Sie sind die Polizei: Nina Hoss und Taylor Kitsch.
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Sie sind die Polizei: Nina Hoss und Taylor Kitsch.

TV-Serie „Schatten der Mörder - Shadowplay“

„Schatten der Mörder - Shadowplay“ im ZDF: Leichen verstecken in Berlin

  • Sylvia Staude
    vonSylvia Staude
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Was tut man nicht für seinen Bruder? Die klischeestrotzende Serie „Schatten der Mörder“ im ZDF.

  • Das ZDF zeigt die TV-Serie „Schatten der Mörder - Shadowplay“ als Vierteiler.
  • Angesiedelt im Berlin des Jahres 1946 fließt bei „Schatten der Mörder - Shadowplay“ jede Menge Blut.
  • Was sonst noch trieft in „Schatten der Mörder - Shadowplay“: jede Menge Bedeutung und Pathos.

Martin Wuttke hat es gut getroffen, viel besser, als man anfangs meinen würde: Seine Figur wird bereits in Folge eins so zügig erschossen, dass man sie als geheimnisvoll und interessant im Kopf behält. Alle anderen Darstellerinnen und Darsteller – Nina Hoss, Taylor Kitsch, Mala Emde, Sebastian Koch, Maximilian Ehrenreich usw. – sind bald nur Abziehbilder im Horrorkabinett des Dr. Måns Mårlind (Buch und, mit Björn Stein, Regie). Im Berlin des Jahres 1946 spielt die im ZDF nun als Vierteiler laufende Serie „Schatten der Mörder – Shadowplay“, 1946 werden dort entweder Steine geklopft vor Ruinenkulisse (gedreht wurde nahe Prag) oder Menschen gefoltert und umgebracht. Letzteres im Akkord, immerhin aber auf abwechslungsreiche Weise.

„Schatten der Mörder – Shadowplay“ (ZDF): Es geht grausig und blutig zu

Denn der Ausgangspunkt der Geschichte im ZDF ist: Max McLaughlin, NYPD, ist in Berlin auf der Suche nach seinem Bruder Moritz, der als US-Soldat bei der Befreiung eines KZs dabei war und jetzt so traumatisiert ist, dass er nach dem Vorbild von Wilhelm Buschs „Max und Moritz“ Nazis umbringt. Also etwa röstet wie Hähnchen oder, verschnürt wie eine Roulade, an einem Zahn von Adolf Hitler lutschen lässt; letzteres findet sich bei Wilhelm Busch eher nicht.

Der Schwede Mårlind („Die Brücke“) scheint bei seinen Thriller schreibenden Landsleuten gelernt zu haben, wo es ebenfalls nicht grausig und blutig genug zugehen kann. Aber wie der grobe Strich in Romanen bald langweilt, so tut er das auch hier im ZDF. Dazu kommt eine Küchenpsychologie, die nicht besser wird dadurch, dass jede der Hauptfiguren, scharfe Schatten im Gesicht, die Zuschauerin, den Zuschauer irgendwann direkt anspricht und von frühen Traumata oder Ängsten erzählt.

„Schatten der Mörder – Shadowplay“ (ZDF): Max hilft Moritz

Der grausame Russe hatte ständig streitende Eltern und hat irgendwann die Saiten des Klaviers seiner Mutter durchtrennt, die daraufhin nicht mehr sprach. Der noch grausamere Engelmacher und Lude wurde einst von der Nachbarin, die auf ihn aufpasste, behandelt wie ihre Hunde. Und Moritz hat als Teenie die Kugel aufgefangen, mit der der Alkoholiker-Vater nach seiner Frau auch Max erschießen wollte. In einer der Rückblenden ins New York des Jahres 1925 sieht man, wie Moritz seinen kleinen Bruder auf „Max und Moritz“ und aufs Grab der Mutter schwören lässt. So muss nun also Max, ob er will oder nicht, Moritz helfen, indem er „wie im Reflex“ (Inhaltsangabe Folge drei, ebenfall im ZDF) dessen Leichen wegräumt und versteckt.

„Schatten der Mörder – Shadowplay“ (ZDF) bedient Klischees – nicht nur in der Sprache

Den schaurigen Quatsch- und Klischeebeutel füllen weiterhin eine Femme fatale, Diplomatengattin, die es im Hotelflur auf dem Boden treibt; eiskalte Handlangerinnen; junge Frauen, die sich schneller dazu erpressen lassen, jemanden zu erschlagen oder abzustechen, als man „aber...“ sagen kann – sie hamm doch keene Wahl, wa? Wenn ein Mädchen dann auf ein anderes Mädchen einsticht, ruft sie „ich bin du“, damit vor dem Fernseher im ZDF auch jeder und jede merkt, dass die Frauen sich alle in der gleichen verzweifelten Position befinden.

„Keene“ und „wa“ hin oder her, kein Mensch redet, wie in „Schatten der Mörder“ (ZDF) geredet wird. Jeder zweite Satz trieft vor Bedeutung und Pathos. Wie falsch das klingt, hätte man auch problemlos gemerkt, wenn einen Nina Hoss als tapfere Polizistin Elsie nicht darauf aufmerksam gemacht hätte: „Ich sprech’ schon wie so ’ne verdammte Predigerin.“ Tut sie, tun alle hier.

Übrigens wurde die Serie in Englisch gedreht und bemerkt Max, dass Elsie aber gut Englisch spreche – nachdem sie in der ZDF-Fassung gerade ausführlich Deutsch mit ihm gesprochen hat. Doch das ist angesichts einer Serie, die sowieso nichts Wahrhaftiges über Berlin im Jahr 1946 und die Menschen darin erzählt, dann auch schon egal.

„Schatten der Mörder – Shadowplay“, ZDF, 30. und 31. Oktober, 20.15 Uhr, 1. und 2. November, 22.15 Uhr.

Auf ZDFneo startet unterdessen auf dem Sendeplatz von Jan Böhmermanns „Neo Magazin Royale“ eine neue Late-Night-Show. Moderatorin Ariane Alter trifft in der ersten Sendung auf Cathy Hummels: Late Night Alter

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