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Remake in Frankfurt

„Shoes“ beim Frauen-Filmfestival Remake: Schuhe mit Pappeinlagen

  • Judith von Sternburg
    VonJudith von Sternburg
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„Shoes“ mit Livemusik beim Remake-Festival,

Was fällt am meisten auf? Vielleicht ist es gar nicht so sehr die große Konstruktion, die Darstellung der hoffnungslosen Armut einer Familie, obwohl das auch sehr überzeugend ist, vor allem – vor 105 Jahren gedreht – überzeugend heutig: der arbeitslose Vater, der in U-Literatur versinkt, die vom Haushalt ausgelaugte Mutter, die jüngeren Töchter zwischen dem Versuch, ihr zu helfen, und dem Versuch, Kinder zu sein, schließlich die älteste Tochter (und Hauptfigur), die mit ihrem Job als Verkäuferin alle über Wasser halten muss.

Jetzt sind ihre Schuhe kaputt, aber neue unfinanzierbar. Der Blick, den die (16-jährige) Schauspielerin Mary MacLaren in die Auslage des Schuhgeschäfts wirft, ist nicht der eines Stummfilmengels, es ist der Blick eines Menschen in Not. Not hat keine possierliche Seite, sie drückt auch nichts aus außer sich selbst, sie ist raumgreifend und lässt keinen Platz für übergeordnete Gedanken. Darum heißt der Film einfach „Shoes“.

Und darum fällt am meisten auf, wie die junge Verkäuferin abends damit beschäftigt ist, neue Pappeinlagen zurechtzuschneiden. Man kann an Charlie Chaplin denken, der ebenfalls als mittelloser Bursche viele Probleme zu lösen hatte. Aber hier hat das weder Pfiff noch Rührseligkeit, es ist eine wiederkehrende Aufgabe, stoisch ausgeführt mit Karton, Stift und Schere. Es muss getan werden, wie die Mutter die Wäsche durch eine Presse kurbelt (ein Teil, dem nicht viele Denkmäler gesetzt worden sein dürften). Es ist eine radikale, dabei selbstverständliche Frauenperspektive. Die Frauen in „Shoes“ sind nicht die, die so oder so gesehen werden, sondern die, die kummervoll, erschöpft, genervt auf die Lage blicken.

Das Frankfurter Frauenfilmfestival Remake bricht also eine Lanze für die Regisseurin Lois Weber (1879-1939), eine der erfolgreichsten Figuren der Stummfilmära, die, das macht der Abend deutlich, auch eine Ära der Frauen war. Nur blieb davon wenig übrig, auch nur ein Bruchteil der Weber-Filme. Dass Weber zudem eine gutgehende Produktionsfirma besaß, dass sie in ihren guten Jahren geschäftlich und künstlerisch alles selbst machte: in schockierendem Ausmaß vergessen und untergegangen, wie die Filmwissenschaftlerin Elif Rongen-Kaynakçi vorab im Schauspielhaus feststellte. Als Vertreterin des niederländischen Filminstituts Eye war sie mitverantwortlich für die digitale Restaurierung von „Shoes“, 2010 fertiggestellt und 2016 durch die ursprünglichen, lange verloren geglaubten Texte ergänzt.

Die Aufführung des tatsächlich eindrucksvoll instandgesetzten Films (an dessen Rändern es gleichwohl zunehmend schneit) wurde noch stark aufgewertet durch die Livemusik von Maud Nelissen am Klavier, Daphne Balvers an den Saxofonen und Timora Rosler am Cello. Nelissen, eine erfahrene Filmkomponistin, hat sich für eine unaufdringliche, unsentimentale Begleitung entschieden, die tänzerische Momente aufgreift, aber nie ins überkandidelte Fach wechselt.

Der Abend eine wirkungsvolle Würdigung, die sich unmittelbar erschloss. Wieder ein Raum voller Menschen, die Lois Weber nicht vergessen werden.

Frauenfilmfestival Remake, Frankfurt: bis 28. November. remake-festival.de

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