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Politik als Horror-Show: Böhmermann präsentiert Schauermärchen

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Von: Daland Segler

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„ZDF Magazin Royal präsentiert: Die Innenministerkonferenz“: Schauspieler von links: Christoph Zrenner, Lena Dörrie blicken verwundert zu Boden. Jan Böhmermann sitzt auf einem Stuhl, hat die Hände im Schoß und schaut irritiert.
Drei Innenminister von links: Christoph Zrenner, Lena Dörrie, Jan Böhmermann blicken inspizierend und verwundert zu Boden. © ZDF/Lennart Speer

Jan Böhmermann spielt im ZDF Magazin Royale mit der „Innenministerkonferenz“ Agatha Christie.

Frankfurt - Politik ist ein gefährliches Geschäft. Da liegen viele Fallstricke herum, über die einer leicht in Straucheln geraten kann. Manch einer drohte zum Beispiel über erfolgreiche Deals mit Masken zu stolpern. Aber fast immer kamen sie glimpflich davon. So auch neulich ein Bundeskanzler oder jüngst ein bayerischer Ministerpräsident. Sie kamen ungeschoren aus einem Untersuchungsausschuss heraus, dank klaftergroßer Gedächtnislücken.

Aber so glücklich muss es nicht immer enden für die Amtsinhaber. Davon erzählt ein gewitzter Beobachter des politischen Alltags in der Bundesrepublik. Sein Name: Jan Böhmermann. Als letzte Ausgabe seines ZDF Magazin Royale präsentiert er im ZDF ein Schauermärchen à la Agatha Christie, bei der es um das unfreiwillige Hinscheiden einer Landesinnenministerin geht. Sie war Teilnehmerin der 237. Innenministerkonferenz (gegendert wird hier nicht, man ist in Bayern). 

„ZDF Magazin Royal präsentiert: Die Innenministerkonferenz“: Verschiedene Personen in einer Art Herrenzimmer lauschen der gestikulierenden Bundesinnenministerin (Lena Dörrie). Um Sie herum sitzen die Landesinnenminister und schauen ihr jovial zu.
Die Runde lauscht der gestikulierenden Bundesinnenministerin (Lena Dörrie). © ZDF/Lennart Speer

ZDF Magazin Royale: Böhmermann inszeniert „Whodunit“-Story

Die Story beginnt mit Anleihen bei der Rocky Horror Picture Show (oder, wer es etwas halbseidener mag: der „Geschichte der O“), wenn die Bundesinnenministerin (Lena Dörrie) nächtens am Tagungsort eintrifft, einem so alten wie abgelegenen Schloss, und einer Merkwürdigkeit nach der anderen samt ebensolchem Personal begegnet, also ihren Kollegen der Bundesländer: einer Horde dicker saufender alter weißer Männer (zwei, drei Frauen sind auch dabei, aber die zählen nicht: Man ist ja in Bayern). 

Und während die ahnungslose Bundespolitikerin die Veranstaltung ernst nehmen will, freilich mit dem Ziel, die Kompetenzen der Länder etwas zu beschneiden, liegt den Herren wenig am Dienst nach Vorschrift und noch weniger an Machtverlust und tags darauf die Vertreterin aus Schleswig Holstein tot auf ihrem Zimmer, meuchlings ums Leben gebracht. Es folgt eine schön albern inszenierte „Whodunit“-Story mit einem erwartbaren Ende und Einschüben aus der nachträglichen Bundespressekonferenz mit den üblichen Harmonie behauptenden Floskeln.

„ZDF Magazin Royale“

Freitag, 16. Dezember, 23 Uhr, abrufbar in der ZDF-Mediathek

ZDF Magazin Royale: Böhmermann nimmt Anleihen bei der Rocky Horror Picture Show

Aber der wahre Schrecken dieses Filmchens erwächst aus der Vorstellung, die auf einem Laufband am unteren Bildschirmrand eingeblendeten Nachrichten könnten Wirklichkeit werden – zumal sie so weit nicht entfernt sind von unserer Realität: Da heißt es etwa, dass ein 17-jähriger Klimaprotestler in Bayern nach zweijähriger Untersuchungshaft frei kommt, oder dass der Springer-Konzern Bild und Welt an Elon Musk verkauft hat, oder auch: „Bundestag einigt sich auf unbestimmte Verlängerung der AKW-Laufzeiten“. Solche Szenarien sind nun wirklich eine realistisch anmutende Horror Picture Show. (Daland Segler)

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