heute seltsam, auch wenn ich inzwischen natürlich ein paar Todesfälle mehr in meinem Umfeld erlebt habe. Gleichzeitig bin ich, wenn man das so sagen kann, ganz gut darin, den Tod zu akzeptieren. Wenn jemand jung und unvermittelt aus dem Leben gerissen wird, ist das natürlich fürchterlich. Aber im Großen und Ganzen gehört das Sterben nun einmal zum Leben dazu. Deswegen bin ich nach einem Todesfall eigentlich auch selten lange traurig.

Ich kann nicht gut damit umgehen, wenn Menschen um mich herum traurig sind.

Sophie Marceau

Tatsächlich?

Ich weiß, das hört sich schräg an. Aber da bin ich pragmatisch. Ich denke an die schönen Dinge, die dieser Mensch erlebt hat, und führe mir vor Augen, dass Leben und Tod eben untrennbar zusammengehören. Die Natürlichkeit daran beruhigt mich irgendwie. Und ich versuche auch immer, das anderen Trauernden zu vermitteln. Denn ich kann nicht gut damit umgehen, wenn Menschen um mich herum traurig sind. Das fühlt sich für mich immer ein wenig an, als wäre zu viel Trauer ungerecht denjenigen gegenüber, die noch am Leben sind. Aber wie gesagt: Da bin ich speziell.

Warum Sophie Marceau nie geheiratet hat

Dann sind Sie vermutlich auch nicht gerne bei Beerdigungen, oder?

Ich mag weder Beerdigungen noch Hochzeiten. Nach Möglichkeit gehe ich zu beiden nicht hin. In meinem ganzen Leben war ich vielleicht bei einer Hochzeit und drei Beerdigungen!

Was ist so schlimm an Hochzeiten? Ist Ihnen das zu offiziell? Zu ritualisiert?

Ja, vielleicht. Ich kann das gar nicht genau beschreiben, aber eine Ehe hat etwas Definitives – und ich mag keine Dinge, die unverrückbar erscheinen. Wenn man heiratet, schwingt da ja mit, dass das für immer so bleiben wird, und genau das ist für mich eine schreckliche Vorstellung. Ich möchte in meinem Leben frei sein und liebe die Veränderung. Beim Gedanken, irgendwie eingeengt zu sein, wird mir unwohl. Deswegen habe ich auch selbst nie geheiratet.

Das ist natürlich das eine. Aber wenn Freunde Sie zu einer Hochzeit einladen, gehen Sie auch nicht hin?

Nein. Aber meine Freunde laden mich auch nicht ein, die wissen das. Mit der letzten Freundin, die mich zu ihrer Hochzeit eingeladen hat, bin ich nicht mehr befreundet.

Zur Person

Mit 14 Jahren wird Sophie Marceau zum Teenie-Idol: In der französischen Erfolgskomödie „La Boum – Die Fete“ (1980) spielt sie die junge Vic, die Stress mit den Eltern hat und ihre erste Liebe erlebt. Zu der Rolle kommt Marceau, weil ihre Mutter sie bei einer Modelagentur anmeldet. Für die Fortsetzung „La Boum 2 – Die Fete geht weiter“ (1983) bekommt sie einen César als beste Nachwuchsschauspielerin.

Ihre erste erwachsene Rolle spielt sie als 18-Jährige neben Catherine Deneuve und Gérard Depardieu in „Fort Saganne“ (1984). Danach ist sie in Filmen wie dem Historiendrama „Revolution und Leidenschaft“, „D’Artagnans Tochter“ und „Jenseits der Wolken“ zu sehen und macht international auf sich aufmerksam. US-Star Mel Gibson castet sie für sein Epos „Braveheart“ (1995) und verschafft ihr damit Ruhm in Hollywood. Auch an der Seite des Geheimagenten Ihrer Majestät ist sie zu sehen: 1999 spielt sie die Rolle der „Elektra“ im 21. Bond-Film „James Bond 007 – Die Welt ist nicht genug“ neben Pierce Brosnan.

Die Erzählung „Menteuse“ („Lügnerin“) veröffentlicht sie 1996 und arbeitet auch als Regisseurin: Ihr Debütfilm „Parlez-moi d’amour“ erhält 2002 auf dem Filmfestival in Montreal eine Auszeichnung für die beste Regiearbeit. 2012 wird Marceau als Vorbild für die Büste des französischen Nationalsymbols Marianne ausgewählt.

Ihr neuer Film „Alles ist gutgegangen“ läuft ab 14. April in den deutschen Kinos. Auch in „I love America“ (ab 29. April bei Amazon Prime Video) spielt sie die Hauptrolle. osk

Im Ernst?

Kein Witz. Als sie mir erzählte, dass sie heiraten wird, habe ich mich für sie gefreut. Doch dann fragte sie mich, ob ich Trauzeugin sein wolle. Die falsche Frage für die falsche Person. Was mich wirklich nachdenken ließ, ob sie mich eigentlich wirklich kennt. Und wie gesagt: Ich habe mich gar nicht daran gestört, dass sie heiratet. Sie war mit ihrem Partner seit 20 Jahren zusammen, ich fand das schön für sie. Ich wollte nur nicht in die Sache involviert werden. Und dann auch noch drei Tage lang, denn sie hatte ein Hotel in den Schweizer Bergen für ein langes Wochenende gemietet. Dort oben mit der ganzen Verwandtschaft der beiden drei Tage eingesperrt zu sein, kam für mich nicht infrage.

Sophie Marceau arbeite an einem neuen Buch

Vielleicht sollten Sie diese Geschichte mal zu Papier bringen. Denn das Schreiben liegt Ihnen doch auch, nicht wahr?

Nun, ich bin keine Schriftstellerin wie Emmanuèle Bernheim in „Alles ist gut gegangen“. Aber ich fühle da durchaus eine Nähe, schließlich erzähle ich als Schauspielerin auch Geschichten. Und einen Roman habe ich ja schon mal geschrieben. Gerade versuche ich, mein zweites Buch zu vollenden. Dieses Mal werden es Kurzgeschichten.

Autobiografische?

Nicht wirklich. Ich klammere mich nicht ans Autobiografische, wenn ich schreibe, auch wenn mich mein eigenes Leben natürlich inspiriert. Aber die Frage ist ja sowieso, wo bei mir die Realität aufhört und das Fiktive anfängt. Schließlich bin ich in meinem Leben schon so oft in andere Existenzen geschlüpft, dass weder mein Hirn noch mein Körper immer genau unterscheiden können, ob sie sich an echte Erfahrungen erinnern oder die meiner Figuren. Wahrscheinlich ist auch deswegen mein Gedächtnis so schlecht. Daten, Namen, Orte – da bin ich mitunter ganz schön schusselig.

Und hilft das Schreiben dann beim Sortieren? Womöglich sogar beim Entspannen?

Im Gegenteil werde ich beim Schreiben oft eher ärgerlich. Für mich ist das ein schwieriger, aufreibender Prozess. Aber ich muss es tun – und schreibe wirklich ständig. Irgendwie hilft mir das zu reflektieren, im Kopf klar zu werden und mit mir selbst in Kontakt zu bleiben. Das ist fast wie eine innere Hygiene. Genau deswegen ist das meiste, was ich schreibe, auch so persönlich, dass ich nie weiß, ob und was ich davon mit anderen teilen sollte. Deswegen lässt das zweite Buch auch immer noch auf sich warten.

Interview: Patrick Heidmann

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