Mohammad Rasoulof

Sein Verbrechen: Filme über seine Heimat

Regisseur Mohammad Rasoulof wurde im Iran zu einer einjährigen Freiheitsstrafe verurteilt.

Der international gefeierte Filmemacher Mohammad Rasoulof ist im Iran zu einer einjährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Das teilte jetzt das Filmfest Hamburg mit, bei dem Rasoulof seit 2005 immer wieder zu Gast war. Bereits im September 2017 hatten die iranischen Behörden Rasoulofs Pass einbehalten, als er von einem Filmfestival nach Teheran zurückkehrte. Man warf ihm „Gefährdung der nationalen Sicherheit“ und „Propaganda gegen die islamische Regierung“ vor. Diese Anschuldigungen führten jetzt zu der Verurteilung.

Außerdem wurde Rasoulof die Mitgliedschaft in politischen und sozialen Organisationen untersagt. Der Filmemacher darf den Iran überdies zwei Jahre lang nicht verlassen. Ausschlaggebend für das Urteil war die angeblich kritische Darstellung des Iran in Rasoulofs Filmen „Auf Wiedersehen“ (2011), „Manuscripts Don’t Burn“ (2013) und „A Man of Integrity“ (2017), der jüngst auch in den deutschen Kinos zu sehen war.

Für seine kritische Haltung wurde der 1972 geborene Rasoulof schon öfters verurteilt. Nach der Veröffentlichung von „Manuscripts Don’t Burn“ durfte er neun Monate lang das Land nicht verlassen. Im Jahr 2011 war er zusammen mit dem Regisseur Jafar Panahi zu 20 Jahren Berufsverbot und einer sechsjährigen Haftstrafe verurteilt worden, weil beide an einer Dokumentation über die Proteste nach der Präsidentenwahl 2009 gearbeitet hatten. Das Berufsverbot wurde später aufgehoben, die Haftstrafe auf ein Jahr verkürzt und zur Bewährung ausgesetzt.

„Wie so oft ist erneut ein Künstler Opfer einer willkürlichen Rechtsprechung“, erklärte der Leiter des Filmfests Hamburg, Albert Wiederspiel. „Mohammad Rasoulofs Verbrechen bestehen darin, Filme über seine Heimat zu machen. Wir, die in einer freien Welt leben, haben die Pflicht, dagegen zu protestieren.“

Rasoulof ist dem Filmfest Hamburg eng verbunden; seit dem Jahr 2012 lebt er teilweise in der Stadt, auch seine Familie ist hier ansässig. Nach der Konfiszierung seines Passes konnte Rasoulof 2017 nicht mehr an der Deutschlandpremiere von „A Man of Integrity“ in Hamburg teilnehmen. Der Film war zuvor bei den Filmfestspielen in Cannes mit dem Hauptpreis der Sektion „Un Certain Regard“ ausgezeichnet worden. (dpa)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion