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Comeback bei RTL: „7 Tage, 7 Köpfe“ - ein Gast scheint das Talkformat gar nicht zu kennen

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Von: Moritz Post

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V.l.: Bernd Stelter, Mirja Boes, Chris Tall, Guido Cantz, Kaya Yanar, Torsten Sträter, Larissa Rieß.
Bernd Stelter, Mirja Boes, Chris Tall, Guido Cantz, Kaya Yanar, Torsten Sträter, Larissa Rieß (v.l.n.r.) bei „7 Tage, 7 Köpfe“. © Steffen Z. Wolff/RTL

Auch RTL setzt auf das Revival alter TV-Formate. „7 Tage, 7 Köpfe“ mit Moderator Guido Cantz hat aber nun wirklich niemand gebraucht. Die TV-Kritik.

Frankfurt - Der Trend im Privatfernsehen setzt sich fort: Nachdem ProSieben „TV Total“ aus der Mottenkiste gezaubert und mit Sebastian Puffpaff neu besetzt hat, zieht RTL nach. Am Mittwochabend präsentierte der Kölner TV-Sender die Neuauflage von „7 Tage, 7 Köpfe“. Doch die Pause hat der Show nicht gutgetan. Was im Jahr 1996 als satirische Talkrunde auf Sendung ging, präsentiert sich im Jahr 2022 als mäßig gelungener Comedy-Abklatsch mit überschaubarem Niveau.

Während Rudi Carrell und Tweed-Sakkos die 17 Jahre seit der letzten Folge „7 Tage, 7 Köpfe“ nicht überlebt haben, dürfen sich die Zuschauer:innen bei RTL über ein Wiedersehen mit Bernd Stelter in der Comedy-Late-Night freuen. Neben ihm in der Runde: der Gaming-Streamer Kaya Yanar, die Komikerin Mirja Boes, Stand-Up-Comedian Chris Tall sowie die Moderatorin Larissa Rieß und der Slam-Poet Torsten Sträter. Die Nachfolge von Jochen Busse als Kopf der Runde übernimmt Guido Cantz.

„7 Tage, 7 Köpfe“ (RTL): Warum moderierte ausgerechnet Guido Cantz?

Aber hätte es für die Rolle des Gastgebers nicht eine bessere Besetzung als den platinblonden Moderator gegeben? Große Teile von Fernsehdeutschland hatten 2021 noch aufgeatmet, als publik wurde, dass Guido Cantz die Moderation von „Verstehen Sie Spaß?“ zum Jahreswechsel abgibt. Dass RTL ihn aber mit der Moderation der Neuauflage von „7 Tage, 7 Köpfe“ das nächste Format aus dem vergangenen Jahrtausend moderieren lässt, hat nun wirklich niemand gebraucht.

Gäste bei 7 Tage, 7 Köpfe\"
Guido CantzModerator
Bernd StelterComedian
Kaya YanarComedian
Mirja BoesComedian
Chris TallComedian
Larissa RießModeratorin
Torsten SträterComedian

Cantz führt die Runde in die jeweiligen Themen der Woche ein, zunächst – dem eigenen Sender RTL geschuldet – wird über das „Dschungelcamp“ gesprochen und alle Beteiligten betonen pflichtbewusst, dass man ja nicht wisse, wer dort dieses Jahr überhaupt mitmache. Recht schnell schleichen sich dann die ebenso vorhersehbaren Witze über Harald Glööcklers Schönheitsoperationen ein.

Und mit dem für Comedy-Formate im Privatfernsehen obligatorischen wie penetranten Pimmel-Humor havariert die Runde glücklicherweise einigermaßen kurzweilig durch weitere Themen wie die Olympischen Winterspiele in Peking und neue Tierhaltungsetiketten, die nun für Fleisch und Wurst kommen sollen – Vegetarier:innen-Witze inklusive. Als Cantz dann noch den Themenkomplex Corona mit der Schlagzeile „Alkohol schützt vor COVID-19“ anmoderiert, durfte man sich schon fragen, ob die Redaktion bei der Vorbereitung der Sendung gestreikt hat.

„7 Tage, 7 Köpfe“ (RTL): Was machte Torsten Sträter in der Sendung?

Auch wenn sich die Komik im Jahre 2022 nicht mehr auf dem 90er-Jahre Niveau eines Mike Krügers bewegt, der einst in „7 Tage, 7 Köpfe“ seine Gags aus „Zwei Nasen tanken Super“ zweitverwerten konnte, so stellt Mirja Boes die nicht ganz unberechtigte Frage: „Warum guck ich das eigentlich, wenn es so schlimm ist?“ Das haben sich wahrscheinlich auch nicht wenige Zuschauer:innen vor ihren TV-Geräten gefragt.

Noch pressierender stellt sich aber die Frage: Was macht Torsten Sträter eigentlich in dieser Runde? Während Chris Tall, Mirja Boes und Bernd Stelter tatsächlich ungeskriptet und spontan aufeinander eingehen können und so an alte „7 Tage, 7 Köpfe“-Runden mit Carrell , Krüger und Gabi Köster erinnern lassen, scheint im Vorfeld Sträter wirklich niemand das RTL-Talkformat erklärt zu haben. Unbeteiligt liefert der seine Statements zu den besprochenen Themenkomplexen ab und bringt den Poetry-Slam-Vibe in die Sendung, der jedem seiner Auftritte eigen ist: Auswendig gelernte Texte vorlesen, ohne mit den anderen anwesenden Personen zu interagieren. Das wird aber dann unlustig, wenn Sträter nochmal das vorträgt, was die anderen eben schon gesagt haben.

„7 Tage, 7 Köpfe“ (RTL): Comedian-Schlachtrösser kommen nicht gegen das „Dschungelcamp“ an

Und so bleibt festzuhalten: So löblich es ist, dass RTL auch altgedienten Comedy-Schlachtrössern wie Stelter, Yanar und Cantz in harten Zeiten etwas Sendezeit zuschiebt: Für die Neuauflage von „7 Tage, 7 Köpfe“ hätte man die niveauvollere Unterhaltung versprechende „Dschungelcamp“-Analyse mit Lilo Wanders, Sarah Knappik und Kader Loth nun wirklich nicht im Programm nach hinten schieben müssen. (Moritz Post)

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