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Jesper Berg (Henrik Mestad) in seinem selbst gewählten Exil in Schweden.
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Jesper Berg (Henrik Mestad) in seinem selbst gewählten Exil in Schweden.

"Occupied", arte

Skandinavische Panik

  • vonD.J. Frederiksson
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Die zweite Staffel der norwegischen Polit-Thrillerserie eskaliert die ohnehin schon halsbrecherische Prämisse noch einmal dramatisch. Es ist die perfekte Unterhaltung für unsichere Zeiten.

Um eine Vorstellung von der inszenatorischen und atmosphärischen Stärke von „Occupied“ zu vermitteln, reicht vielleicht ein wenig name-dropping: das Grundkonzept stammt vom Bestsellerautor Jo Nesbø; und einer der Showrunner und Regisseure der Miniserie ist Erik Skjoldbjærg, dessen brillanter Thriller „Insomnia“ selbst von einem Christopher Nolan-Remake nicht verbessert werden konnte. Es war diese Ansammlung an Talent, das die erste Staffel von „Occupied“ nicht nur zur teuersten, sondern auch zur international erfolgreichsten norwegischen Serie aller Zeiten gemacht hat.

Das Szenario wirkte auf den ersten Blick damals weit hergeholt: Nach einem Zusammenbruch der Öllieferungen aus dem Nahen Osten und einem Nato-Austritt der USA wird das unabhängige Norwegen von der EU und Russland gezwungen, die Ölförderung hochzuhalten – mit Hilfe einer „sanften“ russischen Invasion von Technikern und Spezialkräften. Der grüne Ministerpräsident wird im Lauf der ersten Staffel zum Spielball der Großmächte, der sein Land in den Vasallenstaat

abrutschen sieht.  Nun steht eine geheime Militär-Kooperation mit Russland derzeit ebenso wenig in den Karten für die EU wie ein massiver Widerstand gegen ökologische Energiegewinnung. Aber einige Aspekte dieser Panik-Vision wirken 2018 deutlich plausibler als zur ersten Staffel 2015. Doch im Grunde man kann das Szenario ohnehin nur aus der Geschichte der skandinavischen Länder heraus verstehen: Die Ur-Angst von Schweden, Norwegen und Finnland war es stets, hilflos zwischen den Machtblöcken der internationalen Politik zermahlen zu werden. Dass der hohe Lebensstandard, die gute Bildung und alle hehren Ideale in solchen Situationen nichts nutzen, mussten diese Länder im Zweiten Weltkrieg wie auch im Kalten Krieg schmerzhaft erfahren.

Und so bleibt dieser Anfangssprung auch der einzige Ausflug in die politische Fantasie – alles andere wird mit einer detailverliebten und kenntnisreichen Präzision und Logik beschrieben, die einem manchmal das Blut in den Ader gefrieren lässt. Vom nüchternen Look in silbergrau-metallic, über das kühle, niemals überdramatische Spiel der Darsteller, bis zu den subtilen Feinheiten der dargestellten internationalen Diplomatie – diese Vision der Zukunft wirkt beileibe nicht unrealistisch.

In dieser zweiten Staffel, deren acht Folgen arte in zwei großen Viererblöcken diesen und nächsten Donnerstag ausstrahlt, hat sich die horrende Situation Norwegens anderthalb Jahre nach den Geschehnissen der ersten Staffel nochmal verschärft: Der ehemalige Ministerpräsident Jesper Berg ist ins schwedische Exil geflüchtet, wo er noch Kontakte zur terroristischen Untergrund-Guerilla „Freies Norwegen“ pflegt. Seine ehemalige Beraterin und aktuelle Geliebte Anita Rygh versucht derweil als Staatssekretärin in einer Regierung von Moskaus Gnaden, die Situation zwischen Bevölkerung, Besatzern, Terroristen, Armee und ausländischen Mächten halbwegs friedlich zu halten. Aber als die Entdeckung von heimlich stationierten russischen Raketenbatterien auf norwegischen Ölplattformen zu einer Schießerei und Geiselnahme zwischen norwegischen und russische Militärs führt, droht das Pulverfass endgültig in die Luft zu fliegen und sich zu einem handfesten Krieg auszuweiten.

„Occupied“ hat mit solchen „realistischen“ Polit-Spekulationen eine ganz eigene Nische im internationalen Serienfernsehen gefunden: Relevanter als zugespitzte Politsatiren wie „House of Cards“oder „Veep“, aber weniger sensationsgierig als Alternative-Realitäts-Serie wie „The Man in the High Castle“. Eine durchaus wiedererkennbare Welt mit realistischen Strukturen und Dynamiken – die nur durch eine einzige Drehung aus den Fugen geraten ist. Hoffen wir, dass es eine faszinierende Vision bleibt und keine grausige Realität wird.

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