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Thomas Gottschalk und Günther Jauch.
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Thomas Gottschalk und Günther Jauch.

TV-Kritik: „Die 2 – Gottschalk & Jauch gegen ALLE“

Show-Marathon mit Doppelspitze

  • Harald Keller
    VonHarald Keller
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Im Show-Bereich ist RTL mit Formaten erfolgreich, die bereits im Ausland erprobt sind und für den deutschen Markt eingekauft wurden. Für den jüngsten Versuch mit einer Eigenproduktion setzte RTL auf hauseigene Prominenz statt auf neue Ideen – und bat Thomas Gottschalk und Günther Jauch auf den Ratehocker.

Die Produktionsfirma der neuen RTL-Show „Die 2 – Gottschalk & Jauch gegen ALLE“, i&u TV, kennt für ihre Hauptdarsteller nur Superlative: „die größten Show-Giganten Deutschlands“, „das Dream-Team der deutschen Fernsehunterhaltung.“ Gemeint sind die TV-Alt-Stars Thomas Gottschalk und Günther Jauch. Es müffelt also leicht nach Eigenlob, denn alleiniger Gesellschafter von i&u TV ist – Günther Jauch. Nicht nur auf dem Bildschirm, auch hinter den Kulissen der Branche hat sich der 57-Jährige geschäftstüchtig eine Spitzenposition erarbeitet. Sein Gegenüber in der neuen Sendung, den sechs Jahre älteren Thomas Gottschalk, kennt er seit den beruflichen Anfängen beim Jugendradio des Bayerischen Rundfunks. Nur selten findet Erwähnung, dass diese Phase für Jauch unrühmlich endete – er wurde fristlos entlassen. Er konnte es verschmerzen, denn der Wechsel zu RTL stand bereits kurz bevor. Dort erwarteten ihn „Stern TV“, später „Wer wird Millionär?“, „Der große IQ Test“ und einiges mehr.

Frauen statt Kärtchen

 Nun also „Die 2 – Gottschalk & Jauch gegen ALLE“. Das Konzept ist im Grunde eine Variante der früheren Jauch-Show „Die Weisheit der Vielen“. Dort traten Experten bestimmter Wissensgebiete gegen das Publikum an, hier sind es die beiden Altmeister Gottschalk und Jauch, die angeblich nicht informiert sind darüber, was ihnen in der Live-Sendung bevorsteht. Darum braucht es eine Spieleerklärerin, Schiedsfrau und Vermittlerin, eine Moderatorin, die schlagfertig genug ist, es mit den beiden aufzunehmen. Die Wahl fiel auf Barbara Schöneberger, eine gute Entscheidung. Vor allem der ungebärdige Kindskopf Gottschalk macht es der jüngeren Kollegin nicht leicht. Wenn es um einen Lacher geht, kennt er kein Pardon und feuert auch schon mal höchst uncharmante Sottisen in die Runde. Als Schöneberger auf Günther Jauchs entsprechende Frage preisgibt, sie sei nicht tätowiert, kommentiert Gottschalk lümmelhaft: „Dann ist ja noch viel Platz.“

Vielleicht war es auch eine Retourkutsche oder ein warnender Schuss vor den Bug. Denn in dieser Sendung hatte Gottschalk ausnahmsweise nicht das letzte Wort. Das zeigte sich schon zu Beginn. Bei der einleitenden Plauderei hatte Günther Jauch den drohenden Kontrollverlust beklagt – er muss ohne seine Stichwortkärtchen auskommen, mit denen er sich sonst durch seine Sendungen laviert. Da konnte Gottschalk nur grinsen: „Mir reicht es, wenn ich eine blonde Frau an meiner Seite hab‘, an der ich mich festhalten kann. Ich brauch‘ keine Kärtchen.“ Und ließ auch schon seine Finger über Schönebergers Körper wandern. Die aber wusste zu parieren: „So bist du doch durch dein ganzes Show-Leben gekommen.“

Immer wieder die Kurve gekriegt

So unrecht hat sie damit nicht. Als Thomas Gottschalk über Monate hinweg und damit viel zu lange den Abschied von „Wetten, dass ...“ zelebrierte, durfte er sich über allerlei Elogen freuen, die ihn als aufrechten Vertreter öffentlich-rechtlicher Fernsehunterhaltung feierten. Ein seltsam elliptischer Blick auf Gottschalks Berufsbiographie, die doch mehrjährige Tätigkeiten für Sat.1 und RTL umfasst, wo er in seiner Late-Night-Show zeitweilig besonders gern Starlets und Pornostars auf die Couch bat. Und noch nach seiner Rückkehr zum ZDF verdingte er sich zeitgleich bei Tele 5 und lieferte dem kleinen Sender eine Art Kinokolumne zu, in der er mangels inhaltlicher Vorbereitung nicht selten blühenden Unfug erzählte. Nicht zu reden von seinen Aktivitäten als Schleichwerber. Auch bei „Die 2 – Gottschalk & Jauch gegen ALLE“ gelang es ihm mühelos, den Namen jenes Süßwarenherstellers unterzubringen, der ihn nun schon so lange als eine Art Hauptsponsor begleitet und der – fast ist man geneigt zu sagen: natürlich – auch Zeit in einem der rahmenden Werbeblöcke gebucht hatte. Wie hatte Jauch eingangs, nach Gottschalks Schwächen befragt, über den Freund gesagt: „Wenn er von irgendwas überhaupt keine Ahnung hat und voll in irgendein Waterloo reindonnert – er kriegt immer die Kurve, dass man am Ende sagt, ja, was ist eigentlich gewesen?“

Jugendsünde als Spielvorlage

 Bei Gottschalk wie bei Jauch stellt sich die Frage: Sind ihre Jugendsünden vergessen oder großzügig vergeben? Zum Beispiel die gefälschten Filme, die Jauch bei „Stern TV“ präsentierte? Die unglaublichen Rechtfertigungen, die er nach Aufdeckung des Skandals zum Besten gab? Seine Werbetätigkeit für einen gelinde gesagt umstrittenes Direktvertriebsunternehmen, das seine Geschäfte nach dem Schneeballsystem organisierte? Die Zeitschrift „Ökotest“ schrieb damals: „Trotz vieler kritischer Berichte über das Unternehmen konnte sich offenbar selbst TV-Saubermann Günther Jauch der faszinierenden Amway-Propaganda nicht entziehen. Er ließ sich vor den Werbekarren der Firma spannen und verbreitete vor der Kamera fleißig das Märchen von der verheißungsvollen Zukunft.“

Ein weiter zurückliegendes Kapitel aus Jauchs Vita, das seinerzeit ebenfalls erboste Kommentare provozierte, bezogen die Autoren von „Die 2 – Gottschalk & Jauch gegen ALLE“ offensiv in den Spielverlauf mit ein. Für die internationale Abenteuer-Show „Rätselflug“ war Jauch 1982 in aller Welt unterwegs. Seine Mission bestand darin, versteckte Schätze aufzuspüren, wobei er nicht immer die heute gern zur Schau gestellt Zurückhaltung wahrte. „Frech, rücksichtslos, anmaßend und dumm“ nannte damals ein Kritiker Jauchs Gebaren. Dieses Zitat kam in der Sendung vor, in Zusammenhang mit einer Spielrunde, in der eine spektakuläre Szene aus einer „Rätselflug“-Episode nachgestellt wurde. Damals ließ sich Jauch, frei an der Kufe eines Hubschraubers hängend, einige Meter hoch auf eine Mauer fliegen. Im Gespräch mit Schöneberger berichtet er von den Dingen, die man damals mit ihm gemacht habe – er macht sich zum willenlosen Objekt anderer und stilisiert sich so als Opfer. Bei der Neuauflage muss er sich, dieses Mal gut gesichert, unter die Decke des Studios hieven lassen, während Gottschalk so lange Quizfragen beantwortet, wie Jauch durchhält. Beide meistern ihre Aufgaben souverän und gewinnen das Spiel.

Unnötiger Aufwand

Zu diesem Zeitpunkt haben sie schon einen beträchtlichen Vorsprung gegenüber dem Publikum im Saal, das sich über Abstimmgeräte am Turnier beteiligt, während die TV-Zuschauer eingeladen sind, per kostenpflichtigem Anruf mitzuwirken. In einem spannenden Finale tragen die beiden Stars schließlich den Gesamtsieg davon und kassieren ein Preisgeld in Höhe von 100.000 Euro, das sie selbstredend für einen guten Zweck weiterreichen.

Einen Gewinn dürfte auch RTL verbuchen, das Risiko einer immerhin fast dreistündigen Live-Sendung wird sich gelohnt haben. Gottschalk und Jauch wurden den an sie gerichteten Erwartungen gerecht, alberten herum und frotzelten sich gutgelaunt durch die Sendung und hatten in Barbara Schöneberger ein mindestens ebenbürtiges Gegenüber. Es gelang ihr tatsächlich, die beiden Platzhirsche in Schach zu halten. Bei der Neuauflage, die für den 7. Oktober angekündigt ist, wird man einige Längen und Patzer ausmerzen müssen. Vermeidbar wäre die Panne der mehrfach technisch gestörten Schaltung zu Otto Waalkes gewesen, der für die Sendung einen Konzertauftritt in Leipzig unterbrach. Ohnehin ein unnötiges logistisches Auftrumpfen, denn die verbalen Geplänkel mit Kandidaten aus dem Zuschauerraum sowie prominenten Gästen im Studio – in der Premierenausgabe die Wimbledon-Zweite Sabine Lisicki und Ex-Boxer Henry Maske – sind unterhaltsam genug. Das Gute an diesem Konzept: Die Scherze gehen auf Kosten von Leuten, die das vertragen können.

Und gut dafür bezahlt werden.

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