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Der opulent ausstaffierte Science-Fiction-Film „Dune“, hier Rebecca Ferguson, Zendaya, Javier Bardem und Timothée Chalamet (v.l.).
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Der opulent ausstaffierte Science-Fiction-Film „Dune“, hier Rebecca Ferguson, Zendaya, Javier Bardem und Timothée Chalamet (v.l.).

Filmstart

Science-Fiction-Klassiker „Dune“ im Kino: Lawrence von Arrakis

  • Daniel Kothenschulte
    VonDaniel Kothenschulte
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Denis Villeneuve hat dem Science-Fiction-Klassiker „Dune“ zu seiner ersten überzeugenden Verfilmung verholfen – auch wenn das wagnerianische Epos nur die Ouvertüre ist.

Manche Romane, scheint es, wollen einfach nicht verfilmt werden, und trotzdem versucht sich immer wieder jemand daran. Aus „Don Quixote“ zum Beispiel, der Walt Disney, Orson Welles und schließlich Terry Gilliam überforderte, will einfach kein guter Film werden. Auf Frank Herberts „Dune“ schien ein ähnlicher Fluch zu lasten. David Lynchs Version von 1984 nehmen Liebhaber alle paar Jahre aus dem Regal, um nachzuschauen, ob nicht doch irgendwo ein guter Film darin versteckt ist. Wahrscheinlich hat diese Erstverfilmung in ihren zahllosen – sich vielfach unterscheidenden – VHS- und DVD-Editionen so viel Staub angezogen wie ein halber Wüstenplanet.

Zwei „Dune“-Miniserien fielen verständlicher, aber doch künstlerisch so obskur aus, dass sie nur noch zum Ruhm einer weiteren und, wie es inzwischen schien, ultimativen Version beitrugen: Der Filmavantgardist Alejandro Jodorowsky erdachte sie in den siebziger Jahren zusammen mit dem Zeichner Jean Giraud. Ihr einziger Nachteil: Sie wurde nie gedreht.

Nach mehreren Verfilmungs-Versuchen: Villeneuves „Dune“ wird „Star Wars für Erwachsene“

Nun aber ist der Fluch gebrochen. Das Hollywoodstudio Warner Brothers war bereit zu riskieren, was man (auch im eigenen Haus) Jodorowsky einst verwehrt hatte: Ein angemessenes Blockbuster-Budget für eine künstlerische Herangehensweise. Zum Dank schürte ein Kritiker der „New York Times“ anlässlich der Premiere vorletzte Woche in Venedig gleich Zweifel, ob Warner das Geld denn wohl wiedersehen werde. Nun, tragen wir es ruhig in kleinen Portionen in die wieder geöffneten Filmpaläste. Und sei es als Spende dafür, dass sich großes Kino weiter lohnt.

Kein Bildschirm sei groß genug für die Dimensionen seines Films hatte Regisseur Denis Villeneuve im Vorfeld erklärt – als könne er damit die Auswertung auf Streaming-Plattformen lange aufhalten. In Venedig fügte er hinzu, er haben eine Art „Star Wars“ für Erwachsene drehen wollen. Vielleicht wird umgekehrt ein Schuh daraus: George Lucas drehte eine Art Familienversion von Herberts Roman. Was noch nicht bedeutet, dass dies nun unbedingt ein Erwachsenenfilm ist.

„Dune“ im Kino: Zwischen Wüstenlandschaften und High Tech

Die Parallelen vor allem zum ersten Star-Wars-Film sind verblüffend, und Denis Villeneuve stellt sie heraus: In faszinierenden Wüstenlandschaften, geheimnisvollen Herrscherdynastien, prophetischen Visionen, dem High-Tech-Mittelalter und vor allem: der Initiationsgeschichte eines jungen Mannes.

Timothée Chalamet verkörpert den Herzogssohn Paul Atreides als zentrale Figur wie einen alternativen Yedi-Ritter (die cool-schwarze Gothic-Kluft passt allerdings besser zur dunklen Seite der Macht). Mit Vater Leto (Oscar Isaac) und dessen Konkubine Lady Jessica (Rebecca Ferguson) ist er auf dem Wüstenpaneten Arrakis, von den Einheimischen „Dune“ genannt, gelandet. Dort gibt es einen einzigartigen Bodenschatz, das halluzinogene „Spice“, das interplanetarische Reisen deutlich einfacher macht, und zwar nicht nur in Gedanken: Wer unter dem Einfluss der Substanz ein Raumschiff steuert, ist auch bei Lichtgeschwindigkeit sicher unterwegs.

Detailarbeit im Visuellen: „Dune“ kombiniert Blockbuster-Effekte mit Wagner-Dramatik

Doch das kolonialistische Abenteuer weckt auch die Begehrlichkeiten anderer: Das schurkische Adelshaus Harkonnen, das in der Vergangenheit den Planeten ausgebeutet hat, würde das gern weiter tun – und dabei den Wüstenplaneten noch mehr verwüsten. Das alles zudem auf Kosten des auf Arrakis lebenden Höhlen-Volks der Fremen. Den wuchtigen Baron Vladimir Harkonnen spielt Stellan Skarsgård wie ein zum Bösen mutiertes Michelin-Männchen.

Herbert entwarf ein komplexes Gesellschaftsporträt voller Klassengegensätze; doch Villeneuve interessiert sich eher für Detailarbeit im Visuellen. Raumschiffe gleiten in eleganten Balletten über die Breitwand-Leinwand. Es ist imponierend, wie sich der Kanadier der schnellen Schnittfrequenz und Effektfülle des üblichen Blockbuster-Kinos verweigert. Was er dagegen setzt, ist ein theatrales Pathos, monumental und dennoch minimalistisch – vor Kulissen wie in einer Bayreuth-Inszenierung Wieland Wagners aus den Fünfzigern: Das Wort Weltraum-Oper erhält dabei eine neue Bedeutung. Hans Zimmers Musik unterstreicht diesen modernistischen Anspruch in den Innenaufnahmen mit bleischweren Harmonien. Für Actionszenen wechselt er in die folkloristisch-rhythmische Klangwelt seines vielleicht bekanntesten Scores, „Der König der Löwen“.

Rückkehr zum Kino: Villeneuves „Dune“ ist für die große Leinwand gemacht

Es ist ein schwelgerischer Ausstattungsfilm, der die Landschaften so weit fasst, dass die Menschen darin wirken wie Statisten in „Lawrence von Arabien“. Jede Szene möchte uns mitteilen: Wie schön, endlich sind wir wieder in einem hoffentlich recht großen Kino. Auch wenn das Schönste daran auf einer Theaterbühne vielleicht noch wirkungsvoller wäre – die Oscar-würdigen Kostüme in ihren New-Romantic-Style.

In der Tat dürfte allein der Wüstenwurm, der erst nach einer Stunde für die erste Actionszene sorgt, mehrere hundert Meter messen. Die Raumschiffe gleichen fliegenden Städten. Und auch die Zeit wirkt gewaltig im 155-minütigen Auftakt zu weiteren „Dune“-Kapiteln. Gut möglich, dass alles, was man in dieser epischen Exposition vermisst, in folgenden Teilen noch ausgeführt wird. Man erwirbt einen sechsbändigen Romanzyklus nicht, um sich die Möglichkeiten eines vielteiligen „Franchise“ entgehen zu lassen.

Verfilmung von Frank Herberts „Dune“: Zeitreise in die Sechziger

Zu Beginn seiner Initiation muss der adelige Held auf Geheiß der von Charlotte Rampling gespielten Mutter Oberin der Hof-Sekte Bene Gesserit seine Hand in ein Kästchen legen. Was denn darin sei, möchte er wissen und erhält zur Antwort: „Schmerz“.

Dune

USA; 2021; Regie: Denis Villeneuve; 155 Minuten

Ein wahrhaft revolutionärer Geist verweigerte sich wohl dieser Mutprobe, die sich zugleich einer machtgierigen Schwesternschaft andient, die nach ihrem Messias sucht. Aber diese Frage stellt sich schon bei Frank Herbert – ebenso wie später bei George Lucas: Wie konnten in einer Zeit, in der alternative Lebensformen die Popkultur bestimmten, martialische Weltraum-Epen gänzlich humorfrei in feudale Ritterwelten führen? Jede Begegnung mit „Dune“ ist auch eine Zeitreise in die Sechziger, als die ersten beiden Bände erschienen. Eine Verbindung in die Hippiezeit jedenfalls ist unübersehbar: Wenn man schon in einen Krieg zieht, dann wenigstens den um eine Droge. (Daniel Kothenschulte)

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