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Paulina entdeckt in „Sexify“ auf Netflix ihre Sexualität völlig neu.
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Paulina entdeckt in „Sexify“ auf Netflix ihre Sexualität völlig neu.

Neu auf Netflix

„Sexify“ auf Netflix: Eine sexpositive Angelegenheit

  • Sonja Thomaser
    vonSonja Thomaser
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Die polnische Netflix-Serie „Sexify“ ist eine leichte Geschichte über weibliche Selbstverwirklichung. Der feministische Geist bleibt aber an der ein oder anderen Stelle stecken.

Die erste, offensichtliche und für den ein oder anderen möglicherweise immer noch schockierende Erkenntnis, die man aus der polnischen Netflix-Serie „Sexify“ mitnehmen kann, lautet: Ja, auch Frauen mögen Sex. Die achtteilige Serie ist eine unbeschwerte, inspirierende, sexpositive Angelegenheit, in der es um drei Studentinnen geht, die eine revolutionäre neue App erfinden. Der Zweck ihrer innovativen technischen Kreation? Den weiblichen Orgasmus optimieren.

Natalia ist Jahrgangsbeste an ihrer Universität und möchte unbedingt den akademischen Wettbewerb für Abschlussarbeiten gewinnen. Ihr Projekt: eine von ihr programmierte App, die das Schlafen optimieren soll. Diese Pläne werden von ihrem neuen akademischen Betreuer Dr. Krynicki zunichtegemacht, der ihr mitteilt, dass sie etwas brauche, dass „sexy“ ist. Er meint das nicht im wahrsten Sinne des Wortes, aber nach der x-ten Nacht in Folge, in der Natalia ihren Nachbar:innen im Wohnheim beim Sex zuhören muss, merkt sie, dass nichts die Gedanken junger Menschen mehr vereinnahmt als Sex. So kommt ihr die Idee, mit ihrer App anstelle des Schlafes den weiblichen Orgasmus zu optimieren.

„Sexify“ auf Netflix: Alle haben so ihre Probleme mit der Sexualität

Natalia interessierte sich bisher aber nicht für Sex, intensive Forschung ist also erforderlich. Hilfe erhofft sie sich von ihrer besten Freundin Paulina, die die meiste Zeit in der Wohnung ihres Freundes Mariusz verbringt. Im Gegensatz zu Natalia hat Paulina viel Sex. Leider handelt es sich um die Art Sex, für die es im englischsprachigen Raum den wundervollen Ausdruck „Wham-Bam-Thank-You-Ma‘am“ gibt. Das heißt, Mariusz überspringt das Vorspiel, er fasst Paulina nicht Mal an, und begibt sich direkt pflichtbewusst auf sie. Paulina liegt - infolgedessen unbefriedigt - untätig da und wartet, bis Mariusz fertig ist. Ein Loch im Kissen hätte es für ihn also auch getan.

Da Paulina in Sachen Sex und insbesondere beim Thema Orgasmus also doch nicht so bewandert ist, wendet sich Natalia an ihre Wohnheimnachbarin Monika. Die hat viel Sex, sei es mit Männern, die sie während ihres Tages zufällig trifft, oder über Online-Plattformen. Obwohl sie und Natalia sich nicht sofort verstehen, erkennen sie schließlich das Potenzial einer Zusammenarbeit bei der App - denn auch Monika möchte ihren Uniabschluss machen. Aber auch Monika hat so ihre Probleme mit ihrer Sexualität.

„Sexify“ auf Netflix: Brechen angeblicher „Konventionen“ ist zu geplant, um bahnbrechend zu sein

„Sexify“ ist eine Geschichte von drei Frauen, die versuchen, ihren Weg zu finden. Monika hat eine toxische Beziehung zu ihrem Ex-Freund und Probleme mit ihrem Vater und ihrer Mutter. Paulina schlägt sich mit familiären Ansprüchen für ihre Hochzeit und deren übergriffigen Einmischungen in ihr Leben rum. Natalia findet Sex einfach eine schwierige Angelegenheit, mit der sie sich jetzt aber aufgrund der App auseinandersetzen muss. Die Forschung wird jedoch vor allem dadurch erschwert, dass sie Forschungsdaten für ihre App benötigen, die sie dazu zwingen, Kommiliton:innen Sex in Natalias Schlafsaal (genannt „Korpulatorium“) zu ermöglichen, als Gegenleistung dafür, dass sie einen Fragebogen über sexuelle Wünsche und Bedürfnisse ausfüllen.

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„Sexify“ ist leicht und lustig, und feiert dabei die weibliche Sinnlichkeit, Befreiung und Unabhängigkeit. Die Netflix-Serie hat gelungene, feministische Ansätze, aber an einigen Stellen hakt es und wirkt auch Mal zu gestellt. Das Brechen angeblicher „Konventionen“ ist zu häufig geplant, um als bahnbrechend angesehen zu werden. An der Realität vorbei erzählt ist zum Beispiel die enorme Berührungsangst der Frauen vor einem Vibrator. Paulina muss sich Mut antrinken, bevor sie ihn benutzt.

„Sexify“ auf Netflix: Feministischer Geist wirkt unvollendet

Wichtige Themen finden zwar statt, werden aber nicht vertieft. Zum Beispiel, wenn Natalias Kommilitone Rafał wütend wird, da sie keinen Sex mit ihm haben möchte. Denn seiner Ansicht nach verpflichtet die Tatsache, dass Natalia keinen Freund hat, sie zu Sex mit ihm - denn für ihn gibt es sonst keinen legitimen Grund dafür, dass sie keinen Sex mit ihm haben will. Die Problematik, dass ein ‚Nein‘ einer Frau nicht ausreicht und nur aus Rücksichtnahme auf einen Mann respektiert wird, das kein Sex stattfinden wird, hätte man hier sehr gut aufgreifen können. Eine Situation dieser Art wird nämlich jeder Frau mindestens einmal im Leben begegnen.

Selbes gilt für die Storyline um Monikas Ex-Freund, der sie stalkt und ihr, da sie ihm nicht die Tür aufmachen will, entgegen brüllt: „Du benimmst dich wie ein kleines Kind!“ Das übergriffige Verhalten und diese Aussage sind ein absolut rotes Tuch. Monika ist in ihrem Leben von Männern umgeben, die sie kontrollieren wollen, auch ihr Vater tut dies. Daraus hätte man mehr machen können.

„Sexify“ klappert alle offensichtlichen Themen rund um Sex - Masturbation, Spielzeug, und Pornos - ohne großen Anspruch oder Urteil ab und behält dabei einen stets optimistischen Ton. Doch bei den Themen, die teilweise anklingen, hätte die Serie ruhig etwas ernster sein können und tiefer in die Probleme, die gerade junge Frauen und ihre Sexualität betreffen, einsteigen können. Der feministische Geist der Serie wirkt so nämlich leider unvollendet. (Sonja Thomaser)

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