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Moderieren "Die große Ernährungsshow": Barbara Schöneberger und Ranga Yogeshwar (nicht im Bild).

TV-Kritik „Yogeshwar & Schöneberger – Die große Ernährungsshow“

Seltsam klingende Gefühle

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Die ARD versucht ihr altbekanntes Unterhaltungsschema „Quiz mit Mehrwert“ – oder in diesem Fall mit Nährwert – mit einer neuen Paarung aufzuwerten. Und tritt doch weiterhin auf der Stelle.

Es gibt ARD-Mitarbeiter höheren Ranges, die allen Ernstes die Meinung vertreten, dass man, wenn man dem klassischen Abfrage-Quiz nur populärwissenschaftliche Inhalte überstülpt, der Erfüllung des Bildungsauftrages schon einen großen Schritt näher kommt. Der Unsinn liegt auf der Hand: In Unterhaltungssendungen wie „Die große Show der Naturwunder“, „Frag doch mal die Maus“ oder aktuell „Yogeshwar & Schöneberger – Die große Ernährungsshow“ wird Wissen vorgeführt, aber nicht vermittelt.

Das Muster bleibt immer gleich: Es wird eine Gruppe mehr oder minder prominenter Kandidaten aufgeboten, die in der Regel den verheißenen Gewinn für eine gute Sache spenden und dafür den Ratefuchs geben, Scherze auf ihre Kosten hinnehmen und sich in manchen Sendungen in kindischen Spielen zum Narren machen. Ist ja für einen guten Zweck.

 Kluft zwischen Idee und Ergebnis

 Auch die Sendung „Yogeshwar & Schöneberger – Die große Ernährungsshow“ folgte diesem altbekannten und ziemlich abgedroschenen Muster. Neu daran war die Moderatorenkombination Ranga Yogeshwar und Barbara Schöneberger. Yogeshwar ist Diplom-Physiker und erfolgreicher Wissenschaftsjournalist, aber eines ist er nicht: ein Show-Moderator. Der Gedanke hinter dieser Paarung ist nicht schwer zu erraten: Vom Kontrast zwischen der quirligen Barbara Schöneberger und dem seriös auftretenden Yogeshwar dürften sich die beteiligten Redaktionen beim WDR – Yogeshwars Stammsender – und dem SR sowie beim Produzenten First Entertainment einen gewissen Unterhaltungswert versprochen haben. Aber in dem Punkt klafften Idee und Ergebnis sperrangelweit auseinander.

Schon die Ouvertüre ließ erkennen, dass hier zwei unvereinbare Temperamente aufeinander trafen. Schöneberger eröffnete die Sendung munter mit den Worten: „Haach – das ist ‘ne Sendung nach meinem Geschmack. Es geht um Essen, es wird viel gegessen – das gefällt mir.“ Yogeshwar hingegen mahnte streng: „Und wir wollen anfangen ...“ Es blieb nicht die einzige Szene, in der er an einen disziplinierenden Klassenlehrer erinnerte.

Steif erklärte er den Kandidaten – angetreten waren die Moderatorin Miriam Pielhau, die Schauspielerin Ann-Kathrin Kramer, der Komiker Guido Cantz und der Moderator Harry Wijnvoord – ihre Biografie, statt sie auf unterhaltsame Weise zu befragen. So erfuhr Wijnvoord, dass er aus den Niederlanden kommt, Kramer durfte sich sagen lassen, dass sie als Kind gern Gänsebraten aß. Für den Fall, dass sie es abgestritten hätte, hatte die Redaktion ein Foto besorgt, das Kramer im Kindesalter satt und zufrieden am Esstisch neben ihrem Großvater zeigt. Yogeshwar allerdings hatte wohl bei der Generalprobe nicht aufgepasst und sprach von ihrem Vater statt vom Großvater und musste sich entsprechend korrigieren lassen.

Der launige Austausch mit Kandidaten, verbale Geplänkel mit seiner Moderationspartnerin, Schlagfertigkeit sind seine Sache nicht. Der Versuch, angesichts Harry Wijnvoords einen niederländischen Akzent zu imitieren, geriet ebenso peinlich wie der müde Versuch, mit Klischees von niederländischen Ernährungsgewohnheiten zu punkten. Und auch so manche spontane Bemerkung missriet dem doch recht erfahrenen Moderator. Als er zu Versuchszwecken eine Schüssel voller eingeweichter Getreideflocken auskippte, kommentierte er das schwappende Geräusch mit den Worten: „Klingt irgendwie seltsam, das Gefühl ...“

 Lieber Experimente als Extemporees

 Auf Schönebergers Stegreif-Gags reagierte er verhalten, meist aber gar nicht. Lieber klebte er an seinem Text, als wäre nichts passiert. Yogeshwar weiß viel und schnippt innerlich mit den Fingern, wenn andere reden – er möchte sein Wissen gefälligst loswerden. Seine Standardphrase lautet: „Wir haben dazu ein hochwissenschaftliches Experiment gemacht.“

Barbara Schöneberger nahm durchaus Rücksicht, spielte ihm die Bälle zu, bereitete ihm den Boden, brachte aber auch ein bisschen Frechheit und viel Selbstironie in die Sendung. Auch zeigte sie Affinität zum fröhlichen Regelverstoß. Dergleichen aber liegt Yogeshwar nun gar nicht. Mehrmals wirkte er beinahe säuerlich, und es gab bei einigen Szenenwechseln sehr abrupte Schnitte. Verpatzte Moderationsübergänge? Oder fühlte sich jemand um seine Sendezeit gebracht? Eine lustige Spitze konnte sich Schöneberger nicht verkneifen, und sie hat einen wahren Kern: „Der ist die ganze Zeit mit im Bild und ich habe bis heute nicht rausgefunden, wer das ist“, sagte sie zu Guido Cantz über Yogeshwar, der vorsichtshalber am Bildrand blieb, als sich die beiden Erzkomödianten einen witzigen Dialog lieferten. Vielleicht sollte man mal den als Gast geladenen Sternekoch Nelson Müller als Partner für Barbara Schöneberger in Betracht ziehen. Er hat Charme und Witz und verfügt inzwischen auch schon über einige Moderationserfahrung.

Aus der Sendung mitnehmen konnte man, dass eine Portion Getreideflocken den Tageseisenbedarf eines Erwachsenen deckt, dass man Kindern durch gemeinsames Kochen Gemüse schmackhaft machen kann, dass Joghurt Mundgeruch mildert und dass Mango-Passionsfrucht-Smoothies mehr Banane als Mango enthalten. Alles gut zu wissen, aber man bekommt es nicht gern in so breiiger Form serviert.

Kulinarisches Fernsehen sieht anders aus.

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