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Privatdetektiv Josef Matula (Claus Theo Gärtner) ermittelt wieder: Er soll in einer Seniorenresidenz in Norddeutschland nach dem Rechten sehen.

"Matula", ZDF

Solo für einen alternden Draufgänger

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Ein Fossil meldet sich zurück. Privatdetektiv Josef Matula trägt noch immer die alte Lederjacke, hört Kassetten, lässt sich auch im Alter nicht gern herumkommandieren. Und er hat jetzt einen Hund. Er nennt ihn Dr. Renz.

Die Kamera fliegt übers Watt, auf einen leblosen Körper zu, schwingt sich elegant in die Vogelperspektive. Der Schnitt führt zurück, auf Bodenhöhe, in die Nahaufnahme: Josef Matula, der Frankfurter Privatdetektiv. Angeschlagen. Aber nicht tot.

32 Jahre lang war Josef Matula der Prügelknabe der ZDF-Serie „Ein Fall für zwei“ und als solcher eng mit Frankfurt verbunden. Im ersten Film des Serienablegers, der seinen Namen als Titel trägt, wurde er nach Cuxhaven entsandt. Das wirkte wie ein kalkuliertes Anflanschen an den grassierenden Küstenkrimitrend, und das war es wohl auch.

Aber die Handlung, die nach dem optisch attraktiven Auftakt in Gang kam, hatte so mancher Reihe mit friesischem Ermittlerkollegium eines voraus: ein echtes Küstenthema. Matulas Ermittlungen, ausgelöst durch einen dubiosen Todesfall, lenkten ihn in ein Bremerhavener Meeresinstitut, wo man die Folgen einer möglichen Weservertiefung untersucht hatte und zu einem bauherrenfreundlichen Ergebnis gekommen war. Was viele Beteiligte sehr überraschte. Der Verdacht auf Korruption stand im Raum, und die Profiteure der Maßnahme kannten kein Pardon. Mitwisser starben, Matula bezog mächtig Prügel, ließ sich aber nicht einschüchtern. Und fand einen Täter an ganz anderer Stelle.

Der Ausflug an die Nordsee hatte ein Vorspiel, das Matula in seinem lähmenden Job als Frankfurter Kaufhausdetektiv zeigte. Die Eintönigkeit wurde auch im Bild deutlich, indem Regisseur Thorsten Näter monochrome Bilder der Überwachungskameras einband. Wie überhaupt die Bildgestaltung des Kameramanns Joachim Hasse sich deutlich abhob vom Niveau der meisten Routinekrimis.

Als er von einem Ladendieb verspottet und vom Geschäftsführer angeraunzt wurde, hatte Matula genug, schälte sich aus seiner Uniformjacke und zog zu verwehten Trompetenklängen wie aus einem Film Noir durch Frankfurts Kiez in den Hinterhof, wo sein Wohnmobil parkte. Dort fand ihn nicht nur ein offenbar herrenloser Hund, sondern auch ein Klient (Götz Schubert), der sich erst einmal erstaunt zeigte, dass überhaupt noch jemand Zeitungsannoncen aufgibt. So wie Matula sich wunderte, dass noch jemand diese Anzeigen liest … Die beiden kamen ins Geschäft, Matula redete seinem dreiachsigen Eigenheim nach ersten Fehlstarts gut zu, drückte eine Kassette in den Rekorder und los ging’s, mit Joe Bonamassas „Just Got Paid“ als Hintergrundmusik und dem cleveren Hund als blindem Passagier.

Diese beiläufigen, wortlos gesetzten Signale und der lapidare Humor waren weitere Stärken des 90-minütigen Films. Das Alter des Helden, Schauspieler Claus Theo Gärtner ist Jahrgang 1943, war ein durchgängiges Thema. Ein ums andere Mal scheiterte Matula, wo er sich als junger Draufgänger locker behauptet hätte. Er trug es gefasst und mit Haltung. Cool, aber ohne aufgesetzte Attitüde. Ohne Verleugnung, ohne Weinerlichkeit. Ein kleines bisschen wie der späte Clint Eastwood.

Autor Ben Braeunlich tat gut daran, Matulas nachlassende Körperlichkeit anzusprechen, dabei aber nie zum Gegenstand billiger Witzchen werden zu lassen. Wenn Matula flirtete und bei der Wissenschaftlerin Ann-Gret Dahus (Ulrike Krumbiegel) auf Interesse stieß, geschah dies ohne Weichzeichner und dennoch mit Würde.

Sollten die kommenden Fortsetzungen dieses Niveau halten können, darf man Matulas Wiederbelebung durchaus begrüßen. Auch wenn zu befürchten steht, dass sich die Kamerateams an der deutschen Nordseeküste bald gegenseitig auf die Zehen treten.

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