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Leuchtet in walisische Ecken: Richard Harrington als DCI Mathias.

„Inspector Mathias – Mord in Wales“, ARD

Die Sonne scheint hier nicht

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Die zweite Staffel der BBC-Serie „Inspector Mathias – Mord in Wales“ erzählt wieder vom elenden Hinterland.

Wo sich Schaf und Krähe gute Nacht sagen, wo das Land karg ist und die Häuser im scharfen Seewind verrotten, wo die Einheimischen ihren Mund nicht aufbekommen und die Zugezogenen sich in Sachen Schweigsamkeit offenbar schnell anpassen – da ist das „Hinterland“. So heißt eine Krimiserie der BBC, wenn sie auf Englisch ausgestrahlt wird. Ihr walisischer Titel ist, ebenfalls so knapp wie überzeugend, „Y Gwyll“, die Dämmerung. Nur dem deutschen ARD-Zuschauer traute man wohl nicht zu, den Krimi im Programm eigenhändig ausfindig zu machen: „Inspector Mathias – Mord in Wales“ plus Titel der jeweiligen Folge, da sollte es dann jeder kapieren.

Jetzt startet die zweite Staffel mit fünf 90-minütigen Folgen. Man erfährt endlich, was mit Tom Mathias‘ Familie los ist – eine Tochter ist ertrunken, weil er nicht aufgepasst hat –, aber nicht, warum er sich von Frau und zweiter Tochter so ganz isoliert. Man erfährt, dass Mathias’ so souverän wirkender Boss Brian Prosser (Aneirin Hughes) irgendeine Leiche im Keller hat – mindestens hat er vor Jahren schlampig ermittelt, womöglich absichtlich einen Unschuldigen ins Gefängnis gebracht.

Allerdings ist das durchaus keine Serie, die sich lange beim Privatleben ihrer Ermittler aufhält. Es genügt hier, dass der Inspector gramumwölkt ist, dass die alleinerziehende DI Mared Rhys (Mali Harries) ab und zu Zoff hat mit ihrer Teenager-Tochter, dass die Zuarbeiter Lloyd Ellis (Alex Harries) und Sian Owens (Hannah Daniel) effizient ihre Arbeit machen und immer brav „Sir“ und „Ma’am“ sagen. Das muss einem „Tatort“-Gucker schnell auffallen: In walisischen Polizeistation werden offenbar Form und Abstand penibel gewahrt. Und übrigens tragen die Polizisten keine Waffen, selbst wenn sie auf dem Weg sind zu einem ziemlich Verdächtigen. Notfalls muss sich DCI Mathias prügeln.

Das Besondere an „Hinterland“/„Y Gwyll“ ist, dass die BBC alles in Walisisch wie auch Englisch gedreht hat, dass die Schauspieler also zweisprachig sein mussten. Das Besondere ist außerdem, dass das Land die Hauptrolle spielt: Die raue Küste rund um Aberystwyth, die braunen Weiden und torfigen Gräben, der niedrige graue Himmel, die weiten, aber kaum zum Baden einladenden Strände. Außerdem ist es in diesem Landstrich gefühlte zweieinhalb Stunden pro Tag hell, sitzen die Ermittler scheinbar bevorzugt nachts im Büro, durchsucht Mathias die überwiegend armseligen, manchmal noch mit offenen Feuerstellen beheizten Häuser meist mit der Taschenlampe.

Nicht auf prächtigen englischen Landsitzen spielt „Hinterland“. Die Menschen hier – Täter wie Opfer – sind höchstens untere Mittelklasse, schlagen sich in Jobs wie Busfahrer, Metzger, Kneipenwirt, Schafbauer durch. Sie hausen in windschiefen Hütten, Wohnwagen, besseren Ställen, tragen abgenutzte Kleidung und ungepflegte Bärte. Und sowieso grummeln sie in ebendiese und blicken am liebsten finster.

Die Fälle, die DCI Mathias und sein Team zu lösen haben, sind nicht spektakulär – wie könnten sie auch? Aber es gefällt die konsequente Bildgebung dieser Serie, die das walisische County Ceredigion wie eine kalte, dunkle, verregnete Vorhölle aussehen lässt und nie wie ein lohnenswertes touristisches Ziel. In diesem Hinterland gehen sich die Menschen aus dem Weg oder auf die Nerven. Und schlecht gelaunte, aber effektive Polizisten machen ihre Arbeit.

„Inspector Mathias – Mord in Wales“, 2. Staffel ab 31. Juli. 7., 21. und 28. August, 4. September. ARD, 21.45 Uhr.

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