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„She Said“ erzählt #MeToo-Enthüllungsstory

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She Said
Megan Twohey (Carey Mulligan, l) und Jodi Kantor (Zoe Kazan) wollen die Missbrauchsvorwürfe gegen Harvey Weinstein öffentlich machten. © Jojo Whilden/Universal Pictures/dpa

Regisseurin Maria Schrader hat einen US-Film gedreht. Das Drama „She Said“ erzählt, wie Journalistinnen der „New York Times“ die Vorwürfe gegen Filmproduzent Harvey Weinstein öffentlich machten.

Berlin - Wenn man einen Film über sexualisierte Übergriffe dreht, steht man immer vor der Frage, wie viel man davon zeigen will.

Das Drama „She Said“ erzählt, wie zwei Journalistinnen der „New York Times“ die Missbrauchsvorwürfe gegen Filmproduzent Harvey Weinstein öffentlich machten. Fünf Jahre ist das her. Seitdem haben Frauen weltweit unter dem Schlagwort #MeToo von eigenen Erfahrungen mit Belästigungen oder sexualisierten Übergriffen berichtet.

Mit „She Said“ kommt nun ein Film ins Kino, der schildert, wie schwer es gewesen sein muss, Menschen zu finden, die sich öffentlich zum Missbrauchssystem Weinsteins äußerten. Die Reporterinnen Megan Twohey und Jodi Kantor beschreiben ihre Recherchen im Buch „She Said: Wie das Schweigen gebrochen wurde und die #MeToo-Bewegung begann“. Nun kommt ihre Geschichte auf die Kinoleinwand.

Der Film ist damit auch einer über Journalismus, ähnlich wie der Klassiker „Die Unbestechlichen“ oder das Drama „Spotlight“, das vor einigen Jahren den Oscar gewann. In „She Said“ übernehmen Carey Mulligan und Zoe Kazan die Hauptrollen. Die Reporterinnen versuchen, die Vorwürfe gegen Weinstein öffentlich zu machen, obwohl Frauen mit Vereinbarungen und Geldzahlungen zum Schweigen gebracht wurden.

Der Film zeigt die beiden Journalistinnen auch als Privatmenschen; Mulligans Figur etwa ist kürzlich Mutter geworden und hat damit schwer zu kämpfen. Außerdem dabei ist Schauspielerin Ashley Judd, die sich im Film selbst spielt. Sie hatte im Artikel der beiden damals über ihre eigenen Erfahrungen gesprochen.

Mut und Trauma

Dass ein Film einen mitzieht, obwohl man die Geschichte schon kennt, ist eine Herausforderung. Mit „She Said“ gelingt das. Der Film bleibt spannend und erzählt, wie viel Mut Frauen aufbringen müssen, über traumatische Erlebnisse zu sprechen, zumal öffentlich.

Dabei zeigt der Film nicht explizit sexuellen Missbrauch, sondern berichtet davon, indem Frauen ihre Geschichte erzählen oder indem er ihre Reaktionen zeigt, nachdem sie Weinstein getroffen haben. Das schafft eine beklemmende Atmosphäre.

Ausgesucht wurde für das Projekt eine Regisseurin aus Deutschland. Maria Schrader hat beispielsweise die Netflix-Serie „Unorthodox“, das Drama „Vor der Morgenröte“ und die Tragikomödie „Ich bin dein Mensch“ über eine Liebesbeziehung zu einem Roboter gedreht. Sie ist selbst auch Schauspielerin. Ihr neuer Film bekommt international nun viel Aufmerksamkeit, wird mitunter als Oscar-Kandidat gehandelt.

Prozess gegen Weinstein

Der frühere Filmmogul Weinstein jedenfalls steht derzeit zum zweiten Mal wegen sexueller Übergriffe vor Gericht. Nach einem Prozess in New York, der 2020 mit einem Schuldspruch und langer Haft endete, muss er sich nun in Kalifornien in mehreren Anklagepunkten verantworten, darunter Vergewaltigung.

Auch hier ist der neue Film Thema. Die Richterin ermahnte die Geschworenen im laufenden Prozess vor einigen Wochen dazu, den Trailer für „She Said“ nicht anzuschauen.

She Said, USA 2022, 129 Minuten, FSK ab 12 Jahren, von Maria Schrader, mit Carey Mulligan, Zoe Kazan, Patricia Clarkson dpa

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