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Aus der Seriensuppenküche

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Von: Daland Segler

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Im Zwischendurch-Talk: Hella von Sinnen und Moni.
Im Zwischendurch-Talk: Hella von Sinnen und Moni. © BR/Günther Reisp

Ganz was Neues im Ersten: Die ARD tischt in der Serie „Moni’s Grill“ erneut Münchner Geschichten auf – mit Talkshow und bayerischer Komödie.

Moni führt eine Grillstube am Münchner Viktualienmarkt, ihre Schwester Toni steht in der Küche, und im Oberstüberl regelt Oma die Finanzen – mehr oder weniger. Tochter Consuela kümmert sich gerne um gebrochene Bubenherzen, Adoptivsohn Hermes sondert altkluge Kommentare ab, Sofie vom Service ist meistens auf 180, und Koch Pharao als Quoten-Afrikaner quatscht dauernd ungefragt dazwischen. Und das sieben Folgen lang.

„Moni’s Grill“ heißt die neue Serie, und die ARD hat als Chefkoch wieder Franz Xaver Bogner verpflichtet, der hier seine schier zahllosen (und erfolgreichen) Münchner Geschichten aufwärmen darf. Weil der Eintopf frische Zutaten braucht, hat sich Bogner etwas Neues einfallen lassen, indem er seiner typisch bayerischen Komödie eine Talkshow beigemischt hat.

Denn Moni (Monika Gruber) begrüßt in jeder Folge einen Gast, den sie in ein Chambre Semi-Separee ihrer Gaststätte (viel zu elegant für einen „Grill“) führt. Dort sitzen sie dann vor einer leuchtenden weißen Scheibe mit rosarotem Rand und – reden. Offenbar sogar teilweise ohne Drehbuch-Vorgaben. Was es nicht interessanter macht.

Oder wollen wir wirklich wissen, wie es um das Sexleben von Hella von Sinnen steht? Oder dass Sonya Kraus Organspenderin ist und Monika Gruber dazu einfällt, dass sie in einem solchen Fall ihre Vagina behalten wollte? Oder dass Wigald Boning sich mitunter wie ein Pony fühlt (wie fühlt sich ein Pony?)? Die Brüder Fritz und Elmar Wepper erinnern sich an ihre Kindheit, Ex-Boxerin Regina Halmich spricht vom Hauen, die beiden Rodelweltmeister Schorsch Hackl und Felix Loch dürfen von ihrem lebensgefährlichen Sport erzählen.

Nun rührt Bogner in seine Suppe noch eine kräftige Prise Komödie und Klamauk rein. Und weil er dafür die richtigen Schauspieler hat, wie Sarah Camp als Oma, wird es für Momente tatsächlich amüsant. Obgleich der Autor hemmungslos in den Klischee-Topf greift, wenn er etwa eine Finanzbeamtin als Fräulein Blaustrumpf inszeniert, und der Vermieter sich angesichts der Reize von Toni (Christine Neubauer spielt mit ihrem Ruf als „Vollweib“) übers Ohr hauen lässt.

In jeder Folge gibt es also einen Störenfried, der dafür sorgt, dass die Quasselei (die für Nordlichter einige Verständnislücken bieten dürfte) unterbrochen wird, so dass das Erregungslevel in diesem Drei-Mäderl-Haus mit Patchwork-Familie stets in den roten Bereich ausschlägt. Aber selbstredend sind am Ende alle ein Herz und eine Seele.

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