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SAT.1 schickt das ungleiche Ermittlerpaar, den adeligen Preußen Graf Tristan von Rehnitz (Marc Ben Puch) und den Underground-Ur-Bayer Gerry Waiblinger (Johannes Zirner), auf Verbrecherjagd.
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SAT.1 schickt das ungleiche Ermittlerpaar, den adeligen Preußen Graf Tristan von Rehnitz (Marc Ben Puch) und den Underground-Ur-Bayer Gerry Waiblinger (Johannes Zirner), auf Verbrecherjagd.

"Der Snob und der Cop", Sat.1

Servus „Monaco Franze“

Die neue Sat.1-Serie „Der Snob und der Cop“ zitiert eine Münchner Kultserie und hofft insgeheim darauf, dass alle Zuschauer, die den „Letzten Bullen“ lieben, auch diese Serie gerne einschalten werden.

Von Klaudia Wick

Der eine ist „ein Gänseleber fressender, Kaviar scheißender, 22 Sprachen sprechender inzüchtiger Goldlöffel-Blaublütler“, der andere „ein halblegaler, Dienstvorschriften missachtender, Gel frisierter Leder bejackter Autodealer-Stenz“. Gemeinsam sind sie „Der Snob und der Cop“ und wollen uns in der guten alten Münchner Tradition des „Monaco Franze“ unterhalten. Mit dieser zehnteiligen ARD-Serie hatten in den achtziger Jahren Regisseur Helmut Dietl und Autor Patrick Süskind dem Schickeria-Gschupsi-Mir-san-mir-München eine Liebeserklärung gemacht, die ihnen die Stadt nie vergessen hat. Helmut Fischer spielte den Kommissar Münchinger, den „ewigen Stenz“, von allen genannt „Monaco Franze“. Wie der ist auch der Kriminalkommissar Gerry Waiblinger (Johannes Zirner) von der Münchner Unterwelt fasziniert, weil dort, wo es illegal zugeht, meist auch der Spaß zuhause ist.

Im Vorbild, das mit der Bemerkung „Ein bissl was geht immer“ gleich in der Pilotfolge zitiert wird, war der Monaco Franze mit einer Frau aus besseren Kreisen liiert (Ruth Maria Kubitschek), die ihm immer mal wieder vergebens die Regeln des „Comme il faut“ beibringen will. In „Der Snob und der Cop“ wird aus der Ehefrau ein Dienstkollege: der adelige Tristan Graf von Rehnitz (Marc Ben Puch) ist vom BKA abgestellt worden, um ausgerechnet jenen Münchner Club hochgehen lassen, der Gerrys zweites Zuhause ist.

Es dauert eine Weile, bis die Rangordnung zwischen den beiden Cops geklärt ist, dann müssen sie noch den Mordfall aufklären, den von Rehnitz bei seiner generalstabsmäßig geplanten Razzia nicht vorhergesehen hatte. Die Figurenkonstellation ist so klassisch angelegt wie in der Sat.1-Serie „Der letzte Bulle“, nur dass hier der Vorstadtcowboy Gerry nicht aus seiner Zeit gefallen ist, sondern aus Hasenbergl kommt – dem Underdog-Ghetto von München - während von Rehnitz aus einer puren Laune heraus sein BKA-Gastspiel zu einem Dauerengagement umwidmet: er steht auf die Revierleiterin Sally (Katharina Müller-Elmau), die mit federndem Pumpsgang und beinharten Entscheidungen die Polizeitruppe anführt.

Anschmiegsam wie ein Wildlederhandschuh

Das alles ist so anschmiegsam erfunden wie ein Wildlederhandschuh. Keine dramaturgische Irritation, kein unerwarteter Ton, keine moralische Tabuüberschreitung stört das wohlige Unterhaltungsgefühl von „Der Snob und Cop“. So gleitet das Publikum an diesem Auftaktabend wie auf Gel von der ersten in die zweite Folge, die wiederum mit der Unmoral in den besseren Kreisen und den schlechteren Startbedingungen der Hasenberger spielt: Am Ende ist natürlich wieder der Reiche der Gauner und der Underdog im Gangsterdress der moralisch begossene Pudel. Das wird wohl auch in den nächsten Folgen so bleiben.

Dass der Snob, der alles besser weiß, und der Cop, der in München jeden kennt, ein unterhaltsames Team werden würden, war schon klar, als Gerry eingangs seinem neuen Kollegen die Tür hielt mit den Worten „Adel vor Schönheit“ und der antwortet: „Mensch vor Tier“. Die beiden spielen ihre Charaktere ausgesprochen glaubwürdig (so man dies für eine Typen-Komödie unterstellen mag) und die ersten Folgen sind auch schmuck inszeniert. Aber es fehlt dann doch das Fünkchen Erzähl-Anarchismus von ?Danny Lowinski?, der Anwältin im Kaufhauskeller, oder vom ?Letzten Bullen?, dem Cop aus dem Koma. Wie heißt es bei Monaco Franze: Ein bissl was geht immer. Ein bissl mehr als eine gut gemachte Hommage wäre auch nicht schlecht gewesen.

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