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Das Ermittlerduo Frank Hathaway (Mark Benton) und Luella Shakespeare (Jo Joyner) ermitteln in neuen, spannenden Fällen.

„Shakespeare & Hathaway – Private Investigators“, ZDFneo

Sanfte Schrecken vor freundlichen Kulissen

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In Großbritannien gibt es Krimiserien der matt schaurigen Art schon am Nachmittag. Bei ZDFneo laufen einige davon im Abendprogramm.

Wenn in der britischen Kriminalserie „Shakespeare & Hathaway – Private Investigators“ Gewalttaten nur indirekt dargestellt werden, dann ist das der Sendezeit geschuldet. Denn das britische TV-Publikum scheint noch krimiversessener als das deutsche – auf dortigen Bildschirmen wird bereits am frühen Nachmittag gemordet. Ist das der Fall, sorgen Ermittler wie Luella Shakespeare (Jo Joyner) und Frank Hathaway (Mark Benton) für eine schnelle Aufklärung.

Der vorgesehene Programmplatz erfordert unter Umständen bestimmte Rücksichtnahmen bei der Produktion einer TV-Serie. So unterscheiden sich, beispielsweise, „Die Sopranos“ schon allein deshalb von „Soko München“, weil die US-Kultserie in einem Abonnementsender im Spätprogramm ausgestrahlt wurde, der deutsche Dauerbrenner dagegen frei zugänglich und auf den Vorabend zugeschnitten ist. Liegt der Sendetermin vor der 20-Uhr-Grenze, ist Fingerspitzengefühl geboten, etwa bei der Darstellung von Gewalt und Erotik. Deshalb können britische Serien wie „Father Brown“, „The Coroner“ oder aktuell „Shakespeare & Hathaway – Private Investigators“ – bei ZDFneo sämtlich im Abendprogramm angesiedelt – auch Menschen mit schwachen Nerven zugemutet werden, denn sie wurden im Herkunftsland von der zuständigen Redaktion von vorneherein fürs Nachmittagsprogramm kommissioniert.

Die Tonart ist ähnlich wie in der auch in Deutschland höchst beliebten Abendserie „Inspector Barnaby“: die Morde zuweilen skurril, aber ohne drastische Gewaltszenen, die Figuren hauchzart exzentrisch bis ganz schön schrullig, die Tudor-Kulissen pittoresk und freundlich, die Episodenhandlung immer unterlegt mit leisem Humor, der auch mal, aber immer dezent, ins Makabre lappt. Britisch halt. Die Drehbuchautoren verstehen sich darauf, ohne explizite Darstellungen auszukommen und stattdessen die Fantasie der Zuschauerschaft zu schüren. Das kann sogar, schaut man die Folge „Todesengel“, schauriger wirken als ausgestellte Brutalitäten. Angelehnt an Shakespeare: Kalt rieselt matter Schau'r durch dero Adern.

Auf den Pfaden des Barden

In einem Punkt unterscheiden sich „The Coroner“ und „Shakespeare & Hathaway – Private Investigators“ von „Inspector Barnaby“: Der jeweils amtierende Barnaby und seine Mitstreiter betätigen sich im fiktiven Bezirk Midsomer, einem idealisierten Muster-England, dessen Drehorte oft weit voneinander entfernt liegen und erst in der Montage zu einem überschaubaren Zuständigkeitsbereich zusammenwachsen.

Peter Quintus (Richard Lumsden) fürchtet um sein Leben.

Luella Shakespeare dagegen ermittelt dort, wo sie dem Namen nach hingehört: In Stratford-upon-Avon, der Wiege ihres mutmaßlichen Ahnen William Shakespeare. Eigentlich ist sie von Berufs wegen Friseurmeisterin, verkauft aber ihren Betrieb, um den charmanten Unternehmer Clive Brenton (Nigel Whitmey) zu ehelichen. Ein rotes Haar an der falschen Stelle weckt Shakespeares Argwohn, und sie beauftragt den abgehalfterten Privatermittler Frank Hathaway mit einer Untersuchung. Der übernimmt eigentlich keine Eifersuchtsfälle, aber Portokasse und Kaffeedose seines kleinen Büros sind leer und Luella winkt mit einem fetten Vorschuss.

Tatsächlich findet Hathaway Hinweise, dass es sich bei Brenton um einen Schwindler handelt. Der weiß sich herauszuwinden, und Shakespeare entbindet Hathaway von seinen Aufgaben. Dann aber kommt Brenton gewaltsam zu Tode. Lu Shakespeare wird unter Mordverdacht festgenommen. Hathaway hat einen neuen Auftrag.

Stunde der Komödianten

So viel darf man vorwegnehmen: Luella Shakespeare wird entlastet, bekommt ihr Geld zurück und steigt als Partnerin bei dem von Pfändung bedrohten Hathaway ein, um künftig an seiner Seite als Detektivin zu arbeiten. Dritter im Bunde ist Büroassistent Sebastian Brudenell (Patrick Walshe McBride), ein verhinderter Thespis-Jünger und Absolvent der Royal Academy of Dramatic Art, der in Hathaways Diensten eine eigene Bühne gefunden hat: Seine komödiantische Begabung erweist sich ein ums andere Mal als nützlich, wenn er in die unterschiedlichsten Rollen schlüpft, um verdeckt zu ermitteln. Shakespeare rezitieren kann er auch.

Unter anderem aus solchen Passagen bezieht die Serie, die auch in die USA verkauft werden konnte, ihren Humor. Die Dialoge sind durchsetzt mit Frotzeleien und galliger Ironie. Luella Shakespeare sieht sich mütterlichem Spott ausgesetzt und nimmt ihrerseits gern den zur Tollpatschigkeit neigenden Hathaway aufs Korn, der auch nicht auf den Mund gefallen ist. Anspielungen auf den Barden von Avon, vorwiegend leicht verständlicher Art, bleiben nicht aus. Hathaway war früher bei der Polizei, eine ehemalige Untergebene, die immer wieder seine Pfade kreuzt, heißt nicht von ungefähr wie William Shakespeares zeitgenössischer Dichterkollege Marlowe (Amber Aga). Ein Verdächtiger hört auf den Namen Falstaff, die englischsprachigen Episodentitel zitieren Shakespeare-Dichtungen. Die deutschen Überschriften klingen nicht ganz so poetisch wie „The Fairest Show Means Most Deceit“ oder „Beware the Ides of March“. Was sich verschmerzen lässt.

Szenen aus „Shakespeare & Hathaway – Private Investigators“

Clive Brenton (Nigel Whitmey) und Luella Shakespeare (Jo Joyner) geben sich das Ja-Wort.
Clive Brenton (Nigel Whitmey) und Luella Shakespeare (Jo Joyner) geben sich das Ja-Wort. © ZDF/Mark Bourdillon
Frank Hathaway (Mark Benton) teilt Luella Shakespeare (Jo Joyner) eine wichtige Nachricht mit.
Shakespeare & Hathaway - PrFrank Hathaway (Mark Benton) teilt Luella Shakespeare (Jo Joyner) eine wichtige Nachricht mit.ivate Investigators © ZDF/Mark Bourdillon
Das Ehepaar Owain Pincott (Ian Hughes) und Penelope Pincott (Vicki Pepperdine) wenden sich in einem Sabotagefall an die Detektei Shakespeare & Hathaway.
Das Ehepaar Owain Pincott (Ian Hughes) und Penelope Pincott (Vicki Pepperdine) wenden sich in einem Sabotagefall an die Detektei Shakespeare & Hathaway. © ZDF/Mark Bourdillon
Der Altenheimbewohner Jonny Falstaff (Timothy West, r.) gewinnt im Rollstuhl Wettrennen gegen Sebastian Brudenell (Patrick Walshe McBride, l.), der zum Zweck der Ermittlungen als Pfleger in dem Altenheim arbeitet.
Der Altenheimbewohner Jonny Falstaff (Timothy West, r.) gewinnt im Rollstuhl Wettrennen gegen Sebastian Brudenell (Patrick Walshe McBride, l.), der zum Zweck der Ermittlungen als Pfleger in dem Altenheim arbeitet. © ZDF/Mark Bourdillon
Luella Shakespeare (Jo Joyner) und Frank Hathaway (Mark Benton) bleibt nicht mehr viel Zeit zum Ermitteln. An einem Auto finden sie ein Beweisstück, womit sie den Verdächtigen überführen können.
Luella Shakespeare (Jo Joyner) und Frank Hathaway (Mark Benton) bleibt nicht mehr viel Zeit zum Ermitteln. An einem Auto finden sie ein Beweisstück, womit sie den Verdächtigen überführen können. © ZDF/Mark Bourdillon

Quälend hingegen, wie gerade erst in der kürzlich von Sixx ausgestrahlten Serie „The Gifted“, der Beitrag des deutschen Synchronsprechers Tobias Kluckert, hier die Stimme des Hauptdarstellers Mark Benton. Wenn er Empfindungen etwelcher Art ausdrücken soll, verfällt Kluckert in einen gepressten Tonfall, als ob er just schwerste Gewichte zu stemmen hätte. Das wirkt meistens seltsam komisch. Insbesondere in Szenen, die gar nicht so gemeint sind.

„Shakespeare & Hathaway – Private Investigators“, ZDFneo, ab 5.4., freitags, 20:15 Uhr, ZDFneo, jeweils drei Folgen en suite

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